Liebe, KI und Roboter

Warum haben wir eine Hassliebe zu Dating-Apps und was machen sie mit unserem Gehirn? Kann ein Emoji einen Krieg anzetteln? Und kann man eine KI überhaupt heiraten? Wir schauen uns an, wie Technologien von heute die Liebe und unsere Vorstellung davon beeinflussen.

Wie Technologie die Romantik umkrempelt: Dating-Apps, KI-Beziehungen und Emojis

Der Frühling steht vor der Tür und damit liegt auch die Liebe in der Luft. Doch was so romantisch klingt, wollen wir uns einmal ganz sachlich durch die Technik-Linse betrachten. Heute schauen wir uns deshalb an, wie Technologie unsere romantischen Ideale verändert und sogar die Sprache beeinflusst, mit der wir flirten. Und natürlich geben wir dir auch einige nicht ganz offensichtliche Tipps an die Hand, die dich vor falschen Bekanntschaften schützen.

Die neuen Sprachen der Liebe

Hast du dir auch schon einmal gedacht: „Bitte, es reicht!“, wenn du an nur einem Tag bereits die fünfte Video-E-Card von deiner älteren Verwandtschaft zugeschickt bekommst? Oder stellt für dich ein Punkt am Ende eines Satzes ein Zeichen passiver Aggression dar? In der Welt des Instant-Messaging sprechen unterschiedliche Alters- und Sozialgruppen ihre eigenen Dialekte und es gehen nicht selten inhaltliche Nuancen verloren, wenn diese Gruppen miteinander kommunizieren.

Dies wird besonders deutlich, wenn man vergleicht, wie Gen Z und Gen Alpha die Emoji-Sprache verwenden. Für diese ist das „Loudly Crying Face“ 😭 oft kein Zeichen von Traurigkeit, sondern eher von Lachen, einem Schock oder Besessenheit. Währenddessen kann das „Heart Eyes“-Emoji nicht für Romantik, sondern auch für Ironie stehen: „Heute beim Heimgehen Portemonnaie verloren 😍😍😍“. Einige Doppeldeutigkeiten wurden bereits in den universellen „Sprachgebrauch“ aller Gruppen aufgenommen, wie etwa die Flamme 🔥 als Zeichen für Anerkennung und Lob oder die Aubergine 🍆 für … nunja, du weißt schon, was.

Doch selbst die Mehrdeutigkeit dieser Symbole kann einige nicht davon abhalten, ganze Sätze ausschließlich aus Emojis zu basteln. So könnte beispielsweise eine Liebeserklärung aussehen:

🤫❤️🫵

Eine Einladung zu einem Date könnte man hingegen so ausdrücken:

🫵🚶➡️💋🌹🍝🍷❓

Und wusstest du schon, dass sogar ganze Bücher in Emoji-Sprache verfasst wurden? Bereits im Jahr 2009 wurde der komplette Roman „Moby Dick“ von Enthusiasten in diese Zeichensprache übersetzt. Dabei mussten die Übersetzer recht kreativ werden und sogar Freiwillige bezahlen, damit diese über die genauesten Kombinationen für jeden einzelnen Satz abstimmen. Okay, es ist nicht gerade ein literarisches Meisterwerk geworden, denn immerhin hat die Emoji-Sprache ihre Grenzen. Aber als Experiment ist es ziemlich faszinierend – so ist es tatsächlich gelungen, die allgemeine Handlung zu vermitteln.

Ein Auszug aus Emoji Dick – so heißt die Übersetzung von Herman Melvilles Moby Dick in die Emoji-Sprache

n Auszug aus Emoji Dick – so heißt die Übersetzung von Herman Melvilles Moby Dick in die Emoji-Sprache. Quelle

Leider ist es fast unmöglich, ein endgültiges Emoji-Wörterbuch oder einen formalen Styleguide für das Verfassen von Instant-Messages zusammenzustellen. Dafür existieren einfach zu viele Variablen: Alter, Kontext, persönliche Interessen und soziales Umfeld. Es kann natürlich trotzdem nicht schaden, deine Freunde oder Familienmitglieder zu fragen, wie sie Tonalität und Emotionen in ihren Nachrichten bevorzugt ausdrücken. Kleiner Fun-Fact am Rande: Paare, die regelmäßig Emojis verwenden, berichten im Allgemeinen, dass sie sich einander näher fühlen.

Aber Vorsicht: Wenn du ein großer Emoji-Fan bist, solltest du nicht vergessen, dass dein Schreibstil sehr leicht zu imitieren ist. So ist es für einen Angreifer überraschend einfach, deine Nachrichten oder öffentlichen Beiträge an eine KI zu füttern, um deinen sprachlichen Ton zu imitieren und deine Freunde und Familie mit Social-Engineering-Angriffen auszutricksen. Wenn du also eine hektische Textnachricht oder dringende Überweisungsaufforderung bekommst, die wie von deinem besten Kumpel klingt, überprüfe das lieber noch ein zweites Mal. Selbst wenn der Nachrichtenton perfekt getroffen wurde – bleib skeptisch. In unserem Artikel über den Angriff der Klone haben wir uns genauer angeschaut, wie man solche Deepfakes erkennen kann.

