Fünf Zeichen für Erpressung in „kostenlosen“ Spielen

8 Nov 2013

Halten Sie sich fest – denn nun kommt die schockierendste und ungeahnteste Enthüllung bezüglich Spielen, die ich in diesem Jahr gemacht habe: Kostenlose Spiele bringen mehr Umsatz als Spielekonsolen und kostenpflichtige Spiele zusammen! Wenn Sie denken, dieser Umsatz würde zum Beispiel über Werbebanner gemacht, werden Sie Ihre Meinung jetzt ändern. Einfach gesagt, wird nämlich meist während dem Spielen bezahlt, statt vor dem Download. Immerhin 77 Prozent des Umsatzes im Appple App Store kommen mittlerweile von Spielen, und 92 Prozent davon werden über In-App-Käufe getätigt. Wer moderne Spiele gewinnt, gibt oft eine nicht unerhebliche Menge Geld aus, die während dem Spiel mal hier und mal dort in kleinen Summen anfällt. Spieleentwickler kann man – wie alle Menschen – in zwei Kategorien einteilen: anständig und weniger anständig. Die zweite Gruppe legt absichtlich Spielregeln fest, die Sie so oft wie möglich dazu bringen sollen, Geld auszugeben, aber so selten wie möglich darüber nachzudenken. Psychologen entwickeln Systeme, um menschliche Schwächen und Besonderheiten in der menschlichen Wahrnehmung auszunutzen, und dieses „Melken des Spielers“ möglichst breitgefächert und reibunslos zu gestalten. Hier einige Anzeichen, die Ihnen zeigen, dass Sie vielleicht viel Geld für ein weiteres „kostenloses“ Spiel ausgeben könnten:

kostenlosen_Spielen

1. Sie gehören zur Risikogruppe

Es gibt nur wenige Gruppen von Menschen, die dazu tendieren, Geld für virtuelle Güter auszugeben. Die Entwickler passen Ihre Spielkonzepte und die Grafiken genau für diese Zielgruppen an. Zum einen sind das junge Menschen. Das ideale Publikum sind tatsächlich Kinder, die schnell Tausende Dollar für magische Zaubertränke und Schwerter ausgeben. Allerdings gibt es auch ernsthafte Risiken für die Entwickler: Sie müssen die Einwilligung der Eltern in Betracht ziehen, sowie mögliche Klagen und staatliche Verordnungen fürchten. Deshalb zielen die Entwickler lieber auf volljährige Spieler ab – allerdings immer noch jünger als 25 Jahre. Das menschliche Gehirn entwickelt sich bis zu diesem Alter immer noch, und jüngere Menschen sind weniger fähig, komplizierte und komplett rationale Entscheidungen zu treffen. Zudem gefallen Ihnen Cartoon-artige Charaktere besser, was darauf schließen lässt, dass noch Reste des kindlichen Denkens im Gehirn aktiv sind.

Unter den „Walen“ – das ist der Name für die fünf Prozent der Spieler, die am meisten Geld ausgeben – finden sich vor allem Männer (66%) unter 30 Jahren. Normalerweise spielen sie nicht nur mobile Spiele, sondern auch Konsolenspiele, und verbringen mehr als 11 Stunden pro Woche mit dem Spielen.

2. Ein Spiel will Sie überzeugen, sich mit Facebook und anderen Sozialen Netzwerken zu verbinden

Solche Werbung verspricht üblicherweise, dass Sie mit Ihren Spielerfolgen vor Ihren Freunden angeben können und unter ihnen auch Mitspieler finden. In Wirklichkeit wollen die Entwickler aber etwas Anderes: Sie setzen Sie mit der Information, dass Ihre Freunde erfolgreicher in einem Spiel sind, unter Druck. Das nutzt erfolgreich die menschliche Eitelkeit aus. Jemand, der eigentlich kein Geld für seinen Erfolg in Spielen ausgeben möchte, zahlt gerne ein paar Euro, um den „Spiele-Streber“ abzuhängen.

