Wie Trolle FindFace gegen Pornodarstellerinnen anwenden

22 Apr 2016

Der Fotograf Egor Tsvetkov aus St. Petersburg veröffentlichte kürzlich ein Fotoprojekt, das er mithilfe des Service FindFace erstellte. Er lenkte die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf diese Webseite und erweckte das „Biest“ aus dem Schlaf. Und das „Biest“ hat es auf die „Schöne“ abgesehen… Aber lassen Sie uns am Anfang beginnen.

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Falls Sie es nicht wissen: FindFace ist ein russischer Service, mit dessen Hilfe man anhand eines Fotos, das auf der Straße aufgenommen wurde, Nutzer des sozialen Netzwerks VK.com finden kann. Anfangs wurde er als Datingservice angepriesen, aber mittlerweile benutzt ihn jeder für seine eigenen Zwecke.

Beispielsweise sammeln Strafvollzugsbehörden zusätzliche Informationen über Kriminelle mithilfe von FindFace. Nutzer des anonymen russischen Forums Arhivach benutzen es für ihr perfides Hobby: sie enthüllen diejenigen, die ihnen zuwider sind, und mobben sie und ihr Umfeld.

Was ist passiert?

Dieses Mal griffen Internetprovokateure — die im Fachjargon als „Trolle“ bezeichnet werden — russische Pornodarstellerinnen an. Im Gegensatz zu ihren amerikanischen Kolleginnen rühmen sich russische Pornodarstellerinnen in sozialen Netzwerken nicht mit ihrem Beruf. Im täglichen Leben bevorzugen sie das Image des braven Mädchens.

Viele Bekannte dieser Frauen wissen nicht, womit diese ihren Lebensunterhalt verdienen. Die Trolle haben sich dazu entschlossen, diesen Lebensaspekt sehr klar der Öffentlichkeit zu präsentieren. Sie luden erotische Fotos dieser Frauen auf FindFace hoch und suchten nach deren VK.com-Accounts.

Wenn sie erfolgreich waren, begann das Cybermobbing. Die Querulanten sendeten Nachrichten an die Accountinhaber und deren Onlinefreunde. Sie schrieben den Opfern, dass es schlecht sei, Pornografie für Geld zu machen und teilten deren anzügliche Fotos mit deren Freunden.

Das Forum beinhaltet einen separaten Thread mit Berichten sowie der Sammlung übereinstimmender Fotos. Die Trolle teilten diese Inhalte ebenfalls in einer VK.com-Gruppe, jedoch wurden diese später gelöscht, nachdem einige Anwender die Seite gemeldet hatten.

Das Ergebnis war, dass mehrere Frauen ihre VK-Seiten und Instagram-Accounts löschten. Wenn Sie die Screenshots betrachten, die die Trolle veröffentlicht hatten, werden Sie sehen, dass diese Frauen ihre Verbindung zur Pornoindustrie leugneten, während ihre Freunde aufgebracht für sie Stellung nahmen.

Warum ist das schlecht?

Cybermobbing ist sehr weitverbreitet. Und für anonyme Provokateure ist Onlinemobbing die Lieblingsbeschäftigung. Sie vertreten die Meinung, dass sie diese Frauen mit Recht verurteilen, aber es gibt hier noch weitere Problematiken, die auf den ersten Blick nicht erkennbar sind.

FindFace-Ergebnisse sind nicht exakt. Wir testeten den Service im Selbstversuch in unserem Team und fanden heraus, dass er manchmal nicht in der Lage ist, Personen zu finden und zudem oft Fehler macht. FindFace zeigt in den Suchergebnissen eine Reihe von Accounts an, die nach ihrer möglichen Relevanz sortiert sind, und die mitunter nicht übereinstimmen.

So mobbten die Trolle eine Frau, die nie bei einem Porno- oder Erotikprojekt gefilmt worden war. Sie sah einfach einer der Pornodarstellerinnen ähnlich.

Zum jetzigen Zeitpunkt hat FindFace mehr als 500.000 User, die die Anwendung für verschiedene Zwecke nutzen. Zudem planen die Entwickler des Services den Funktionsumfang auf andere soziale Netzwerke auszuweiten. Dieser Schritt könnte von Grund auf ändern, was wir über Onlinedatenschutz wissen.

Wir haben es also mit einem globalen Problem zu tun. FindFace bringt uns einen Schritt näher an das neue Zeitalter des Barocks, das von Alexander Erofeev beschrieben wurde. FindFace gefährdet das Konzept der Privatsphäre als solches.

Was kommt als nächstes?

FindFace basiert auf Technologien (die von dem russischen Unternehmen N-Tech.Lab entwickelt wurden), die eine Reihe von großen Problemen lösen können. Jede dieser Lösungen wird einen Teil unseres Privatlebens offenlegen.

Marketingspezialisten sind darauf aus, FindFace in ein mächtiges Werbetool zu verwandeln, dass dabei helfen würde, personalisierte Angebote zu erstellen, exakte statistische Daten zu sammeln und Mitgliedskarten zu eliminieren (wer braucht schon eine Karte, wenn es ein Gesichtserkennungssystem und ein Foto des Kunden gibt)

Jedes personalisierte Angebot zieht automatisch die Aufmerksamkeit auf sich. Wenn Sie Werbung im Fernsehen anschauen, können Sie jederzeit abschalten. Aber wenn jemand Ihren Namen sagt und Ihnen etwas anbietet, das kürzlich im Web Ihre Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat, dann ist es vermutlich weitaus schwieriger, das zu ignorieren.

Wenn die Technologien, die die FindFace-Gesichtserkennung ermöglichen, auch so schnell wachsen, werden wir bald mit einer Flut von personalisierten Angeboten und Preisnachlassen konfrontiert werden. Wir werden sie überall finden können: in Video-Werbeanzeigen auf den Straßen, auf Bildschirmen in Einkaufszentren, in der U-Bahn und auf unseren eigenen PCs und Smartphones.

Was können Sie also tun um sich selbst zu schützen?

Erstens: veröffentlichen Sie nie viele Fotos online. Je weniger Fotos Sie in Ihrem Account hochladen, desto niedriger ist die Genauigkeit der Gesichtserkennung.

Zweitens sollten Sie die Privatsphäreeinstellungen Ihrer sozialen Netzwerke überprüfen. Limitieren Sie die Möglichkeit für Störenfriede, Ihnen direkt Nachrichten zu senden oder auf Ihrer Profilseite zu posten. Dies könnte Sie auch vor aufdringlicher Werbung schützen. Außerdem sollten Sie Ihre Freundesliste verbergen, da Trolle meist das wertvollste — den engen Freundeskreis — als Erstes angreifen.

Kaspersky Daily bietet eine Reihe von Artikeln, die Ihnen erklären, wie Sie Ihre Konten auf VK.com, Twitter, LinkedIn und Instagram schützen können.