Weltweit waren mehr als 34.000 Nutzer in den Jahren 2024 und 2025 von Stalkerware betroffen
- 46 Prozent der Befragten haben in den vergangenen zwölf Monaten mindestens eine Form von technologiegestütztem Missbrauch erlebt; dennoch kennen nur 32 Prozent den Begriff
Fast jeder Zweite weltweit (46 Prozent) hat innerhalb der vergangenen zwölf Monate mindestens eine Form von technologiegestütztem Missbrauch erlebt. Dennoch können nur 32 Prozent der Befragten mit diesem Begriff etwas anfangen und viele Betroffene erkennen digitale Übergriffe nicht als Missbrauch, da oft keine konkreten Beweise vorliegen und sie in der alltäglichen Kommunikation verankert sind. Dabei reichen die Vorfälle von gezieltem Blockieren oder Ausgrenzen (17 Prozent) und beleidigenden Nachrichten (15 Prozent) bis hin zu digitalem Stalking (9 Prozent) und Doxxing (5 Prozent). Parallel dazu beobachten die Sicherheitsexperten von Kaspersky eine Verbreitung von sogenannter Stalkerware, mit der Täter Smartphones heimlich überwachen und persönliche Daten ausspionieren können. Allein im Zeitraum 2024 und 2025 waren weltweit mehr als 34.000 Nutzer betroffen. Diese Ergebnisse gehen aus einer aktuellen Kaspersky-Studie hervor [1].
Technologiegestützter Missbrauch umfasst jede Form missbräuchlichen Verhaltens, das mithilfe digitaler Technologien wie Smartphones, sozialer Medien oder Online-Plattformen ausgeübt oder verstärkt wird. Dazu zählen unter anderem Online-Belästigung und -Ausgrenzung, Cyberstalking, Identitätsdiebstahl sowie unbefugte Überwachung. Da diese Verhaltensweisen häufig keine physischen Spuren hinterlassen und in alltägliche Kommunikationsprozesse eingebettet sind, werden sie von vielen Betroffenen nicht als Missbrauch wahrgenommen.
Wenn es um die Erkennung von technologiegestütztem Missbrauchs geht, zeigt sich ein durchmischtes Bild bei den Befragten. Laut aktueller Kaspersky-Studie kennen lediglich 32 Prozent den Begriff „technologiegestützter Missbrauch“; gleichzeitig berichteten jedoch 46 Prozent, innerhalb der vergangenen zwölf Monate mindestens eine Form davon erlebt zu haben. Dabei ist ein solcher technologiegestützter Missbrauch – wenn auch nicht auf den ersten Blick erkennbar – kein Einzelfallphänomen. Aktuelle Bitkom-Zahlen aus Deutschland zeigen, wie eng digitale Nähe, Sicherheitsempfinden und Kontrolle in Beziehungen beieinanderliegen können [2]: 14 Prozent der Internetnutzer haben ihren Standort in einer Beziehung bereits dauerhaft mit Partner oder Partnerin geteilt, und zwar nicht nur aus Sicherheit, Praktikabilität und Verbundenheit, sondern auch aus Erwartungsdruck oder Misstrauen: 9 Prozent gaben an, ihren Standort zu teilen, weil es der Partner erwarte, und 6 Prozent aus Sorge, sonst Misstrauen auszulösen.
Die vier häufigsten Formen von digitalem Missbrauch
Laut Kaspersky waren weltweit Betroffene durchschnittlich 2,7 verschiedenen Formen von Missbrauch ausgesetzt. Am häufigsten nannten sie
- Blockieren oder Ausgrenzen mit der Absicht, Schaden zuzufügen (17 Prozent),
- beleidigende oder respektlose Nachrichten (15 Prozent),
- digitales Stalking (9 Prozent),
- Doxxing (5 Prozent).
Die zunehmende Gefahr solcher Übergriffe spiegelt sich auch in der sich stetig wandelnden Bedrohungslandschaft wider. So identifizierten die Experten von Kaspersky Digital Footprint Intelligence ein wachsendes Ökosystem von Doxing-Diensten in Darknet-Foren, deren Preise zwischen 50 und 4.000 US-Dollar liegen.
„Technologiegestützter Missbrauch wird bislang nicht allgemein als eigenständige Form von Gewalt oder Schädigung anerkannt“, so Dr. Leonie Maria Tanczer, außerordentliche Professorin für Informatik am University College London (UCL) und Leiterin des Gender and Tech Research Lab. „Ein Grund dafür ist das fehlende gemeinsame Verständnis darüber, was darunter fällt, wie diese Studie eindrucksvoll zeigt. Als Folge bleiben viele Erfahrungen unbenannt, werden nicht gemeldet und die Betroffenen erhalten keine angemessene Unterstützung. Ohne einen gemeinsamen Rahmen ist es zudem schwierig, das tatsächliche Ausmaß des Problems zu erfassen und wirksam darauf zu reagieren.“
Stalkerware trifft Nutzer in über 160 Ländern
Kaspersky beobachtet seit vielen Jahren hochentwickelte Überwachungswerkzeuge, sogenannte Stalkerware. Bei Stalkerware handelt es sich um Softwareprogramme, Apps oder Geräte, die dazu eingesetzt werden, das Privatleben einer anderen Person über deren Mobilgerät heimlich auszuspionieren. Täter können damit aus der Ferne nahezu sämtliche Aktivitäten auf dem Gerät überwachen, persönliche Daten auslesen wie Websuchen, Standortdaten, Textnachrichten, Fotos und Sprachanrufe.
