„Pig Butchering“: Kryptowährungsbetrug in großem Stil

Wir erklären, was sich hinter dem Begriff Pig Butchering verbirgt: wie diese Masche funktioniert, warum sie gefährlich ist und wie man sich davor schützen kann.

Heute stellen wir Ihnen eine sich ausbreitende Betrugsmasche vor, die als „Pig Butchering“ (Schweineschlachtung) bezeichnet wird. Aufgrund ihrer hohen Rentabilität erfreut sich diese Masche bei Betrügern immer größerer Beliebtheit, und die Zahl der Opfer steigt ständig. Worum geht es? Wie funktioniert das Ganze? Und wie können Sie sich davor schützen? All das werden wir im heutigen Beitrag behandeln.

Was ist Pig Butchering und wie funktioniert diese Betrugsmasche?

Pig Butchering ist eine Art von Betrug, der einerseits mit Investitionen (oft in Kryptowährungen) und andererseits mit Online-Liebesbeziehungen verbunden ist.

So wie Schweine vor der Schlachtung über einen langen Zeitraum aufgezogen werden, wenden Betrüger beim Pig Butchering in der Regel viel Zeit und Mühe auf, um ihre Opfer eingehend zu umwerben – in der Regel über einen Zeitraum von Wochen oder sogar Monaten. In dieser Hinsicht unterscheidet sich Pig Butchering erheblich von anderen Betrugsmaschen, deren Schöpfer oft ungeduldig und auf schnelle Gewinne aus sind.

Das Setup: eine zufällige Nachricht und ein freundlicher Fremder

Alles beginnt mit einer zufälligen Nachricht in einem Messenger, einem sozialen Netzwerk oder einer SMS. Der Betrüger gibt entweder vor, die Nachricht an den falschen Empfänger gesendet zu haben, oder er bezieht sich auf einen entfernten gemeinsamen Bekannten, der leicht im Profil des Opfers in den sozialen Medien zu finden und abzugreifen ist. Wenn das Opfer auf den Betrüger antwortet, zum Beispiel mit „Sie haben die falsche Nummer“, entschuldigt sich der Betrüger höflich und versucht, locker ins Gespräch zu kommen. Nachricht für Nachricht entwickelt sich eine dauerhafte Beziehung zwischen Opfer und Betrüger.

Dabei ist zu beachten, dass Betrüger die Opfer oft bewusst nach ihrem Status und ihren persönlichen Eigenschaften auswählen. Das heißt, sie suchen nach einigermaßen wohlhabenden, aber möglicherweise einsamen und verletzlichen Personen, die möglicherweise nichts dagegen haben, sich mit einem freundlichen Fremden zu unterhalten. In diesem Stadium besteht das Ziel des Betrügers darin, zum Opfer zumindest freundschaftliche Beziehungen und im Idealfall eine romantische Verbindung aufzubauen.

Auf diese Weise gewinnt der Betrüger das Vertrauen des Opfers und schwächt dessen Wachsamkeit. Wie bereits erwähnt, haben diese Betrüger normalerweise keine Eile und verbringen viel Zeit damit, mit dem Opfer zu kommunizieren, was für Online-Betrüger untypisch ist. Selbst wenn das Opfer anfangs einen Verdacht hegt, löst sich dieser nach einer Weile in Luft auf.

Ein Netz wird gespannt: eine Gelegenheit, gewinnbringend zu investieren

Früher oder später findet der Betrüger einen Weg, das Gespräch auf Finanzthemen zu lenken. Die spezifischen Ansätze können variieren, aber die allgemeine Idee ist, dass der Betrüger dem Opfer vorsichtig eine profitable Investition nahelegt.

Dabei kann es sich um etwas Traditionelles wie Aktien, Anleihen, Futures oder Optionen handeln. In letzter Zeit sind jedoch häufiger „vielversprechende“ Kryptowährungsgeschäfte im Spiel. Die allgemeine Komplexität und Undurchsichtigkeit von Kryptowährungen, gepaart mit der Leichtigkeit des Geldtransfers, machen sie zum idealen Gegenstand solcher Betrugsfälle.

