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Digitale Gewalt: Mehr als jeder fünfte Betroffene ergreift keine Maßnahmen

21. Juli 2026

Betroffene weltweit berichten von konkreten Folgen für ihr Leben, darunter eingeschränkter Kontakt zu Freunden oder Familienmitgliedern, das Ende einer Beziehung oder Verlust oder Kündigung des Arbeitsplatzes

  • 79 Prozent verbinden technologiegestützten Missbrauch mit psychischen Folgen
  • Fehlende Unterstützung aus dem Umfeld der Betroffenen basiert auf Unsicherheit

Technologiegestützter Missbrauch kann weit über den digitalen Raum hinausreichen, wie eine aktuelle Kaspersky-Studie zeigt [1]. So verbindet die Mehrheit technologiegestützten Missbrauch mit psychischen Folgen (79 Prozent) wie Depressionen oder sozialem Rückzug (73 Prozent). Zwar berichten Betroffene weltweit von konkreten Folgen für ihr Leben, darunter eingeschränkter Kontakt zu Freunden oder Familienmitgliedern (11 Prozent), das Ende einer Beziehung (10 Prozent) sowie der Verlust oder die Kündigung des Arbeitsplatzes (4 Prozent). Dennoch ergreift jeder Fünfte (22 Prozent) keinerlei Maßnahmen. Auch im Umfeld der Betroffenen fehlt es häufig an Unterstützung: 12 Prozent derjenigen, die technologiegestützten Missbrauch bei einer ihnen bekannten Person beobachtet haben, haben nicht eingegriffen.

Technologiegestützter Missbrauch wird mit einer Vielzahl an Auswirkungen in Verbindung gebracht – am häufigsten psychischer Natur. So berichten in der aktuellen Kaspersky-Studie weltweit 79 Prozent der Befragten von Depressionen, Traumata und Langzeitstress als möglichen Folgen. Fast ebenso viele (73 Prozent) weisen auf soziale Konsequenzen wie Rufschädigung oder Isolation hin. Des Weiteren nannten die Befragten wirtschaftliche Schäden (55 Prozent) sowie das Risiko einer Eskalation hin zu körperlicher Gewalt (51 Prozent). Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Tragweite technologiegestützten Missbrauchs unterschätzt wird. Tatsächlich kann dieser in körperliche Gewalt münden, die persönliche Sicherheit unmittelbar gefährden oder langfristige gesundheitliche Folgen durch anhaltenden Stress und ständige Angst verursachen.

Betroffene von technologiegestütztem Missbrauch ergriffen in der Konsequenz unterschiedliche Maßnahmen, die sich sowohl auf das digitale als auch alltägliche Leben auswirken:

  • 42 Prozent wurden online vorsichtiger,
  • 17 Prozent reduzierten ihre digitale Präsenz oder löschten gar ihre Accounts,
  • 11 Prozent schränkten die Kommunikation mit Freunden, Familienmitgliedern oder Bekannten ein,
  • 10 Prozent beendeten eine Beziehung,
  • 4 Prozent verloren ihren Arbeitsplatz oder kündigten selbst,
  • 3 Prozent brachen die Schule ab.

Fehlende Orientierung verhindert häufig Unterstützung

Trotz der potenziell weitreichenden Folgen suchen Betroffene nur selten formelle Unterstützung. So ergriffen 22 Prozent derjenigen, die technologiegestützten Missbrauch erlebt hatten, keinerlei Maßnahmen. Unter den Babyboomern lag dieser Anteil sogar bei 37 Prozent. Auch im persönlichen Umfeld der Betroffenen war Unterstützung nur wenig verbreitet: Von den Befragten, die beobachtet hatten, wie eine ihnen bekannte Person technologiegestütztem Missbrauch ausgesetzt war, ergriffen 12 Prozent keine unterstützenden Maßnahmen. Diese Untätigkeit ist vor allem auf Unsicherheit und nicht auf Gleichgültigkeit zurückzuführen. So wussten 32 Prozent nicht, wie sie helfen sollten; weitere 23 Prozent waren unsicher, ob ein Eingreifen angemessen gewesen wäre.

„Die Ergebnisse sind besorgniserregend. Zwar erkennen viele Menschen das emotionale Leid durch digitalen Missbrauch, doch sie unterschätzen nach wie vor, welche weitreichenden Folgen es haben kann, beispielsweise auf ihre Karriere, Ausbildung oder Beziehungen im realen Leben“, kommentiert Tatyana Shishkova, Lead Security Researcher und Acting Head of Research Center Americas & Europe im Global Research and Analysis Team (GReAT) bei Kaspersky. „Ebenso bedenklich ist das Schweigen, das dieses Thema umgibt. Wenn Betroffene nicht handeln, geschieht dies häufig nicht aus Gleichgültigkeit, sondern weil sie schlicht nicht wissen, an wen sie sich wenden können. Genau diese Lücke möchten wir durch Aufklärung, leicht zugängliche Hilfsmittel und klarere Orientierung schließen.“

