Cyberspionage und Phishing sind die häufigsten Angriffsarten. Diebstahl personenbezogener Kundendaten (33 Prozent), finanzielle Verluste (30 Prozent) und beeinträchtigte Geschäftsprozesse (27 Prozent) als Folge
97 Prozent der Einzelhandelsunternehmen in Europa waren innerhalb eines Jahres von Cybervorfällen betroffen, wie eine aktuelle Kaspersky-Umfrage zeigt [1]. Demnach zählten Cyberspionage und Phishing zu den häufigsten Sicherheitsvorfällen, gefolgt von KI-bezogenen Schwachstellen und klassischer Malware. Die Folgen reichen von Kundendatendiebstahl (33 Prozent) und finanziellen Verlusten (30 Prozent) bis zur Unterbrechung von Geschäftsabläufen (27 Prozent) – entsprechend haben 85 Prozent der Unternehmen ihre IT-Sicherheitsbudgets erhöht.
Ob Online-Shop, Kundenkonto, Kundenbindungsprogramm oder digitales Bezahlen: Der Einzelhandel verarbeitet personenbezogene Daten heute über zahlreiche miteinander vernetzte Systeme. Die Digitalisierung dieser Branche macht sie auch für Cyberkriminelle interessant. So zeigt die aktuelle Kaspersky-Studie: 97 Prozent der europäischen Einzelhandelsunternehmen waren in den vergangenen zwölf Monaten von Cybervorfällen betroffen.
Die aktuelle Kaspersky-Umfrage zeigt zudem, wie breit das Angriffsspektrum im europäischen Handel inzwischen ist: Etablierte Angriffsmethoden treffen zunehmend auf neue technologiebezogene Risiken. Am häufigsten waren die Unternehmen von Cyberspionage (26 Prozent) und Phishing (24 Prozent) betroffen. Jeweils 18 Prozent berichteten von groß angelegten Malware-Angriffen beziehungsweise der Ausnutzung von Schwachstellen in KI-Systemen. DDoS-Angriffe folgten mit 15 Prozent. Auffällig ist, dass KI-bezogene Schwachstellen damit bereits ebenso häufig genannt wurden wie klassische Malware-Angriffe.
Konsequenzen eines Angriffs sind vielfältig
Die Folgen schwerwiegendster Cybervorfälle der vergangenen 12 Monate zeigen, dass Angriffe auf Handelsunternehmen in Europa sowohl Daten als auch Finanzen und zentrale Geschäftsabläufe treffen. Am häufigsten wurde der Diebstahl personenbezogener Kundendaten genannt (33 Prozent), gefolgt von finanziellen Verlusten (30 Prozent) und der Beeinträchtigung von Geschäftsprozessen (27 Prozent). Jedes vierte Unternehmen erlitt einen unwiederbringlichen Datenverlust (24 Prozent). Jeweils 21 Prozent berichteten zudem von vorübergehenden Ausfällen kundenbezogener Dienste, dem Kontrollverlust über IT-Infrastruktur oder IoT-Geräte sowie von Reputationsschäden.
Angesichts dieser vielfältigen Folgen reagieren Einzelhandelsunternehmen nach einem Angriff mit einer Kombination aus technischen und organisatorischen Maßnahmen. Jeweils 39 Prozent stärkten ihre Cloud-Sicherheitskontrollen oder führten verpflichtende IT-Sicherheitsschulungen für alle Mitarbeitenden ein beziehungsweise aktualisierten diese. Jeweils 36 Prozent verbesserten die Sicherheitslösungen auf den von Mitarbeitenden genutzten Geräten oder verschärften ihre Passwortrichtlinien. Weitere 33 Prozent erhöhten die IT-Sicherheitsanforderungen an Partner und Auftragnehmer. Die Maßnahmen zeigen, dass Unternehmen neben ihrer technischen Infrastruktur zunehmend auch Mitarbeitende und Lieferketten in ihre Sicherheitsstrategie einbeziehen.
Mitarbeitenden mangelt es an Sicherheitsbewusstsein
Das Risiko erfolgreicher Cyberangriffe entsteht häufig durch ein Zusammenspiel technischer, personeller und organisatorischer Schwachstellen. Als größten Risikofaktor nannten Einzelhandelsunternehmen verzögerte Patch- und Update-Prozesse (32 Prozent), gefolgt von einem mangelnden IT-Sicherheitsbewusstsein der Mitarbeitenden (26 Prozent). Jeweils 24 Prozent verwiesen auf fehlende Fachkenntnisse im IT-Sicherheitsteam, unzureichende Sicherheitslösungen, eine Überlastung durch zu viele Sicherheitswarnungen sowie mangelnde Unterstützung durch die Unternehmensleitung. Fehlende regelmäßige Risikobewertungen wurden von weiteren 21 Prozent genannt.
Die Ergebnisse zeigen, dass wirksame Cybersicherheit neben moderner Technologie auch klare Prozesse, qualifizierte Mitarbeitende und Rückhalt aus dem Management erfordert. Besonders deutlich wird das Risiko bei alltäglichen digitalen Verhaltensweisen der Mitarbeitenden. Die Hälfte der befragten Handelsunternehmen (50 Prozent) berichtete, dass Beschäftigte externe KI-Tools wie ChatGPT oder DeepSeek für berufliche Aufgaben nutzen. 38 Prozent nannten das Ignorieren von Sicherheitswarnungen, 32 Prozent die ungesicherte Verbindung von Unternehmensgeräten mit öffentlichen WLAN-Netzen. Jeweils 29 Prozent beobachteten die Nutzung privater Geräte für Arbeitsaufgaben und die Speicherung von Unternehmensdaten sowie einen unsicheren Umgang mit Passwörtern.