In diesem Stadium könnten bei dem Opfer die Alarmglocken schrillen und es könnte vermuten, dass etwas nicht stimmt. Der Betrüger beschwichtigt jedoch sein wertvolles … Schwein: Es ist nicht erforderlich, dass das Opfer persönlich Geld an ihn oder eine Person überweist, die mit ihm in Verbindung steht. Es muss lediglich ein Konto auf einer Handelsplattform anlegen und versuchen, dort Geld einzuzahlen, um zu sehen, wie es funktioniert.

Höhepunkt: unglaubliche Gewinne und weitere Einzahlungen

Ein wichtiges Detail des Pig Butchering Plans besteht darin, dass der Betrüger dem Opfer in jeder Phase vermittelt, dass es die volle Kontrolle behält. Das Opfer erstellt selbstständig ein Konto auf der Handelsplattform und kann selbstständig auswählen, was dort gehandelt werden soll. Der Betrüger gibt nur gute Ratschläge, was den gesamten Prozess schneller und einfacher – und natürlich so profitabel wie möglich – machen könnte.

Die Trading-Tipps der Betrüger haben sich bewährt – wer hätte das gedacht? Das Opfer streicht schnell seinen ersten Gewinn auf der Handelsplattform ein, ist begeistert und beginnt immer mehr einzuzahlen, um noch höhere Gewinne zu erzielen.

Finale: Der Betrüger verschwindet mit dem Geld

Aber natürlich macht sich der Betrüger früher oder später aus dem Staub. Dies geschieht in der Regel, sobald sich auf dem Konto ein angemessener Saldo gebildet hat. Alternativ kann der Betrüger das Opfer so lange melken, bis es versucht, Geld von der Plattform abzuheben.

Dann erfährt das Opfer die Wahrheit: Die Handelsplattform war gefälscht und all die unglaublichen Gewinne haben sich in Luft aufgelöst. Das echte Geld ist seit langem auf einem unbekannten Konto gelandet. In diesem Stadium bricht der Betrüger die Kommunikation mit dem Opfer ab, löscht die für den Betrug verwendeten Konten und – Paff! — verschwindet in einer Rauchwolke.

Das Opfer hat alles, was in die Plattform investiert wurde, verloren, und dabei geht es in der Regel um erhebliche Summen: Den Betrügern gelingt es oft, Zehntausende oder sogar Hunderttausende von Dollar zu erbeuten, manchmal sogar Millionen.

Betrügerische Farmen in Südostasien

Wie Sie vielleicht aus der Beschreibung von Pig Butchering entnommen haben, unterscheidet sich dieses Schema von den meisten Betrügereien. Erstens sind die Kriminellen gut vorbereitet – sie verfügen über wirksame Werkzeuge, um ihre Opfer zu täuschen. Zweitens haben sie es nicht eilig und sind bereit, lange Zeit an einem einzigen Ziel zu arbeiten und sich ihrem finsteren Zweck in aller Ruhe zu nähern. Drittens sprechen wir von wirklich großen Geldsummen – das bedeutet, dass sich der damit verbundene Zeit- und Arbeitsaufwand letztendlich auszahlt.

Das Erfolgsgeheimnis ist, dass hinter Pig Butchering in den allermeisten Fällen nicht einzelne Betrüger stehen, sondern große kriminelle Gruppen. Diese Organisationen betreiben riesige betrügerische „Farmen“, die sich meist in den am wenigsten wohlhabenden Ländern Südostasiens befinden. Solche Farmen gibt es in Laos und auf den Philippinen, aber die meisten Farmen befinden sich in Kambodscha und vor allem in Myanmar, wo seit mehreren Jahren Bürgerkrieg herrscht.

 

KK Park: eine der größten Betrugsfarmen

Eine der größten betrügerischen Farmen, die Schweineschlachtung betreiben – KK Park. Diese Farm in Myanmar, nahe der Grenze zu Thailand, beschäftigt über 2000 Mitarbeiter. Quelle

 

Diese Unternehmen sind wirklich riesig: Ein Bericht über eine der größten betrügerischen Farmen namens KK Park aus dem letzten Jahr ermittelte beispielsweise, dass dort mehr als 2000 Leute arbeiten, und sie hat sich mittlerweile sogar einen eigenen Wikipedia-Eintrag erarbeitet. Außerdem werden die Farmen ständig erweitert und natürlich werden auch neue eröffnet.