Dr. Leonie Maria Tanczer, Associate Professorin für Informatik am University College London (UCL) und Leiterin des Gender and Tech Research Lab, erklärt dies so: „Die Studie zeigt eine umfassendere Herausforderung, die wir bei allen Formen von technologiegestütztem Missbrauch beobachten: Das Erkennen führt nicht immer zu entsprechendem Handeln. Unsere jüngsten Untersuchungen zu Cyberstalking [2] haben gezeigt, dass Online-Formen des Stalkings – trotz ihrer schwerwiegenden Auswirkungen – häufig als weniger kriminell wahrgenommen werden als Stalking im realen Leben. Ebenso zeigt unsere Studie zu verschiedenen Betroffenenprofilen bei technologiegestütztem Missbrauch [3], dass viele Betroffene vor der Kontaktaufnahme mit spezialisierten Hilfsangeboten keinerlei Unterstützung gesucht hatten. Dies liegt häufig daran, dass technologiegestützter Missbrauch schwer zu erkennen ist, im digitalen Raum normalisiert wird oder sich nur schwer nachweisen lässt. Hier klafft eine erhebliche Verantwortungslücke. Zwar spielen Regierungen, Plattformbetreiber und die Gesellschaft insgesamt eine wichtige Rolle, doch ein nachhaltiger Wandel hängt auch davon ab, dass Einzelpersonen schädliche Verhaltensweisen erkennen, ernst nehmen und dagegen vorgehen, noch bevor sich der Missbrauch normalisiert oder eskaliert.“

Kaspersky-Tipps zum Schutz vor digitaler Gewalt

  • Auf Warnzeichen achten und entsprechend handeln; Technologiegestützter Missbrauch kann viele Formen annehmen, von kontrollierendem Verhalten und ständiger Überwachung bis hin zu Belästigung, Ausgrenzung oder Drohungen.
  • Bei Verdacht auf missbräuchliches Verhalten dies nicht ignorieren. Vorfälle sollten nach Möglichkeit dokumentiert und frühzeitig Unterstützung eingeholt werden, bevor die Situation eskaliert.
  • Starke, einzigartige Passwörter verwenden, Zwei-Faktor-Authentifizierung aktivieren sowie Konto- und Datenschutzeinstellungen regelmäßig überprüfen, um die digitale Sicherheit zu erhöhen.
  • Geräte, Konten oder sensible Informationen nur teilen, wenn es notwendig ist. Zudem darauf achten, welche Apps oder Berechtigungen eine Überwachung ermöglichen können.
  • Bei Bedarf sich an vertrauenswürdige Personen oder professionelle Organisationen wenden. Niemand muss eine solche Situation allein bewältigen. Weiterführende Informationen auf Deutsch und Kontakte bietet die internationale und von Kaspersky mitgegründete Koalition gegen Stalkerware [4].
  • Wer Missbrauch beobachtet, sollte nicht davon ausgehen, dass andere handeln. Schon kleine Schritte wie Nachfragen, Unterstützung anbieten oder auf Hilfsangebote hinweisen können einen Unterschied machen.
  • Sicherheitslösungen wie Kaspersky Premium [5] einsetzen, um verdächtige Aktivitäten zu erkennen, darunter Stalkerware, unbefugte Zugriffe oder unbekannte Tracking-Geräte.

Kaspersky ist Mitbegründer der Koalition gegen Stalkerware, einer internationalen Arbeitsgruppe gegen Stalkerware und häusliche Gewalt, die private IT-Unternehmen, NGOs, Forschungseinrichtungen und Strafverfolgungsbehörden zusammenbringt, um Cyberstalking zu bekämpfen und Betroffenen von Online-Missbrauch zu helfen.

Der vollständige Report „Invisible control. Tech-enabled abuse and its consequences for digital and social lives” ist verfügbar unter https://lp.kaspersky.com/global/tech-enabled-abuse-2

 

[1] https://lp.kaspersky.com/global/tech-enabled-abuse-2/ Die Studie wurde vom internen Marktforschungszentrum von Kaspersky durchgeführt und untersucht die Verbreitung sowie die Auswirkungen technologiegestützten Missbrauchs. Insgesamt wurden 7.600 Personen befragt; Teilnehmer stammten aus Österreich, Brasilien, China, Kolumbien, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Indien, Indonesien, Italien, Malaysia, Mexiko, Marokko, Portugal, Russland, Serbien, Spanien, Großbritannien und den USA.

[2] https://academic.oup.com/bjc/advance-article/doi/10.1093/bjc/azaf064/8216857

[3] https://static1.squarespace.com/static/6502e1541ed8df70549f7225/t/67ffca0c3da0ad76a8f4fc0b/1744816655578/CHI+EA+%E2%80%9825+Paper.pdf

[4] https://stopstalkerware.org/de/

[5] https://kas.pr/re3t


Nützliche Links:

 

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