In den Jahren 2024 und 2025 waren weltweit mehr als 34.000 Nutzer davon betroffen. Damit stieg die Gesamtzahl der registrierten Betroffenen in den vergangenen fünf Jahren auf 127.000. Im selben Zeitraum identifizierte Kaspersky zudem 33 bislang unbekannte Stalkerware-Familien, was die anhaltende Dynamik in diesem Bereich verdeutlicht. Betroffene finden sich weltweit in mehr als 160 Ländern; besonders häufig betroffen sind Nutzer in Russland, Brasilien und Indien.
„Stalkerware, die von jedem mit Internetanschluss problemlos heruntergeladen und installiert werden kann, ermöglicht es Tätern, von überall aus auf das Smartphone zuzugreifen“, erklärt Tatyana Shishkova, Lead Security Researcher und Head of Research Center Americas & Europe im Global Research and Analysis Team (GReAT) bei Kaspersky. „Da die Software im Hintergrund und heimlich läuft, bemerken die meisten Betroffenen nicht, dass jede ihrer Bewegungen und Handlungen überwacht wird. Deshalb ist es äußerst wichtig zu wissen, wie man solche Aktivitäten erkennt und was zu tun ist, wenn Nutzer Stalking vermuten.“
Kaspersky ist sich der wachsenden Risiken durch Stalkerware und der Notwendigkeit einer koordinierten Reaktion auf diese Missbrauchsform bewusst und gehört daher zu den Mitbegründern der Koalition gegen Stalkerware [3]. Diese internationale Arbeitsgruppe gegen Stalkerware und häusliche Gewalt vereint private IT-Unternehmen, NGOs, Forschungseinrichtungen und Strafverfolgungsbehörden, die gemeinsam gegen Cyberstalking vorgehen und Betroffenen von Online-Missbrauch helfen.
Kaspersky-Empfehlungen für von Stalkerware Betroffene
- Die Stalkerware auf keinen Fall deinstallieren oder Einstellungen des Smartphones ändern, da dies den potenziellen Täter alarmieren und zu einer Eskalation der Situation führen könnte. Zudem könnten wichtige Daten und Beweise gelöscht werden, die für eine Strafverfolgung wichtig sind.
- Die Webseiten www.polizei-beratung.de oder www.StopStalkerware.org/de der Koalition gegen Stalkerware bieten erste Hilfestellung und Kontakte zu Anlaufstellen, um schnell und individuell professionelle Unterstützung zu erhalten.
- Für die Kontaktaufnahme mit Beratungsstellen, die Suche nach Hilfsangeboten oder für Gespräche über die eigene Situation sollte nach Möglichkeit ein sicheres und vertrauenswürdiges Gerät verwendet werden, das nicht überwacht wird.
- Auf die Warnzeichen achten: eine gesunkene Akkuleistung aufgrund unbekannter oder verdächtiger Anwendungen, die viel Arbeitsspeicher, CPU- und Akkuleistung benötigen; unbekannte, neu installierte Anwendungen mit verdächtigem Zugriff auf Standort- bzw. Geolokalisierungsdaten oder mit anderweitig nicht logisch erklärbaren Funktionen; unerklärliches Detailwissen Dritter; wenn die Einstellung „Unbekannte Quellen“ aktiviert, kann dies ein Zeichen dafür sein, dass unerwünschte Software von einer Drittquelle heimlich installiert wurde. Diese Anzeichen können ein Hinweis darauf sein, dass eine Stalkerware installiert wurde; sie sind jedoch noch kein Beweis dafür.
- Konten sollten durch starke, einzigartige Passwörter – idealerweise generiert und verwaltet mittels eines Password Managers [4] geschützt werden. Passwortänderungen sollten auf einem Gerät vorgenommen werden, das nachweislich frei von Stalkerware ist.
- Eine bewährte Sicherheitslösung wie Kaspersky Premium [5] nutzen. Die Kaspersky-Funktion „Wer spioniert mich aus?“ (verfügbar in Android-Apps) kann beispielsweise Stalkerware, verdächtige Apps mit Überwachungsfunktionen sowie unbekannte Bluetooth-Geräte identifizieren, die zur Offline-Verfolgung genutzt werden könnten. Solche Tools warnen vor Software, die möglicherweise heimlich auf sensible Daten zugreift, darunter Standortdaten, Nachrichten, Anruflisten, Browserverlauf oder Tastatureingaben.
Der vollständige Report ist verfügbar unter https://lp.kaspersky.com/global/tech-enabled-abuse-1
[1] https://lp.kaspersky.com/global/tech-enabled-abuse-1
[3] https://stopstalkerware.org/de/
[4] https://www.kaspersky.de/password-manager
Nützliche Links:
- Kaspersky-Umfrage zu technologiegestütztem Missbrauch: https://lp.kaspersky.com/global/tech-enabled-abuse-1
- Koalition gegen Stalkerware: https://stopstalkerware.org/de/
- Kaspersky Premium: https://kas.pr/re3t
- Kaspersky Password Manager: https://www.kaspersky.de/password-manager