Eine KI als Dating-Partner

Natürlich kann man im Jahr 2026 das Thema Beziehungen zu künstlichen Intelligenzen nicht mehr ignorieren. Stattdessen fühlt es sich so an, als wären wir den Geschehnissen aus dem Film Her näher als je zuvor. Vor zehn Jahren klangen Nachrichten über Menschen, die mit Robotern ausgehen, noch wie Science-Fiction oder urbane Legenden. Heute hingegen kichern wir nur noch nervös, wenn wir von Teenagern hören, die mit ihren Lieblingsfiguren aus Character AI romantisch werden, oder über Menschen erfahren, die mit ihrem ChatGPT-Partner in groß angelegten Hochzeiten den Bund der Ehe schließen.

Bereits im Jahr 2017 startete der Dienst Replika, mit dem die Benutzer ihren eigenen KI-basierten Freund oder Lebenspartner erstellen können. Die Gründerin Eugenia Kuyda – eine gebürtige Russin, die seit 2010 in San Francisco lebt – entwickelte den Chatbot, nachdem ein Freund von ihr 2015 auf tragische Weise ums Leben kam und ihr nichts weiter als ihre Chat-Protokolle hinterließ. Was ursprünglich als persönlicher Bot begann, um ihre eigene Trauer zu verarbeiten, machte sie anschließend ihren Freunden und danach der breiten Öffentlichkeit zugänglich. Dabei stellte sich heraus, dass diese Art von Bekanntschaft offenbar einen Nerv bei vielen Menschen traf.

Mit Replika können die Benutzer die Persönlichkeit, die Interessen und das Aussehen eines Charakters anpassen, der ihnen anschließend Textnachrichten schickt oder sogar anruft. Ein kostenpflichtiges Abo schaltet die Option frei, eine romantische Beziehung mit dem Charakter eingehen zu können. Diese bietet KI-generierte Bilder, Selfies, Rollenspiel-Sprachanrufe und die Möglichkeit, selbst auszuwählen, woran sich der Charakter aus den Gesprächen erinnern soll.

Diese Art von Interaktionen ist jedoch nicht immer harmlos. Im Jahr 2021 überredete ein Replika-Chatbot einen Benutzer tatsächlich zu einem Plan, Königin Elizabeth II zu ermorden. Der Mann versuchte daraufhin, in Windsor Castle einzubrechen – ein „Abenteuer“, das schließlich 2023 mit einer Haftstrafe von neun Jahren Gefängnis endete. Nach dem Skandal musste das Unternehmen seine Algorithmen überarbeiten, um zu verhindern, dass die KI illegales Verhalten propagiert. Der Nachteil davon? Nach Meinung vieler Replika-Anhänger verlor das KI-Modell seine Magie und wurde den Benutzern gegenüber zu gleichgültig. Nachdem Tausende Nutzer gegen die aktualisierte Version rebellierten, sah sich Replika gezwungen, nachzugeben und langjährigen Kunden die Möglichkeit zu bieten, zur alten Version des Chatbots zurückzukehren.

Aber manchmal reicht es eben nicht, nur mit einem Bot zu chatten. So existieren ganze Online-Communities von Menschen, die ihre KI-Partner tatsächlich heiraten. Sogar professionelle Hochzeitsplaner mischen mit. Letztes Jahr heiratete die 32‑jährige Yurina Noguchi ihren „Klaus“ – eine KI‑Persona, mit der sie auf ChatGPT chattete. Die Hochzeit umfasste eine vollständige Zeremonie mit Gästen, dem Verlesen von Gelübden und sogar einem Fotoshooting des „glücklichen Paares“.

Die 32-jährige Yurina Noguchi „heiratete“ Klaus – eine KI-Persona, die von ChatGPT erstellt wurde. Quelle

Unabhängig davon, wie sich deine Beziehung zu einem Chatbot entwickelt, solltest du nicht vergessen, dass generative neuronale Netze keine Gefühle haben – selbst wenn sie ihr Bestes geben, um alle deine Anfragen zu erfüllen, dir zuzustimmen und alles zu tun, um dir zu gefallen. Außerdem ist KI nicht dazu in der Lage, unabhängig zu denken (zumindest jetzt noch nicht). Stattdessen berechnet sie einfach die passende Abfolge aus Wörtern, die statistisch gesehen am wahrscheinlichsten ist, und gibt sie als Antwort auf deine Eingabe aus.

