Probleme und Risiken von Kryptowährungen

3 Nov 2017

Im Grunde genommen funktionieren Kryptowährungen nach dem gleichen Prinzip wie „ursprüngliche“ Zahlungsdienste wie WebMoney oder PayPal. Daher weisen Kryptowährungen auch gleiche Probleme wie klassische E-Zahlungssysteme auf.

Die für Kryptowährungen spezifischen Funktionsprinzipien können jedoch ab und an dazu führen, dass Probleme mit erhöhter Wahrscheinlichkeit auftreten und somit auch für deutlich mehr Beunruhigung sorgen können. Darüber hinaus können eben diese Prinzipien für eine bestimmte Anzahl von Risiken verantwortlich sein, die ausschließlich auf Kryptowährungen zutreffen.

Phishing & Manipulation von Zahlungsinformationen

Beginnen wir mit geläufigen Problemen, wie dem traditionell bekannten Diebstahl. Gehen wir davon aus, dass Sie eine bestimmte Geldsumme an einen Freund überweisen möchten. Sie kopieren die exakte Adresse seines Wallets und denken, Sie wären damit auf der sicheren Seite. Es kann allerdings durchaus passieren, dass Malware die kopierte Adresse in der Zwischenablage durch eine andere austauscht. Leider sind nicht alle Nutzer aufmerksam und kontrollieren eine Adresse ein zweites Mal, insbesondere dann, wenn diese aus einer Vielzahl von Charakteren besteht.

Nehmen wir Phishing als weiteres Beispiel. Genauso wie im Falle des gewöhnlichen E-Geldes, können User um die Nase geführt und dazu gebracht werden, eine Phishing-Webseite zu öffnen auf der sie ihre Kryptowallets hochladen und ihr Passwort eingeben.

Natürlich können auch Kunden einer traditionellen Bank oder Zahlungssystems Schwierigkeiten mit Cyber-Dieben bekommen. Dennoch besteht bei traditionellen Systemen meist die Möglichkeit die Überweisung zu stornieren oder rückgängig zu machen. Im Falle der Krypotwährungen ist dieser Schritt allerdings nicht möglich; was in der Blockchain passiert, bleibt in der Blockchain.

Ein Payment Gateway hacken

Zudem kann ein einfaches Payment Gateway trotz richtiger Adresse im Geldverlust enden. Im Juni 2017, fing die bekannteste Online-Geldbörse der Kryptowährung Ethereum Classic (offizielle Adresse: https://classicetherwallet.com/ ) plötzlich an, Geld von den Wallets der User zu stehlen.

Es stellte sich heraus, dass Hacker Social-Engineering-Methoden genutzt hatten, um den Hosting-Anbieter davon zu überzeugen, dass es sich bei ihnen um die echten Domaininhaber handelte. Nachdem sie sich Zugriff verschafft hatten, fingen sie an, Zahlungsströme abzufangen.

Glücklicherweise handelte es sich bei der Strategie der Hacker nicht um die Beste; sie hatten die Zahlungsempfänger unverzüglich ausgetauscht und flogen daher nach nur kurzer Zeit auf. Insgesamt konnten die Diebe innerhalb weniger Stunden rund 300.000 US-Dollar erbeuten. Wenn Sie die Wallets stattdessen gesammelt und einige Zeit abgewartet hätten, wären sie vermutlich viel länger unentdeckt geblieben und der Schaden wäre vermutlich deutlich höher ausgefallen.

Natürlich können auch klassische Finanzdienste Attacken wie dieser zum Opfer fallen. In Brasilien zum Beispiel konnten Hacker dieses Jahr das gesamte Online-Geschäft einer Bank kapern.

Falsche Adresse

Bei den zuvor beschriebenen Fällen handelte es sich um typische Probleme, die im Zusammenhang mit elektronischem Geld auftauchen können. Wie wir bereits erwähnt haben, tauchen bei Kryptowährungen zusätzliche Probleme auf. Ein für Kryptowährungen spezifisches Risiko wäre zum Beispiel der Geldverlust aufgrund einer fehlerhaften Adresse des Empfängers.

Im Fall von Ethereum, kann sich Ihr Geld ganz einfach in Luft auflösen, wenn zum Beispiel die letzte Ziffer der Adresse nicht kopiert wurde. Zudem würde sich der Betrag, den Sie versucht haben zu überweisen, mit 256 multiplizieren.

Für Bitcoin ist dieser Fehler nicht relevant, denn das System verfügt über eine integrierte Adressvalidierung. Trotzdem können Sie Geld an einen mysteriösen Empfänger senden – was würden Sie davon halten einfach so 800 Bitcoins zu verlieren? (Laut Wechselkurs – Stand September –  wären das rund 3,2 Millionen US-Dollar). Oder Sie könnten unwissentlich eine Gebühr von 80 Bitcoins zahlen (rund 320.000 US-Dollar). Obwohl dieses Szenario bei gängigen Bitcoin-Anbietern eher unwahrscheinlich ist.

