62 Prozent der Frauen und 54 Prozent der Männer fühlen sich im Netz unsicher
- Knapp die Hälfte der Fälle von Online-Missbrauch gehen vom sozialen Umfeld aus
- Personen, die Missbrauch durch Freund, Partner oder Familienmitglied erlebt haben, haben häufig gegenüber genau derselben Personengruppe selbst missbräuchlich gehandelt
Eine aktuelle Kaspersky-Studie zeigt: Technologiegestützter Missbrauch ist oft persönlicher als vermutet [1]. Zwar berichten 40 Prozent der Betroffenen weltweit, von unbekannten Personen belästigt worden zu sein, doch fast die Hälfte gibt an, dass Täter aus dem eigenen sozialen Umfeld stammen, darunter Freunde (15 Prozent), aktuelle Partner (10 Prozent), Familienmitglieder (7 Prozent) oder Ex-Partner (6 Prozent). Gleichzeitig fühlen sich Frauen online häufiger unsicher als Männer: 62 Prozent der Frauen berichten von einem Gefühl der Unsicherheit in digitalen Umgebungen, verglichen mit 54 Prozent der Männer.
Fast jede zweite Person weltweit (46 Prozent) hat innerhalb der vergangenen zwölf Monate mindestens eine Form von technologiegestütztem Missbrauch erlebt. Die aktuelle Studie von Kaspersky zeigt, dass Online-Missbrauch dabei weitaus persönlicher ist als allgemein angenommen. Zwar gaben 40 Prozent der Befragten, die technologiegestützten Missbrauch erlebt hatten, an, von einer unbekannten Person belästigt worden zu sein; fast die Hälfte berichtete jedoch, dass der Täter aus dem eigenen sozialen Umfeld stammte. Am häufigsten waren:
- Freunde (15 Prozent),
- aktuelle Partner (10 Prozent),
- Kollegen (8 Prozent),
- Familienmitglieder (7 Prozent) und
- Ex-Partner (6 Prozent)
die Täter.
Wenn Opfer zu Tätern werden und umgekehrt
Auffällig ist zudem, dass Personen, die Missbrauch durch einen Freund, Partner oder ein Familienmitglied erlebt haben, deutlich häufiger angaben, gegenüber genau dieser Personengruppe selbst missbräuchlich gehandelt zu haben. Dies deutet darauf hin, dass durch Technologie ermöglichter Missbrauch im Laufe der Zeit zur Normalität werden, auf Gegenseitigkeit beruhen und sich mitunter wechselseitig verstärken kann.
„Die Erkenntnisse stellen die weit verbreitete Annahme infrage, dass technologiegestützter Missbrauch vor allem anonym oder durch Fremde verübt wird“, so Dr. Leonie Maria Tanczer, Associate Professorin für Informatik am University College London (UCL) und Leiterin des Gender and Tech Research Lab. „Sie zeigen, dass solche Schäden häufig in bestehende Beziehungen eingebettet sind, also in Bereiche, die normalerweise mit Vertrauen und emotionaler Sicherheit verbunden werden. In solchen Kontexten kann Missbrauch Teil eines Kreislaufs gegenseitiger Eskalation werden, in dem Betroffene auf wahrgenommenen Schaden, Kontrolle oder Demütigung mit weiterem schädlichem Verhalten reagieren. Digitale Umgebungen können diese Dynamiken durch ihre Unmittelbarkeit und Intensität zusätzlich verstärken. Dadurch eskalieren Konflikte leichter und können schwerer unterbrochen werden. Es ist entscheidend, diese Beziehungsmuster zu erkennen, um das gesamte Ausmaß technologiegestützten Missbrauchs zu verstehen und wirksam dagegen vorzugehen.“
Der Generationen- und Geschlechterkonflikt bei digitaler Gewalt
Bewusstsein und Verständnis für technologiegestützten Missbrauch unterscheiden sich deutlich zwischen den Altersgruppen und spiegeln größere Unterschiede bezüglich digitaler Kompetenz und Online-Erfahrung wider. Unter den Befragten der Generation Z, die mit Smartphones und ständiger Vernetzung aufgewachsen sind, gaben 81 Prozent an, den Begriff „technologiegestützter Missbrauch“ zu kennen. Bei den Babyboomern lag dieser Wert bei nur 64 Prozent.