Love by Design: Dating-Algorithmen

Aber auch diejenigen, die nicht bereit sind, den Bund mit einem Bot zu schließen, haben es nicht gerade einfach: in der heutigen Welt nehmen persönliche zwischenmenschliche Interaktionen Jahr für Jahr ab. Moderne Liebe erfordert schließlich moderne Technologie! Und während du garantiert schon das übliche Gemecker gehört hast: „Früher verliebten sich die Leute wirklich. Aber heute: Einmal links wischen, einmal rechts wischen, und das war’s!“ erzählen uns Statistiken eine andere Geschichte. Weltweit geben etwa 16% der Paare an, dass sie sich online kennengelernt haben, und in einigen Ländern liegt dieser Anteil bei bis zu 51%.

Dennoch lösen Dating-Apps wie Tinder ziemlich gemischte Gefühle aus. Das Internet ist praktisch überflutet mit Artikeln und Videos, die behaupten, dass solche Apps die Romantik zerstören und alle einsam machen. Aber was sagt eigentlich die Forschung dazu?

Im Jahr 2025 führten Wissenschaftler eine Meta‑Analyse von Studien durch, die untersuchen, wie Dating‑Apps das Wohlbefinden, das eigene Körperbild und die psychische Gesundheit der Benutzer beeinflussen. Eine Hälfte der Studien konzentrierte sich ausschließlich auf Männer, während die andere Hälfte sowohl Männer als auch Frauen umfasste. Hier sind die Ergebnisse: 86% der Befragten verbanden ein negatives eigenes Körperbild mit der Verwendung von Dating‑Apps! Die Analyse zeigte zudem, dass in fast jedem zweiten Fall die Nutzung von Dating‑Apps mit einer Verschlechterung der psychischen Gesundheit und des allgemeinen Wohlbefindens einherging.

Andere Forscher stellten fest, dass Depressionen bei Menschen, die Dating‑Apps meiden, geringer ausgeprägt sind. Im Gegensatz dazu entwickeln Nutzer, die bereits unter Einsamkeit oder Angst leiden, häufig eine Abhängigkeit vom Online‑Dating: So melden sie sich nicht nur für potenzielle Beziehungen an, sondern auch um durch Likes, Matches und das endlose Durchscrollen von Profilen einen Dopamin-Kick zu erhalten.

Allerdings könnte das Problem nicht nur die Algorithmen sein – es könnte auch an unseren eigenen Erwartungen liegen. Viele sind überzeugt, dass beim allerersten Date die Funken sprühen müssen und dass jeder einen Seelenverwandten hat, der irgendwo da draußen auf einen wartet. Tatsächlich tauchten diese romantisierten Ideale erst in der Romantik als Gegenreaktion auf den Aufklärungsrationalismus auf, in dem Zweckehen die absolute Norm waren.

Dabei ist es auch erwähnenswert, dass diese romantische Sichtweise auf die Liebe nicht einfach aus der Luft gegriffen war: Die Romantiker standen, wie viele unserer Zeitgenossen, dem raschen technologischen Fortschritt, der Industrialisierung und der Urbanisierung skeptisch gegenüber. Für sie schien die „wahre Liebe“ grundsätzlich unvereinbar mit kalter Maschinerie und von Smog erstickten Städten. Es ist schließlich kein Zufall, dass Anna Karenina unter den Rädern eines Zuges ihr Ende findet.

Wenn wir in die heutige Zeit zurückkehren, stellen wir fest, dass viele meinen, ihre Entscheidungen würden zunehmend durch Algorithmen beeinflusst oder manipuliert. Allerdings bedeutet das nicht, dass Online‑Dating ein hoffnungsloser Fall ist. Die Forschung hat schlichtweg noch keinen Konsens darüber gefunden, wie langlebig oder erfolgreich Paare, die sich über das Internet gefunden haben, wirklich sind. Daher sollte folgendes Fazit gelten: Kein Grund zur Panik, aber sorge dafür, dass deine digitalen Netzwerke sicher bleiben!

So bleibst du beim Online-Dating sicher

Du hast dich also dazu entschieden, Amor zu hacken und hast dich bei einer Dating-App angemeldet. Was könnte da schon schiefgehen?

Deepfakes und Catfishing

Catfishing ist ein klassischer Online-Betrug, bei dem ein Betrüger sich als eine andere Person ausgibt. Früher haben Catfisher nur Fotos und Lebensgeschichten echter Menschen gestohlen, aber heute wenden sie sich auch zunehmend generativen Modellen zu. Einige KIs können unglaublich realistische Fotos von Menschen erzeugen, die gar nicht existieren. Sich dazu eine passende Hintergrundgeschichte einfallen zu lassen erfordert nicht mehr als einen einfachen Prompt. Im Übrigen ist auch das Häkchen für ein „verifiziertes Konto“ kein Allheilmittel und manchmal gelingt es der KI, selbst Identitätsprüfungen zu täuschen.

