Wie Big Data und ein bisschen Paranoia die Panama Papers zum Leben erweckten

12 Apr 2016

Die größte Panne in der Geschichte der Datenschutzverletzung ereignete sich, als Unterlagen von Mossack Fonseca in die Hände deutscher Journalisten fielen. Hierbei sickerte ein Archiv in der Größe von 2,6 Terabytes durch, das 11,5 Millionen Dokumente enthielt — dies ist drei Mal so groß wie der skandalöse Cablegate-Bericht, der 2010 von WikiLeaks initiiert wurde.

Es ist nicht das erste Mal, dass es Kundendaten von Mossack Fonseca in die Schlagzeilen schafften: vor einigen Jahren wurde von unbekannter Quelle ein Teil der Datenbank an deutsche Behörden verkauft. Dieser enthielt Informationen über einige Hunderte Offshoregesellschaften. Der Vorfall der Panama Papers hat ein wesentlich größeres Ausmaß: dieser enthüllte Daten von 240.000 Unternehmen, die ihren Sitz in Steuerparadiesen haben.

Das ist eine riesige Datenmenge. Diese war über ein Jahr hinweg analysiert worden, wobei es im Laufe der Zeit sicherlich noch zu weiteren Enthüllungen kommt. Unter strenger Geheimhaltung waren die Daten von Journalisten auf der ganzen Welt analysiert worden, ohne dass jemand außerhalb dieser Gruppe von den Ermittlungen erfahren hatte. Wir werden nun darauf eingehen, wie der ganze Ablauf organisiert war.

Die Geschichte der Panama Papers begann Ende 2014, als ein anonymer Informant Bastian Obermayer kontaktierte, einen deutschen Journalisten der Süddeutschen Zeitung. Der Informant bot an, Daten aufzudecken, die Kriminelle kompromittieren könnten.

Der Informant des Journalisten stellte die Dokumente zu Verfügung und verlangte als Gegenleistung nichts außer absolute Anonymität. Diese Person war nicht gewillt, denselben Lebensweg wie Edward Snowden zu beschreiten, der sein Zuhause verlassen musste und nicht darauf hoffen kann, seine Familie und Freunde wiederzusehen. Aus Angst um sein Leben bestand der Informant auf die Nutzung von sicheren Onlinekommunikationskanälen und lehnte es ab, den Journalisten persönlich zu treffen.

Obermayer stimmte zu. Sie standen also über verschlüsselte Kommunikationskanäle in Kontakt und wechselten diese regelmäßig. Der Journalist weigerte sich, die verwendeten Apps und Technologien preiszugeben und zu erläutern wie dieses gigantische Datenarchiv, das mehr als 2 Tb umfasst, transferiert wurde. Dem Magazin Wired verriet er lediglich: „Ich habe eine Menge über den sicheren Datentransfer von großen Archiven gelernt“.

Die Nachforschungen lehrten Obermayer ausgesprochen vorsichtig zu sein. Als der gesamte Informationsaustausch vorüber war, vernichtete der Journalist sein Telefon und die Festplatte seines Laptops, da diese Geräte benutzt worden waren, um in Kontakt zu bleiben. „Das mag etwas übertrieben gewirkt haben“, merkte er Wired gegenüber an, „aber Vorsicht ist besser als Nachsicht“.

Als die Süddeutsche Zeitung ihre umfassenden Ermittlungen bezüglich des ersten Teils der Dokumente abgeschlossen hatte, trat sie an das International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ – ) heran. Dieses Team verfügt über spezifische Erfahrung im Bereich der Analyse großer Datenpannen, weshalb Experten des ICIJ die Koordination der Ermittlungen übernahmen.

Es wurden Ordner für jede einzelne Offshoregesellschaft erstellt, die E-Mails, PDFs, Kopien von Dokumenten und Kontaktdaten sowie weitere Unterlagen beinhalteten. Um die Textsuche zu ermöglichen, wurden einige Unterlagen, mithilfe eines Buchstabenerkennungssystems von Bild- in Textformat umgewandelt.

Das ICIJ kreierte ein eigenes Suchsystem, das allen beteiligten Parteien Zugriff gewährte und die Kommunikation und die gemeinsame Zusammenarbeit ermöglichte. Dutzende der größten Zeitungen der ganzen Welt beteiligten sich an den Nachforschungen: ungefähr 400 Journalisten aus insgesamt 80 Ländern arbeiteten an den Panama Papers.

Das ICIJ wird nicht allen Interessenten Zugriff auf die Panama Papers gewähren. Gerald Ryle, der Leiter der Organisation, ist der Meinung, dass gesetzestreue Klienten von Mossack Fonseca andernfalls Schaden nehmen könnten.