19. November 2019

Koalition gegen Stalkerware: Verbände gegen häusliche Gewalt und IT-Sicherheitsunternehmen bündeln ihre Kräfte

• Eine neue globale Arbeitsgruppe bündelt Expertise für Opferhilfe und Cybersicherheit • Online-Hilfe für Betroffene ab 25. November verfügbar

Moskau/Ingolstadt, 19. November 2019

Zehn renommierte Unternehmen und Verbände – Avira, die Electronic Frontier Foundation, das European Network for the Work with Perpetrators of Domestic Violence, G DATA CyberDefense, Kaspersky, Malwarebytes, National Network to End Domestic Violence, NortonLifeLock, Operation Safe Escape und der Weiße Ring – haben heute den Launch der globalen Initiative „Coalition Against Stalkerware“ [1] zum Schutz vor Spionage-Software verkündet. Diese neue, weltweit tätige Arbeitsgruppe wird zukünftig ihre Expertisen in den Bereichen Opferhilfe und Cybersicherheit bündeln, um von Stalkerware betroffenen Nutzern bestmöglich zu helfen.

Was ist Stalkerware?

Stalkerware-Programme [2] ermöglichen es, in das Privatleben einer Person einzudringen, und werden auch als digitales Werkzeug in Fällen häuslicher Gewalt und Stalking missbraucht. Durch die Installation solcher Apps erhalten die Täter Zugang zu den Nachrichten, Fotos, Social Media-Einträgen, Audio- oder Kameraaufnahmen sowie den Geolokalisierungs-Informationen ihrer Opfer – teilweise sogar in Echtzeit. Solche Programme laufen versteckt, ohne das Wissen und die Zustimmung der Betroffenen, im Hintergrund.

Schon seit einigen Jahren nimmt das Problem von Stalkerware zu, die Zahl der Opfer wächst alarmierend schnell. Non-Profit-Organisationen erleben einen kontinuierlichen Anstieg an hilfesuchenden Betroffenen. Laut Kaspersky wuchs die Zahl der Nutzer, die mit Stalkerware konfrontiert wurden, um 35 Prozent – von 27.798 im vergangenen Jahr auf 37.532 in 2019 [3]. Darüber hinaus hat sich die Bedrohungslandschaft rund um Stalkerware merklich vergrößert. So entdeckte Kaspersky im laufenden Jahr bereits 380 Varianten von Stalkerware, 31 Prozent mehr als 2018.

Die Ziele der Koalition

Bisher gab es weder eine einheitliche Standarddefinition für Stalkerware noch klar formulierte Erfassungskriterien. Dies machte es der IT-Sicherheitsbranche besonders schwer, konsistent dieses Thema zu kommunizieren. Daher haben die Gründungsmitglieder der Koalition gegen Stalkerware nun einen wichtigen Schritt zur deren Bekämpfung unternommen und eine genaue Definition sowie einheitliche Kriterien für die Erkennung erarbeitet.

Die Koalition wird darüber hinaus ein Online-Portal zum Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen am 25. November ins Leben rufen, um Opfern zu helfen, den Austausch zwischen Betroffenen zu erleichtern, Best Practices zur Erarbeitung ethischer Software zu entwickeln und die Öffentlichkeit über die Gefahren von Stalkerware aufzuklären.

Das Hauptziel der Website wird es sein, online hilfreiche Informationen und Angebote für Opfer von Stalkerware bereitzustellen, um über deren technologischen Hintergrund und Wirkungsgrad aufzuklären und Tipps zu geben, wie man sich gegen sie schützen kann. Die Website wird allgemeine Indikatoren auflisten, um zu überprüfen, ob ein Benutzer Opfer von Stalkerware geworden ist und welche Schritte er unternehmen sollte und welche nicht. Zunächst ist es wichtig abzuwägen, ob das Entfernen von Stalkerware möglicherweise weiteren Schaden anrichten könnte, da der Täter von der App sofort hierüber informiert wird. Potenziell betroffenen Nutzern empfiehlt die Koalition gegen Stalkerware, sich an eine lokale Opferhilfeorganisation oder eine Strafverfolgungsbehörde zu wenden. 

Gebündelte Kräfte – Gemeinsam gegen Online-Spionage: Zitate der Gründungspartner

„Um diesem Problem entgegenzuwirken, ist es wichtig, dass Cybersicherheitsanbieter und Interessenvertretungsorganisationen zusammenarbeiten“, erklärt Vyacheslav Zakorzhevsky, Head of Anti-Malware Research at Kaspersky. „Die IT-Sicherheitsbranche liefert ihren Beitrag, indem sie die Erkennung von Stalkerware optimiert und Nutzer besser über diese Bedrohung für ihre Privatsphäre informiert. Service- und Interessensorganisationen arbeiten direkt mit Opfern häuslicher Gewalt zusammen, sie kennen ihre Nöte und Bedürfnisse – und können die Stoßrichtung unserer Arbeit lenken. Wenn wir Hand in Hand zusammenarbeiten, können wir die Opfer durch technisches Fachwissen und das Aufzeigen von Hilfestellungen unterstützen.“