Um sicherzugehen, dass du mit einem echten Menschen chattest, bitte um einen Videoanruf oder führe eine Rückwärts‑Bildsuche (Reverse Image Search) mit den verfügbaren Fotos durch. Wenn du deine Erkennungsfähigkeiten verbessern möchtest, kannst du in unseren drei Artikeln lesen, wie man Fälschungen identifiziert: von Fotos und Audioaufnahmen bis hin zu Deepfake-Videos in Echtzeit – wie sie in Live‑Videochats verwendet werden.

Phishing und Betrug

Stell dir vor: Du hast dich schon eine Weile ganz gut mit deiner neuen Bekanntschaft verstanden, und dann – völlig aus dem Nichts – schickt sie dir einen verdächtigen Link und bittet dich, ihm zu folgen. Das kann etwas ganz Banales sein, wie das Aussuchen von Sitzplätzen oder der Kauf von Kinokarten. Selbst wenn du das Gefühl hast, eine echte Bindung aufgebaut zu haben, besteht die Möglichkeit, dass dein Gegenüber ein Betrüger (oder nur ein Bot) ist und der Link bösartig ist.

Dir zu sagen, dass du „nie auf einen bösartigen Link klicken sollst“, ist ein ziemlich nutzloser Rat – es ist schließlich nicht so, dass sie mit einem Warnhinweis daherkommen. Versuch stattdessen Folgendes: Um sicherzustellen, dass du beim Surfen geschützt bleibst, verwende eine robuste Sicherheitslösung, die Phishing‑Versuche automatisch blockiert und dich von unseriösen Seiten fernhält.

Bedenke aber auch, dass Betrüger ein noch ausgefeilteres Schema verwenden, das auch unter dem Namen „Pig Butchering“ bekannt ist. In diesen Fällen kann es vorkommen, dass Betrüger wochen‑ oder gar monatelang mit ihrem Opfer chatten. Leider ohne Happy End: Denn nachdem der Täter das Opfer durch freundliche oder romantische Chats in ein falsches Sicherheitsgefühl gelockt hat, deutet er ganz nebenbei auf eine „unfehlbare Krypto‑Investition“ hin – und verschwindet anschließend mit den „investierten“ Geldern.

Stalking und Doxing

Das Internet ist voll von Horrorgeschichten über besessene Creeps, Belästigungen und Stalking. Genau deshalb ist es keine gute Idee, Fotos zu posten, die verraten, wo du lebst oder arbeitest – oder Fremden von deinen Lieblingslokalen zu erzählen. Wir haben bereits darüber geschrieben, wie man verhindert, ein Doxing-Opfer zu werden (Doxing bezeichnet das Sammeln und öffentliche Posten deiner persönlichen Daten ohne deine Zustimmung). Dein erster Schritt sollte darin bestehen, die Datenschutzeinstellungen aller deiner sozialen Medien und Apps mit unserem kostenlosen Privacy Checker Tool einzuschränken.

Außerdem empfehlen wir dir, die Metadaten deiner Fotos und Videos zu entfernen, bevor du sie veröffentlichst oder versendest. Leider erledigen viele Websites und Apps das nicht automatisch für dich. Mithilfe von Metadaten kann jeder, der dein Foto herunterlädt, die genauen Koordinaten des Aufnahmeorts bestimmen.

Letztlich solltest du auch an deine körperliche Gesundheit denken. Bevor du dich zu einem Date aufmachst, ist es clever, deinen Live-Standort mit einer vertrauenswürdigen Person zu teilen und ein Sicherheitswort oder einen Code zu vereinbaren, um ihr bei Bedarf zu signalisieren, dass es verdächtig wird.

Sextortion und Nacktbilder

Wir raten dringend davon ab, fremden Personen Nacktbilder zu senden. Ehrlich gesagt empfehlen wir sogar, sie nicht einmal an Personen zu senden, die du kennst – du kannst schließlich nie wissen, was später alles schiefgehen könnte. Wenn ein Gespräch aber bereits diese Wendung eingeschlagen hat, schlage vor, zu einer App mit Ende‑zu‑Ende‑Verschlüsselung zu wechseln, die auch selbstzerstörende Nachrichten unterstützt (wie „nach dem Ansehen löschen“). Die Secret‑Chats von Telegram eignen sich dafür hervorragend (außerdem blockieren sie Screenshots!), ebenso wie andere sichere Messenger. Falls es jedoch bereits zu spät ist, haben wir einige Artikel für dich, in denen du erfährst, was du tun kannst, falls du zu einem Sextortion-Opfer wurdest, und wie du im Internet unfreiwillig veröffentlichte Nacktbilder löschen kannst.

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