Über alle Altersgruppen hinweg berichten Frauen zudem deutlich häufiger von Unsicherheit und einem Gefühl von Verletzlichkeit in digitalen Umgebungen. So gaben 62 Prozent der Frauen weltweit an, sich online unsicher zu fühlen, verglichen mit 54 Prozent der Männer. Diese Zahlen zeigen, dass digitale Räume nicht von allen gleich wahrgenommen werden. Für viele Frauen sind sie nicht nur Orte der Vernetzung und neuer Möglichkeiten, sondern auch Räume mit erhöhten Risiken und emotionaler Belastung.
„Aus Cybersicherheitsperspektive verändert die Tatsache, dass fast 60 Prozent der Fälle von technologiegestütztem Missbrauch von Personen aus dem sozialen Umfeld der Betroffenen ausgehen, unseren Schutzansatz grundlegend“, resümiert Tatyana Shishkova, Lead Security Researcher und Head of Research Center Americas & Europe im Global Research and Analysis Team (GReAT) bei Kaspersky. „Diese Bedrohung ist kein klassischer Cyberangriff; sie ist in alltägliche Interaktionen, vertrauenswürdige Geräte sowie den gemeinsamen Zugriff auf Konten oder Daten eingebettet. Dadurch ist sie schwerer zu erkennen und wird leichter übersehen. Um das Risiko zu verringern und eine Eskalation des Missbrauchs zu verhindern, sind eine stärkere Cyber-Hygiene, ein besseres Verständnis für den Missbrauch von Zugriffsrechten und Berechtigungen sowie der Einsatz vertrauenswürdiger Sicherheitstools unerlässlich.“
Kaspersky-Tipps zum Schutz vor digitaler Gewalt
- Auf Warnzeichen achten und entsprechend handeln; Technologiegestützter Missbrauch kann viele Formen annehmen, von kontrollierendem Verhalten und ständiger Überwachung bis hin zu Belästigung, Ausgrenzung oder Drohungen.
- Bei Verdacht auf missbräuchliches Verhalten dies nicht ignorieren. Vorfälle sollten nach Möglichkeit dokumentiert und frühzeitig Unterstützung eingeholt werden, bevor die Situation eskaliert.
- Starke, einzigartige Passwörter, Zwei-Faktor-Authentifizierung sowie die regelmäßige Überprüfung von Konto- und Datenschutzeinstellungen verwenden, um die digitale Sicherheit zu erhöhen.
- Geräte, Konten oder sensible Informationen nur teilen, wenn es notwendig ist. Zudem darauf achten, welche Apps oder Berechtigungen eine Überwachung ermöglichen können.
- Bei Bedarf sich an vertrauenswürdige Personen oder professionelle Organisationen wenden. Niemand muss eine solche Situation allein bewältigen. Weiterführende Informationen und Kontakte bietet die internationale und von Kaspersky mitgegründete Koalition gegen Stalkerware [2]
- Wer Missbrauch beobachtet, sollte nicht davon ausgehen, dass andere handeln. Schon kleine Schritte wie Nachfragen, Unterstützung anbieten oder auf Hilfsangebote hinweisen können einen Unterschied machen.
- Sicherheitslösungen wie Kaspersky Premium [3] einsetzen, um verdächtige Aktivitäten zu erkennen, darunter Stalkerware, unbefugte Zugriffe oder unbekannte Tracking-Geräte.
Der vollständige Report „Invisible control. Tech-enabled abuse and its consequences for digital and social lives” ist verfügbar unter https://lp.kaspersky.com/global/tech-enabled-abuse-2
[1] https://lp.kaspersky.com/global/tech-enabled-abuse-2/ Die Studie wurde vom internen Marktforschungszentrum von Kaspersky durchgeführt und untersucht die Verbreitung sowie die Auswirkungen technologiegestützten Missbrauchs. Insgesamt wurden 7.600 Personen befragt; Teilnehmer stammten aus Österreich, Brasilien, China, Kolumbien, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Indien, Indonesien, Italien, Malaysia, Mexiko, Marokko, Portugal, Russland, Serbien, Spanien, Großbritannien und die USA.
[2] https://stopstalkerware.org/de/
Nützliche Links:
- Kaspersky-Umfrage zu technologiegestütztem Missbrauch: https://lp.kaspersky.com/global/tech-enabled-abuse-2
- Kaspersky Premium: https://kas.pr/re3t
- Koalition gegen Stalkerware: https://stopstalkerware.org/de/