Jetzt speichert Google den Standortverlauf offline – oder etwa doch nicht?

Google aktualisiert die Funktion des Android-Standortverlaufs. Warum ein Wechsel erfolgt und wie der in Zukunft umgesetzt wird.

Unter all den Anschuldigungen, die regelmäßig gegen Google hervorgebracht werden, gibt es eine, bei der die Benutzerschaft besonders aufhorcht: Das Unternehmen kann den Standort von allen Android-Geräten – und in gewissem Umfang auch von Apple-Telefonen – verfolgen. Erfahrungen aus der Vergangenheit weisen darauf hin, dass Google dies auch tatsächlich tut. So werden diese Daten nicht nur zur Darstellung von Werbung genutzt, sondern auch im Standortverlauf gespeichert und sogar Strafverfolgungsbehörden zur Verfügung gestellt. Google verspricht nun, den Standortverlauf ausschließlich auf dem Gerät zu speichern. Darf man dem glauben?

Warum der Standortverlauf so heikel ist

Mithilfe des Standortverlaufs kannst du dir ganz einfach anzeigen lassen, welche Orte du wann besucht hast. Das lässt sich für alles Mögliche benutzen: So kannst du dir etwa die Namen des Strandes und des Restaurants heraussuchen, die du vor zwei Jahren im Urlaub besucht hast. Oder du kannst die Adresse des Ortes herausfinden, an den deine bessere Hälfte nach Feierabend so gerne ausgeht. Basierend auf deinen bisherigen besuchten Bars kannst du dir auch noch weitere passende Lokale in deiner Nähe vorschlagen lassen. Aber vielleicht möchtest du auch nur den Floristen auffinden, der dir damals den tollen Überraschungsblumenstrauß für deine Party geliefert hat. Dass diese unterschiedlichen Verwendungsmöglichkeiten dieser Funktion für Besitzer eines Google-Kontos sowohl Segen als auch Fluch bedeuten, war und ist oft Thema in den Medien. Kein Wunder also, dass das komplette Deaktivieren dieser Funktion für viele zum Bedürfnis geworden ist – egal, ob mit einer weißen Weste, oder nicht.

Bedauerlicherweise wurde Google selbst bereits das eine oder andere Mal beim Missbrauch der Einstellungen für den Standortverlauf ertappt. So wurden trotz ausdrücklichen Deaktivierens des Standortverlaufs diese Daten im Rahmen von Googles „Web- & App-Aktivitäten“ weiterhin gesammelt. Die Folge waren eine Reihe von Klagen, die Google letztlich verlor. Das Unternehmen leistete aufgrund von Klagen in den Jahren 2022 und 2023 Zahlungen in Höhe von 392 Millionen, bzw. 93 Millionen US-Dollar. Solche Einigungen sind zwar keine großen Summen für ein Unternehmen mit einem Umsatz von mehreren hundert Milliarden US-Dollar, aber immerhin hat das Gericht Google dazu veranlasst, seine Praktiken zur Standortverfolgung zu überarbeiten.

Offenbar führte die Kombination aus rechtlichem und öffentlichem Druck dazu, dass das Unternehmen Ende 2023 eine drastische Änderung ankündigte: Nach Angaben von Google sollte der Standortverlauf zukünftig nur noch auf den Geräten der Nutzer gesammelt und gespeichert werden. Aber macht das Funktion auch wirklich sicherer?

So funktioniert (angeblich) der neue Standortverlauf in 2024

Überprüfe zunächst, ob die Funktion auf deinem Gerät aktualisiert wurde. Wie bei Google üblich, werden die Updates bei den Milliarden an Android-Geräten in Wellen durchgeführt und es werden dabei nur relativ aktuelle Versionen des Betriebssystems berücksichtigt. Wenn du also keine Warnung wie auf dem folgenden Bild gesehen hast, hat dein Gerät das Update höchstwahrscheinlich gar nicht erhalten. Wenn du in dem Fall den Standortverlauf aktivierst, werden deine Daten nach wie vor auf den Servern von Google gespeichert.

Sofern Google dich nicht gesondert darüber informiert hat, dass dein Standortverlauf jetzt auf deinem Gerät gespeichert wird, befindet er sich wahrscheinlich nach wie vor auf den Servern von Google

Sofern Google dich nicht gesondert darüber informiert hat, dass dein Standortverlauf jetzt auf deinem Gerät gespeichert wird, befindet er sich wahrscheinlich nach wie vor auf den Servern von Google

 

Sollte dein Standortverlauf jetzt allerdings lokal gespeichert werden, bietet dir Google Maps neue Optionen zur zentralen Verwaltung deiner „Orte“. Wenn du jetzt etwa auf der Karte dein Lieblings-Café auswählst und dessen Beschreibung öffnest, werden dir deine früheren Besuche des Ortes, alle deine Suchen danach und noch weitere Informationen dazu auf der Karte angezeigt. Mit einem Fingertipp auf die Standortkarte kannst du alle mit diesem Ort verbundenen Aktivitäten löschen.