Mehrheit erhöht IT-Sicherheitsbudgets
IT-Sicherheit bleibt für den Einzelhandel eine klare Investitionspriorität: 85 Prozent haben ihr Budget im Vergleich zum Vorjahr erhöht, bei 15 Prozent blieb es weitgehend unverändert. Dies zeigt, dass die Branche auf die wachsende Bedrohungslage überwiegend mit zusätzlichen finanziellen Mitteln reagiert.
Unter den Unternehmen mit erhöhtem Budget investierten 45 Prozent in den Ausbau ihrer internen IT- und IT-Sicherheitsteams. Gleichzeitig setzten 41 Prozent zusätzliche Mittel für die Auslagerung einzelner Sicherheitsaufgaben ein, etwa für Schulungen, MSSP- oder MDR-Dienste. Jeweils 34 Prozent stärkten die Sicherheit ihrer Cloud- und Hybrid-Infrastruktur, führten Datenschutztechnologien ein oder verbesserten die Widerstandsfähigkeit ihrer Systeme. Weitere 31 Prozent investierten in umfassendere und fortschrittlichere IT-Sicherheitslösungen. Die Mittel fließen damit sowohl in interne Kompetenzen als auch in externe Expertise und moderne Schutztechnologien.
„Der Einzelhandel ist eine äußerst dynamische Branche: Geschäftsprioritäten, Arbeitslasten, Anforderungen an die Infrastruktur und wirtschaftliche Rahmenbedingungen verändern sich schnell. Damit die Cybersicherheit mit diesen Veränderungen Schritt halten kann, greifen Einzelhandelsunternehmen auf externe Sicherheitsdienstleister zurück. So erhalten sie Zugang zu den benötigten Fachkenntnissen und Technologien, ohne ihre internen Teams kontinuierlich ausbauen zu müssen“, so Elizaveta Komarova, Solution Architect Finance & Retail bei Kaspersky. „Wenn Einzelhandelsunternehmen einen Teil ihrer Cybersicherheitsaufgaben auslagern, übertragen sie einem externen Partner faktisch Mitverantwortung für die Widerstandsfähigkeit ihrer Geschäftsprozesse und die mit Sicherheitsvorfällen verbundenen finanziellen Risiken. Umso wichtiger ist es, auf die Erfahrung des Anbieters vertrauen zu können. Dazu gehören nachweisbare Erfolge bei Einzelhandelsunternehmen unterschiedlicher Größe sowie ein lückenloser Schutz rund um die Uhr. Besonders entscheidend ist dies in Spitzenzeiten wie saisonalen Verkaufsaktionen, Phasen erhöhter Nachfrage oder an Feiertagen. In diesen Zeiträumen sind die Kosten eines Ausfalls besonders hoch, während interne Teams möglicherweise nur eingeschränkt verfügbar sind.“
Kaspersky-Empfehlungen für den Einzelhandel zum Schutz vor Cyberangriffen
- Eine umfassende Cybersicherheitskultur etablieren: Ein kontinuierliches Awareness-Programm sollte alle Mitarbeitenden regelmäßig über Cybersicherheit informieren, fortlaufend aktualisiert werden und aktuelle Erkenntnisse zur Bedrohungslage einbeziehen. Dadurch werden das Sicherheitsbewusstsein und das Schutzverhalten im Unternehmen gestärkt.
- Richtlinien für die Nutzung von KI einführen oder aktualisieren: Die Vorgaben sollten insbesondere das Risiko einer unbeabsichtigten Offenlegung von Daten berücksichtigen. Unternehmen sollten klar definieren, wie Mitarbeitende KI-Tools verwenden dürfen, welche Daten eingegeben werden können, wie vertrauliche Informationen zu anonymisieren sind und welche KI-Dienste zugelassen sind.
- Die wertvollsten Unternehmenswerte und wichtigsten Geschäftsprozesse identifizieren: Kundendaten, geistiges Eigentum, zentrale Anwendungen und Prozesse innerhalb der Lieferkette müssen besonders geschützt werden. Auf dieser Grundlage können Unternehmen eine geeignete Sicherheitsarchitektur aufbauen.
- Die aktuelle Cybersicherheitslage der Branche beobachten: Unternehmen sollten Bedrohungsanalysen durchführen und untersuchen, welche Angreifer und Schwachstellen die größten Auswirkungen auf den Geschäftsbetrieb haben könnten.
- Die Widerstandsfähigkeit der digitalen Umgebung stärken: Fortschrittliche Sicherheitslösungen wie Kaspersky Retail CyberSecurity [2] auf Arbeitsplätzen, Laptops und Mobilgeräten einsetzen, um Cybervorfälle zu erkennen und zu verhindern. Sämtliche Sicherheitslösungen müssen kontinuierlich aktualisiert werden, damit sie neuen Bedrohungen wirksam begegnen können.
[1] Die Studie wurde im März 2026 vom internen Forschungszentrum von Kaspersky durchgeführt, dafür wurden IT-Sicherheitsexperten aus 18 Ländern befragt.
[2] https://www.kaspersky.de/enterprise-security/retail-cybersecurity
Nützliche Links:
- Kaspersky Retail CyberSecurity: https://www.kaspersky.de/enterprise-security/retail-cybersecurity