Verlust einer Wallet-Datei

Ein weiteres typisches Problem der Kryptowährungen ist der Verlust oder Diebstahl eines Wallets. Die meisten Nutzer lagern Ihre Wallet-Dateien der Kryptowährungen auf ihren Computern. Deshalb können diese mithilfe von Malware kinderleicht entwendet werden oder durch einen Festplattencrash ganz einfach verloren gehen.

Fortgeschrittene Nutzer machen deshalb Kopien ihres Geheimschlüssels und erwerben USB-Hardware-Wallets. Die Anzahl dieser User ist jedoch relativ gering.

Die Situation um „zentralisiertes“ E-Geld steht dennoch momentan deutlich besser. Denn es ist die eigene Internetbank, die keine Zwei-Faktor-Authentifizierung und die Bestätitung der Transaktionen per SMS mit Einmalpasswörtern verlangt. Und im Falle von Korporationen oder großen Geldsummen ist der Gebrauch eines USB-Token zwingend erforderlich.

Unsichere ICOs

2017 erlebten die Investitionen in Projekte, die im Zusammenhang mit der Blockchain oder den Kryptowährungen stehen unter Besitzern von Kryptowährungen einen regelrechten Boom. Diese Art Fonds einzuwerben wird ICO (Initial Coin Offering) genannt.

Mehr darüber, wie das Ganze abläuft, was das Ethereum-Netzwerk ist und wie Smart Contracts funktionieren, erfahren Sie in einem unserer letzten Beitrage. Fazit ist, dass der Gebrauch von Kryptowährungen es ermöglicht hat, unglaubliche Geldmengen einzig und allein mit einer Internetverbindung zusammenzutragen. Mehr als 1,7 Milliarden US-Dollar wurden 2017 bereits durch ICOs zusammengetragen. Obwohl man nicht viel von erfolgreichen Projekten hört, sind Investoren noch immer optimistisch.

Wo genau liegt dann das Problem? Das Problem besteht darin, dass der Markt der Kryptowährungen nach wie vor nicht reguliert ist; es gibt weder Risikobewertungsmechanismen noch die Garantie der Kapitalrendite; Sie verlassen sich ausschließlich auf das Ehrenwort derjenigen, die das Projekt ins Leben gerufen haben.

Logischerweise garantiert eine Idee nicht, dass diese auch gut oder umsetzbar ist, dass ein Produkt Gewinn machen wird oder das der Erfinder das Geld auch tatsächlich in die Umsetzung des Projekts investieren wird. Denn dieser könnte sich ganz einfach mit dem Geld davo machen, denn es ist altbekannt, dass es nich besonders einfach ist, einen Zahlungsempfänger auf dem Kryptowährungsmarkt aufzuspüren und zu ent-anonymisieren.

Manipulation einer Nutzeradresse

Manchmal können Kriminelle sogar noch viel einfacher an Geld kommen. ICOs starten normalerweise zu einer bestimmten Zeit und gelten als geschlossen, sobald die angestrebte Summe erreicht wurde. Die Empfangsadresse wird bei der Eröffnung meist auf der Webseite des Projekts gepostet (das ist zwar nicht zwingend so, aber meistens der Fall).

Während eines bestimmten ICOs konnte sich ein Hacker Zugriff auf die Webseite eines Projekts verschaffen und die angegebene Adresse durch seine austauschen. Innerhalb einer Stunde hatten bereits 2000 Teilnehmer insgesamt 8 Millionen US-Dollar überwiesen. Dann stellte sich heraus, dass es sich um eine falsche Adresse handelte. Aber selbst das hat eifrige Kryptoinvestoren nicht gestoppt – viele von Ihnen haben weiterhin Geld auf die falsche Adresse überwiesen und somit konnte sich der Hacker über weitere 2 Millionen US-Dollar freuen.

Tipps für Besitzer und Investoren

Wie können Sie die zuvor genannten Probleme vermeiden? Wir haben einige Tipps für sie bereitgestellt, die Ihnen dabei helfen können.

  1. Überprüfen Sie immer die Adresse des Web-Wallets und folgen Sie keinen Links zu Internetbanken oder Web-Wallets.
  2. Bevor Sie den Auftrag senden, sollten Sie die Empfängeradresse (oder wenigstens die letzten Ziffern), die Geldsumme und die anfallenden Gebühren erneut überprüfen.
  3. Notieren Sie eine Eselsbrücke, die Ihnen dabei hilft Ihr Kryptowallet wiederherzustellen wenn Sie es verlieren oder Ihr Passwort vergessen sollten.
  4. Bewahren Sie einen kühlen Kopf und treffen Sie bewusste Entscheidungen.
  5. Sie sollten sich immer vor Augen halten, dass die Investion in Kryptowährung sehr riskant ist. Investieren Sie nicht mehr, als Sie bereit sind zu verlieren. Diversifizieren Sie Ihre Investitionen.
  6. Nutzen Sie Hardware-Wallets für Kryptowährungen.
  7. Installieren Sie ein qualitativ hochwertiges Antivirenprogramm, um die Geräte, mit denen Sie auf Kryptowallets zugreifen, traden, usw. zu schützen.