3. Ein Spiel nutzt vor allem virtuelles Geld

Einer der hinterlistigsten Tricks in Spielen ist „Spielgeld“. Unbewusst ist es für jeden leichter, Spielgeld auszugeben, als echtes Geld. Wenn Ihnen fünf Extraleben für 2 Euro angeboten werden, kaufen Sie dafür stattdessen vielleicht lieber eine Tasse Kaffee. Doch das ändert sich, wenn Ihnen die gleichen fünf Extraleben für 16 rosafarbene Kristalle angeboten werden, die sie zwei Tage vorher beim Ausverkauf „25 Kristalle für 3 Euro statt für 20 Euro“ gekauft haben.Je länger die Kette zwischen Ihrem Geld und dem Geldausgeben ist, desto effektiver ist dieser Trick. Um die Kette länger zu machen, nutzen Spieleentwickler oft Objekte, die durch das Kombinieren anderer Objekte erstellt werden. So können Sie zum Beispiel einen Ring mit zehn farbigen Kristallen zusammenbauen, dann erstellen Sie eine Halskette mit drei Ringen und einer Kette, und dann müssen Sie ganz besondere, große Kristalle kaufen, um eine Super-Halskette zu erhalten. Jedes der einzelnen Objekte kostet nur wenig Geld, doch wenn man einmal bei der Super-Halskette angekommen ist, rechnet kaum jemand nach, dass die eigentlichen Kosten dafür irgendwo bei 50 Euro liegen.

4. Sie sind lange Zeit erfolgreich, doch dann haben Sie auf einmal Probleme, im Spiel weiterzukommen

Ein klassischer Trick in kostenlosen Spielen ist das langsame Anheben der Komplexität bis zu extrem schweren Levels. Natürlich ist es ganz normal, dass die letzten Levels eines Spiels komplexer sind als das erste. Allerdings gehen faire Spiele-Designer davon aus, dass durchschnittliche Spieler während dem Spielen so gut darin werden, dass sie das Spiel ohne extreme Anstrengungen schaffen werden. Etwa 70 bis 90 Prozent der Spieler können ein fair gestaltetes Spiel meistern, wenn sie eine gewisse Zeit damit verbringen, sich die notwendigen Fähigkeiten anzutrainieren. Unfaire Spiele werden dagegen so programmiert, dass die Komplexität in der Mitte des Spiels dramatisch erhöht wird, so dass nur ein paar Prozent der Spieler das Spiel ohne bezahlte Power-Ups schaffen können.

5. Sie werden erpresst

Dieser psychologische Trick funktioniert so: Sie spielen (kostenlos) für eine lange Zeit, entwickeln einen Charakter, steigern seine Fähigkeiten, erhalten Munition (oder bauen Häuser im Königreich – ganz egal), und dann geht’s plötzlich bergab. Vielleicht treffen Sie auf den „Boss“, verlieren den Kampf und erfahren erst anschließend, dass Sie deshalb die Hälfte Ihres hart verdienten Besitzes verlieren. Nun haben Sie die Wahl: Entweder Sie bezahlen dafür, diese Episode noch einmal zu spielen (und bezahlen auch für zusätzliche Power-Ups, um den Kampf gewinnen zu können) oder Sie beginnen von Vorne und trainieren Ihren Helden erneut. Das ist ganz klar Erpressung, denn Sie werden dazu gezwungen, zu zahlen, wenn Sie nicht die ganze Zeit, die Sie in das Spiel gesteckt haben, verlieren möchten.

Leider sind beim ersten Kontakt mit einem neuen Spiel nur die ersten drei Anzeichen einfach zu entdecken. Die letzten zwei sind erst später im Spiel zu bemerken. Deshalb empfehlen wir, jedes Spiel zu ignorieren, bei dem die ersten drei Anzeichen zu sehen sind oder das sich sehr aggressiv verhält. Es gibt Tausende von Spielen, die tolle, aber absolut freiwillige Power-Ups anbieten, die nicht unbedingt dazu benötigt werden, das Spiel zu schaffen. Weitere anständige In-App-Güter sind zum Beispiel Extra-Level-Packs, Charakter-Ausstattungen usw. Halten Sie sich an solche anständigen Spiele, und Sie werden nicht zum Opfer von unanständigen Geldmachern. Viel Spaß!