Im Allgemeinen sollte man diese betrügerischen Farmen lieber als Arbeitslager bezeichnen – und dies ist vielleicht das traurigste Detail dieser Betrugsmasche. Denn es stellt sich heraus, dass die einfachen Mitarbeiter von Pig Butchering – diejenigen, die direkt mit den Opfern kommunizieren – dies in der Regel gegen ihren Willen tun.

Betrügerische Unternehmen benötigen hochqualifizierte, gut ausgebildete, mehrsprachige Mitarbeiter mit starken Fähigkeiten zur Online-Kommunikation. Wie Sie sich vorstellen können, kommen solche Menschen nicht von Natur aus im Dschungel von Myanmar oder Kambodscha vor. In der Regel sind dies Bürger anderer Länder, die mit dem Versprechen auf hochbezahlte Jobs geködert werden – Callcenter-Mitarbeiter, SMM-Spezialisten, Übersetzer oder IT-Spezialisten.

Bau eines neuen Gebäudes auf der KKII-Farm

Die betrügerischen Farmen werden ständig erweitert: Dieses Foto, aufgenommen am 1. Juli 2023, zeigt den Bau eines neuen Gebäudes im KKII – einem neueren Teil von KK Park. Höchstwahrscheinlich ist es in der Zwischenzeit fertig gestellt worden. Quelle

 

Normalerweise landen die neuen Mitarbeiter der Betrugsfarmen zuerst im benachbarten Thailand, von wo sie nach Myanmar oder Kambodscha gebracht werden. Dort werden sie in ein Lager gebracht, das weit ab jeglicher Zivilisation liegt, und ihre Ausweisdokumente werden ihnen abgenommen. Dann werden diese Leute im Wesentlichen zu Sklaven: Sie werden gezwungen, 12-16 Stunden am Tag für nichts als Nahrung zu arbeiten, sind gelegentlich Gewalt ausgesetzt und werden manchmal sogar an andere Betrüger weiterverkauft.

Das allgemeine Ausmaß des Problems ist äußerst ernst. Ein Bericht des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte aus dem vergangenen Jahr, der sich auf zuverlässige Quellen stützte, nennt folgende Zahlen: Mindestens 120.000 Menschen sind in betrügerischen Farmen in Myanmar beschäftigt, weitere etwa 100.000 in Kambodscha.

Wie schützen Sie sich vor Pig Butchering?

Es ist schwierig, den Gesamtverlust von Pig Butchering-Opfern exakt zu berechnen, da es sich um ein globales Problem handelt – Betrüger zielen auf Bürger verschiedener Länder ab. Darüber hinaus melden nicht alle Opfer den Betrug. Grobe Schätzungen gehen jedoch davon aus, dass sich der Umfang von Pig Butchering auf mehrere Milliarden Dollar beläuft.

Es ist ein sehr lukratives Geschäft, daher braucht niemand darauf zu hoffen, dass das Problem von selbst verschwindet. Es besteht auch keine Hoffnung, dass sich die Behörden in Kambodscha oder Myanmar darum kümmern werden – sie scheinen andere Prioritäten zu haben. Daher müssen wir uns und unsere Lieben leider selbst schützen. Hier unsere Empfehlungen dazu:

  • Seien Sie vorsichtig bei zufälligen Online-Bekanntschaften – selbst wenn die Person schon lange mit Ihnen kommuniziert und kein Betrüger zu sein scheint.
  • Investieren Sie nicht sorglos in obskure Anlageformen – auch wenn diese scheinbar hohe Gewinne abwerfen.
  • Investieren Sie insbesondere nicht nachlässig in Kryptowährungssysteme, da die Zahl der Betrüger in diesem Bereich aufgrund der Eigenarten dieses Themas leider sehr hoch. Darüber hinaus ist es wichtig zu beachten, dass alle Blockchain-Transaktionen irreversibel und unversichert sind.
  • Denken Sie an die goldene Anlageregel: Je höher der potenzielle Gewinn, desto höher das Risiko. Wenn es um riskante Anlageformen geht, sollten Sie niemals Geld investieren, dessen Verlust Sie nicht verschmerzen könnten.
  • Erzählen Sie Ihrer Familie und nahestehenden Personen von dieser Betrugsmasche – vielleicht können Sie sie dadurch vor finanziellen Verlusten und dem unvermeidlichen psychologischen Trauma schützen, das aus einer so weitreichenden Täuschung resultiert.

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