„Studien zeigen, dass 70 Prozent der weiblichen Opfer von Cyberstalking mindestens eine Form körperlicher oder/und sexualisierter Gewalt von einer sehr nahestehenden Person erfahren haben“, macht Anna McKenzie, Communications Manager der European Network for the Work with Perpetrators of Domestic Violence (WWP EN) deutlich. „Wir müssen verhindern, dass die Täter die Telefone ihrer Partner für Stalking verwenden und sie für ihre gewalttätigen Machenschaften zur Rechenschaft ziehen. Die Koalition gegen Stalkerware ermöglicht, unser Wissen über geschlechtsspezifische Gewalt und die Täter den IT-Sicherheitsunternehmen zu vermitteln, damit wir gemeinsam daran arbeiten können, Gewalt gegen Frauen und Mädchen, die durch neue Technologien verübt werden, zu beenden.“

Ist Stalkerware darauf ausgelegt, im vollständigen Stealth-Modus ohne ständige Benachrichtigung des Gerätebesitzers zu arbeiten, bietet sie Missbrauchstätern, oder Stalkern ein mächtiges Instrument für Belästigung, Überwachung, Stalking, Betrug und Missbrauch. Diese Art von Missbrauch kann furchterregende und traumatisierende Folgen nach sich ziehen sowie erhebliche Sicherheits- und Datenschutzbedenken aufwerfen. Die Schaffung dieser Koalition ist ein bedeutender Schritt, um dieses Problem anzugehen“, so Erica Olsen, Director of the Safety Net Project at the National Network to End Domestic Violence.

Horst Hinger, stellvertretender Geschäftsführer der Opferorganisation WEISSER RING, fügt hinzu: „Als gemeinnütziger Verein wissen wir, dass Technologie den Tätern einen Zugriff auf die privaten Daten ihrer Opfer erleichtert. Selten suchen Opfer Hilfe, weil sie sich schämen. Für den WEISSEN RING wird Stalking zu einem immer wichtigeren Thema in der Opferhilfe. Seit dem Jahr 2018 haben wir bei 1019 Stalking-Fälle geholfen, das sind rund drei Prozent mehr als im Vorjahr. Laut der deutschen Kriminalstatistik gab es im Jahr 2018 insgesamt fast 19.000 Stalking-Fälle, 500 mehr als 2017 – ein deutlicher Anstieg. Deshalb haben wir gemeinsam mit der WEISSER RING Stiftung die App „NO STALK“ entwickelt, um den Opfern ein wirksames Instrument zur beweissicheren Dokumentation von Stalking zur Verfügung zu stellen.“

Die Koalition freut sich über zukünftige neue Partner

Das Projekt zielt als nichtkommerzielle Initiative darauf ab, Akteure aus gemeinnützigen Organisationen, der Industrie und anderen Bereichen wie der Strafverfolgung unter einen Hut zu bringen. Aufgrund der hohen gesellschaftlichen Relevanz für Anwender auf der ganzen Welt und der regelmäßigen Entwicklung neuer Varianten von Spionage-Software ist die Koalition gegen Stalkerware offen für neue Partner und ruft zur Zusammenarbeit auf.

[1] https://media.kasperskydaily.com/wp-content/uploads/sites/92/2019/11/18053214/Kaspersky_Coalition_The-state-of-stalkerware-in-2019_ENG_fin.pdf  

[2] https://securelist.com/the-state-of-stalkerware-in-2019/93634/

[3] https://www.kaspersky.de/blog/stalker-programme-auf-dem-vormarsch/20296/

Nützliche Links:

Über Kaspersky

Kaspersky ist ein internationales Cybersicherheitsunternehmen, das im Jahr 1997 gegründet wurde. Die tiefgreifende Threat Intelligence sowie Sicherheitsexpertise von Kaspersky dient als Grundlage für innovative Sicherheitslösungen und -dienste, um Unternehmen, kritische Infrastrukturen, Regierungen und Privatanwender weltweit zu schützen. Das umfassende Sicherheitsportfolio des Unternehmens beinhaltet führenden Endpoint-Schutz sowie eine Reihe spezialisierter Sicherheitslösungen und -Services zur Verteidigung gegen komplexe und sich weiter entwickelnder Cyberbedrohungen. Über 400 Millionen Nutzer und 270.000 Unternehmenskunden werden von den Technologien von Kaspersky geschützt. Weitere Informationen zu Kaspersky unter http://www.kaspersky.com/de/

Verwandter Artikel Pressemitteilungen

Wir verwenden Cookies, damit Ihr Erlebnis auf unseren Webseiten noch besser wird. Durch die Nutzung und Navigation dieser Webseite akzeptieren Sie dies. Ausführlichere Informationen zur Nutzung von Cookies auf dieser Webseite finden Sie, wenn Sie auf „Weitere Informationen“ klicken.

Akzeptieren und schließen