Laut Google wird der Verlauf für jeden Ort standardmäßig drei Monate lang gespeichert und anschließend gelöscht. Um diese Einstellung zu ändern oder den Verlauf zu deaktivieren, ist es ausreichend, den blauen Punkt auf der Karte anzutippen, der deinen aktuellen Standort darstellt. Der daraufhin angezeigte Dialog enthält die Optionen zum Deaktivieren des Standortverlaufs.

Optionen zum Konfigurieren und Deaktivieren des Standortverlaufs

Optionen zum Konfigurieren und Deaktivieren des Standortverlaufs

 

Ein offensichtlicher Nachteil des Offline-Standortverlaufs besteht darin, dass du von deinen anderen Geräten aus nicht mehr darauf zugreifen kannst. Als Lösung schlägt Google hier vor, ein verschlüsseltes Backup auf den Google-Servern anzulegen.

Dabei sollte beachtet werden, dass es sich hier um die neue Implementierung des Standortverlaufs handelt, so wie sie von Google beschrieben wird. Erst eine detaillierte Analyse der tatsächlichen Funktion dieser neuen Vorgehensweise kann Fallstricke und Hintertürchen offenbaren, die derzeit nur die Google-Entwickler selbst kennen.

Gegen welche Art von Bedrohungen hilft nun diese Änderung?

Obwohl die neue Speichermethode den Schutz von Standortdaten grundlegend verbessert, kann sie nicht als Universallösung für alle bestehenden Probleme angesehen werden. Wie wirkt sie sich also auf ein paar der populärsten potenziellen Bedrohungsszenarien aus?

  • Standort-Tracking für personalisierte Werbung. Dies wird wohl kaum von der Änderung betroffen sein: Google kann auch weiterhin die Daten über deine besuchten Orte in anonymisierter und verallgemeinerter Form sammeln. Dir wird also weiterhin Werbung angezeigt, die mit deinem aktuellen oder früheren Standorten verknüpft ist. Um dies zu vermeiden musst du entweder diese oder sämtliche personalisierte Werbung vollständig deaktivieren. Dabei sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass Google nicht der einzige Anbieter ist, der deinen Standort verfolgt. Andere Apps und Dienste haben sich ebenfalls des Missbrauchs von Standortdaten schuldig gemacht. Hier findest du einige Beispiele dazu: eins , zwei und drei.
  • Böswillige Hacker und Cyberspione. Derart heimtückische Akteure verwenden in der Regel separate kommerzielle Spyware (Stalkerware) oder bösartige Klone von bekannten Apps, sodass sie von den Änderungen am Google-Standortverlauf kaum betroffen sind.
  • Eifersüchtiger Partner oder neugierige Verwandte. Für diese wird es zwar schwieriger, deinen Standort zu verfolgen, indem sie einen Computer verwenden, auf dem du mit deinem Google-Konto angemeldet bist. Sollte aber dein Telefon irgendwann einmal entsperrt herumliegen, könnte sich immer noch jemand heimlich daran zu schaffen machen oder unbemerkt die oben erwähnte kommerzielle Stalkerware Um diese Gefahr abzuwehren, ist es daher eher entscheidend, die allgemeinen Schritte zum Smartphone-Schutz vor Spyware umzusetzen, und nicht die Updates von Google Maps .
  • Strafverfolgung Daran wird sich ebenfalls nur wenig ändern, da Strafverfolgungsbehörden deine Standortdaten nicht nur bei Google, sondern auch von den Mobilfunkanbietern anfordern können. Noch einfacher und schneller geht es, indem die Daten von Überwachungskameras ausgewertet werden.

Ist das Update also großer Nutzen für die Privatsphäre der Benutzern? Wir vermuten, wohl kaum.

Wie kann ich meine Standortdaten dennoch effektiv schützen?

Um ehrlich zu sein, musst du heutzutage schon einige harte Maßnahmen ergreifen, wenn du dich einer Standortverfolgung entziehen möchtest. Wir listen diese Maßnahmen im Folgenden auf – von weniger drastisch bis hin zu extrem.

  • Verwende einen umfassenden Schutz auf allen deinen Geräten, einschließlich Telefone und Tablets. So wird die Wahrscheinlichkeit einer ungewollten Malware- und Stalkerware-Infektion verringert.
  • Deaktiviere den Google-Standortverlauf und die „Web- & App-Aktivitäten“, erteile Standortberechtigungen ausschließlich an Navigations-Apps, deaktiviere personalisierte Werbung und verwende einen DNS-Dienst, der Werbung filtert.
  • Deaktiviere sämtliche Geo-Tracking-Funktionen deines Smartphones (GPS, Google-Standortdienste und andere).
  • Wenn du dich zu einem besonders sensiblen Reiseziel aufmachst, kannst du für ein oder zwei Stunden den Flugmodus aktivieren oder dein Smartphone komplett ausschalten.
  • Verzichte auf dein Killer-Smartphone und besorge dir das einfachste Dumbphone, dass du kriegen kannst.
  • Hör am Besten ganz damit auf, dein Telefon immer und überall mit dir herumzutragen.
  • Verschwinde komplett von der Bildfläche und ziehe in eine Höhle.
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