Die IT-Sicherheitsgemeinschaft, Forschungs- und zivilgesellschaftliche Organisationen sowie Regierungsbehörden bündeln ihr Fachwissen in einem neuen Online-Kurs gegen digitale Gewalt. Dieser schult Beamte regionaler Behörden, Mitarbeiter von Opferhilfsdiensten und Täterprogrammen darin, wie sie digitale Formen geschlechtsspezifischer Gewalt, darunter auch Stalkerware, wirksam bekämpfen können.

Seit Februar 2021 haben die Partner des DeStalk-Konsortiums [1] den E-Learning-Kurs mit dem übergeordneten Ziel entwickelt, Betroffene besser zu unterstützen und geschlechtsspezifische Online-Gewalt zu verhindern. Nach Angaben des Europäischen Instituts für Gleichstellungsfragen ist eine von zehn Frauen bereits im Alter von 15 Jahren Opfer von Cybergewalt geworden. In Europa haben sieben von zehn Frauen, die Cyberstalking erlebt haben, auch mindestens eine Form von körperlicher oder sexueller Gewalt durch einen Intimpartner erfahren [2].

Bei Stalkerware handelt es sich um kommerziell erhältliche Software, die dazu dient, das Privatleben einer anderen Person über ein digitales Gerät heimlich auszuspionieren. Stalkerware wird häufig im Rahmen von digitaler und physischer Gewalt in der Partnerschaft eingesetzt. Laut dem aktuellen Kaspersky-Report „State of Stalkerware“ [3] waren im Jahr 2020 insgesamt 6.459 Mobilfunknutzer in der EU von Stalkerware betroffen, 1.547 davon in Deutschland; . weltweit 53.870 Menschen.

Der Online-Kurs soll eine Wissenslücke zu schließen, denn Online-Missbrauch ist ein bekanntes Problem, aber Praktiker und Beamte brauchen mehr Wissen, um Cybergewalt und Stalkerware zu erkennen und zu stoppen.

„Neue Formen von Gewalt in der Partnerschaft, wie Cybergewalt und Stalkerware, erfordern Fachleute, die wissen, wie man damit umgeht und wie man Risiken vermeidet sowie gleichzeitig die Opfer schützt“, erklärt Berta Vall, Associated Professor an der Fakultät für Psychologie, Erziehungs- und Sportwissenschaften der Blanquerna-Stiftung. „Darüber hinaus sind politische Entscheidungsträger und andere Interessengruppen ein entscheidender Bestandteil des Kampfes gegen häusliche Gewalt. Diese praxisorientierte und opferzentrierte Schulung, die sich an Fachleute und relevante Interessengruppen richtet, zielt darauf ab, das Wissen zum Thema Cybergewalt und Stalkerware zu erweitern und Fähigkeiten zu vermitteln, wie man dagegen vorgehen kann.“

Mehrsprachige Online-Schulung

Kaspersky entwickelte das E-Learning-Paket in Zusammenarbeit mit der Fundación Blanquerna, Una Casa per l'Uomo, der Region Venetien und WWP EN. Der Kurs findet auf der Kaspersky Automated Security Awareness Platform [3] statt, eine der Bildungsplattformen des Unternehmens. Die Arbeit an dem Online-Kurs wurde durch die Unterstützung des Programms Rechte, Gleichheit und Unionsbürgerschaft (Rights, Equality and Citizenship REC) der Europäischen Kommission ermöglicht.

„Wir fühlen uns geehrt, dass wir die Arbeit an DeStalk e-learning gemeinsam mit unseren fachkundigen Partnern aus Forschung und Bildung, Organisationen der Zivilgesellschaft sowie Regierungsbehörden umsetzen konnten, um Inhalte für diese wichtige Schulung zu Cybergewalt und Stalkerware auszuarbeiten“, kommentiert Tanguy de Coatpont, Managing Director Southern Europe bei Kaspersky. „Durch das Zusammenspiel unser aller Fachkenntnisse aus verschiedenen Disziplinen haben wir auf unserer Plattform einen einzigartigen Online-Kurs entwickelt. Mit dem Ziel, die Fähigkeiten von Fachleuten, die im Bereich der häuslichen Gewalt arbeiten, und von Regierungsbehörden zu verbessern, werden der Mikro-Lernansatz und die automatisierten Schulungsoptionen es den Nutzern ermöglichen, in ihrem eigenen Tempo zu lernen und sich die Fähigkeiten anzueignen, die sie benötigen, um Betroffene von Cybergewalt und Stalkerware zu unterstützen."

Die Schulung steht Vertretern von EU-Einrichtungen und -Diensten offen, die sich in ihrer täglichen Arbeit mit geschlechtsspezifischer Gewalt befassen, und wird in fünf Sprachen angeboten: Englisch, Französisch, Deutsch, Italienisch und Spanisch. Einhundert Nutzer werden kostenlos Zugang zur E-Learning-Plattform erhalten, um das Programm bis August 2022 zu absolvieren.

„Die regionalen Strategien zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen müssen aktualisiert werden und auf alle neuen Formen des Missbrauchs ausgerichtet sein. Die Sensibilisierung und das Wissen über das Thema Cybergewalt und Stalkerware mit spezifischen Schulungen für alle am Netzwerk gegen Gewalt beteiligten Personen ist von entscheidender Bedeutung, um dessen Wirksamkeit zu verbessern", betont Valeria Motterle, P.O. Internationale Projekte der Region Venetien.

Wissensaneignung in kürzester Zeit

Der Kurs ist in Form eines Selbstlernstudiums konzipiert, sodass jeder Teilnehmer in seinem eigenen Tempo lernt, während die Lernplattform ihn kontinuierlich motiviert und einbezieht. Obwohl es davon abhängt, wie viel Zeit der Einzelne dem Kurs widmen kann, wird geschätzt, dass es möglich ist, den Kurs innerhalb von vier Wochen zu absolvieren, wenn wöchentlich zwischen 30 und 90 Minuten investiert werden.

Der E-Learning-Kurs ist in vier Module gegliedert und umfasst Unterrichtseinheiten zu folgenden Themen: Einführung in geschlechtsspezifische Gewalt und Cybergewalt, Erkennen der häufigsten Formen von geschlechtsspezifischer Cybergewalt, eingehende Schulung zu Stalkerware und praktische Anleitungen je nach spezifischem Arbeitsbereich des Lernenden (Behörde, Täterprogramm, Opferhilfsdienst), was im Falle einer Konfrontation mit Cybergewalt und Stalkerware, betan werden sollte.

„Obwohl sie sich der Existenz von Formen der Gewalt bewusst sind, die online oder über allgemein genutzte Geräte ausgeübt werden, geben Fachleute zu, dass sie nicht über spezifische Kenntnisse und Fähigkeiten zu diesem Thema verfügen“, betont Elena Gajotto, Projektleiterin von Una Casa per l'Uomo. „Sowohl was die Erkennung und Bewertung von Cybergewalt als auch die praktische Arbeit mit Tätern oder Opfern/Überlebenden betrifft. Dieser Mangel an Wissen führt zu einer geringen Wirksamkeit der Prävention und zu gegensätzlichen Maßnahmen, die von beiden Arten von Hilfsangeboten ergriffen werden.“

Praktiker und Beamte können sich zum Training unter https://www.work-with-perpetrators.eu/destalk anmelden.

Kaspersky-Tipps für Betroffene von Stalkerware

  • An örtliche Behörden und Organisationen wenden, die Betroffene häuslicher Gewalt unterstützen, um Hilfe und Sicherheitsmaßnahmen zu erhalten. Eine Liste relevanter Organisationen in verschiedenen Ländern unter https://stopstalkerware.org/de/.
  • Das Video auf der Homepage der Koalition gegen Stalkerware [4] zeigt, wie man sich schützen kann Dieses ist auf Englisch, Deutsch, Spanisch, Französisch, Italienisch und Portugiesisch verfügbar. Es gibt auch eine spezielle Seite für Betroffene zur Erkennung, Entfernung und Prävention von Stalkerware.
  • Die Verwendung eines bewährten Cybersicherheitsschutzes wie Kaspersky Internet Security for Android [5] hilft dabei das eigene Smartphone zu überprüfen und festzustellen, ob Stalkerware darauf installiert wurde. Stalkerware sollte nicht überstürzt entfernt werden, wenn sie auf dem Gerät gefunden wird, da der Täter dies bemerken könnte. Es ist sehr wichtig, sich darüber bewußt zu sein, dass der Täter ein potenzielles Sicherheitsrisiko darstellen kann und dass ein Löschen der Stalkerware die Situation eskalieren lassen könnte.

 

[1] https://kas.pr/de2020stalkerwarereport

[2] European Institute for Gender Equality (EIGE). (2017). “Cyber violence against women and girls

[3] https://kas.pr/de2020stalkerwarereport [2] https://www.kaspersky.de/about/press-releases/2021_kaspersky-analyse-im-corona-jahr-2020-einsatz-von-stalkerware-leicht-ruecklaeufig

[4] https://stopstalkerware.org/de/

[5] https://www.kaspersky.de/small-to-medium-business-security/security-awareness-platform

[6] https://www.kaspersky.de/android-security

Nützliche Links:


DeStalk: E-Learning-Kurs gegen Cybergewalt und Stalkerware startet

Die Schulung steht in fünf Sprachen Vertretern von EU-Einrichtungen und -Diensten offen, die sich in ihrer täglichen Arbeit mit geschlechtsspezifischer Gewalt befassen
Kaspersky Logo