Zurück in die Zukunft: 10 zutreffende und weniger zutreffende Vorhersagen für das Jahr 2015

21 Okt 2015

Der 21. Oktober 2015 ist ein besonders Datum für alle Fans der Zurück-in-die-Zukunft-Reihe. Denn an diesem Tag kommt Marty McFly im zweiten Teil der Serie in der Zukunft an.

Die Filme wurden zu Kult-Klassikern. Regisseur Robert Zemeckis und Drehbuchautor Bob Gale haben nicht nur tolle, sehr erfolgreiche Filme produziert. Die beiden Macher waren auch ganz gute Futurologen und haben es geschafft, im Jahr 1989 manche Dinge vorauszusagen. Seien wir ehrlich, 26 Jahre in die Zukunft zu blicken und genauere Vorhersagen zu treffen als zum Beispiel ein Meteorologe, ist nicht zu machen. Also können wir den beiden einige der nicht eingetroffenen Vorhersagen gerne vergeben.

1. Fernseher überall

Der vielleicht eklatanteste Fehler war, dass nirgendwo etwas vom Internet zu sehen ist.

Im Jahr 1989 gab es bereits E-Mails, Newsgroups, IRC… allerdings waren das Dinge für Geeks, versteckt vor Normalbürgern und der Geschäftswelt. Kein Wunder, dass die Filmemacher dieses Thema bei ihrer Voraussage der technischen Entwicklung komplett ignorierten. Wer hätte sagen können, dass es heute überall anzutreffen ist?

Allerdings waren Zemeckis und Gale an ein anderes Phänomen gewöhnt: Fernseher – und da stimmt die Voraussage:

Überall große Flachbildschirm-TVs – richtig.

Überwältigende Popularität von 3D-Video – richtig.

Simultanes Bild-im-Bild- und Bild-pro-Bild-Ansehen von sechs TV-Kanälen ist auch heute noch nicht vorhanden (nun, das war für 1989 ein bisschen weit hergeholt!).

Holografische Außenprojektionen… Noch nicht, aber die sollte es bald geben: Einige Prototypen gibt es bereits.

„Der weiße Hai 19“? Den Film gibt es natürlich noch nicht (allerdings konnte es sich das Team nicht verkneifen, einen speziellen Trailer zu veröffentlichen, um das Datum zu feiern). Und so ein subtiler Hinweis auf die aktuelle Prequel/Sequel/Spin-Off-Hysterie kann kaum unbeachtet bleiben, oder? Sobald jemand eine eingermaßen gute Geschichte dazu schreibt, kann’s losgehen.

2. Eine Welt ohne Smartphones

Ein weiterer Fehler in Zurück in die Zukunft 2 hat mit Handys und persönlichen Geräten zu tun – genauer gesagt, mit deren Fehlen. Es gibt allerdings einige bedeutungsvolle Hinweise auf aktuell verfügbare technologische Konzepte: die binokulare Kamera von Doc Brown, ein Tablet zur Unterzeichnung einer Petition, Videobrillen… Gleichzeitig existieren diese Dinge aber neben veralteten Telefonzellen und Papiermedien – insgesamt sieht das anders aus als unsere aktuelle Realität.

Die Rolle unserer heutigen Kommunikationsgeräte wurde in Zurück in die Zukunft von Faxgeräten übernommen – total modern in den 1980er Jahren, heute völlig überholt.

Allerdings sehen viele das Fax, das Martys Kündigung ausdruckt als Vorläufer der heutigen Multi-Displays.

Der unglückliche Fehler mit den übersehenen Smartphones, die nicht vorausgesagt wurden, wird recht schön durch die sehr realistischen Video-Chats ausgeglichen. Nehmen Sie nur die Einblendung unten auf dem Bildschirm, die Namen der Kinder und Hobbys des Gesprächspartners anzeigen – das hat etwas von heutigen Profilen bei Sozialen Netzwerken.

Die Dinner-Szene, in der die Kinder ihre Familie komplett ignorieren, da sie völlig von den Videobrillen abgelenkt werden, ist ebenfalls mit der heutigen Zeit zu vergleichen: Vielleicht sollte sich Google Glass diese Szene noch einmal ansehen.

3. Warum können Menschen nicht fliegen?

Bisher hat Zemeckis einen guten Job gemacht, doch mit all den fliegenden Autos und Himmelsstraßen ist er etwas über das Ziel hinausgeschossen.

Firmen wie Terrafugia und AeroMobil versprechen schon länger, günstige und praktische Kombinationsfahrzeuge einzuführen, die sowohl auf terrestrischen Wegen als auch auf Straßen in der Luft fahren können. Seit damals waren jedoch alle Versuche umsonst und das Veröffentlichungsdatum solcher Fahrzeuge wird von Jahr zu Jahr weiter verschoben. Traurigerweise haben wir also keine Chance, in naher Zukunft ein fliegendes Auto für 39.999,95 Dollar zu bekommen.

Beim Thema Drohnen hatte Zemeckis dafür wieder recht. Das Fiasko von Biffs Bande wurde direkt von einem automatischen Reporter von USA Today berichtet – in der heutigen Zeit gar nicht ungewöhnlich. Und auch wenn Medien heute noch keine Drohnenreporter angestellt haben, so könnte das in naher Zukunft zu einem Trend werden.

Interessanterweise wurde der Bericht zur Zerstörung des Rathauses von einem „Compu-Fax“-Autor geschrieben. Eine Vermutung: Statt normalen Journalisten schreiben bereits Roboter die Nachrichten – und das ist erst der Anfang.

4. Körperersatz

Wir können nur von Verjüngungskliniken träumen, die dabei helfen, alte Organe zu ersetzen (so wie in Docs Fall) oder jemanden wie 17 aussehen lassen, auch wenn derjenige bereits 47 Jahre alt ist. Natürlich bewegt sich die medizinische Wissenschaft in die richtige Richtung, aber doch langsamer, als man es gerne hätte.

Wenn wir gerade von der Cyborgisierung sprechen: Zemeckis und Gale haben vorhergesagt, dass das schon bald kommen wird, allerdings sind die Fortschritte in diesem Bereich nicht so beeindruckend. Immerhin sind selbst elektronische Handprothesen oder Augenprothesen immer noch recht ungewöhnlich, aber gleichzeitig schon recht real.

5. Roboter bei der Arbeit

Die Idee automatisierter Gesetzeshüter, die in wenigen Minuten ein Urteil sprechen können, klingt verlockend. Allerdings wird es gierige Anwälte und jahrelange Gerichtsverhandlungen noch für viele Jahrzehnte geben.

Mit Blick auf Jobs mit geringer Qualifikation, könnten Menschen in kürzester Zeit durch Roboter ersetzt werden. Hotels, Krankenhäuser und Fast-Food-Restaurants – all diese Branchen experimentieren bereits mit der Automatisierung menschlicher Rollen.

Und auch wenn wir noch keine vollautomatisierten Mülleimer haben, so haben wir zumindest diese genialen Roboter-Staubsauger. Und wir schaffen es ganz gut, unsere Bestellung an einer automatisierten McDonald’s-Theke aufzugeben – genau so einfach wie man eine Pepsi im Cafe 80’s bestellt.

6. So ein perfekter Tag

Wettervorhersagen, die auf die Sekunde genau voraussagen, wann es zu regnen aufhört, wären natürlich toll. Und die Meteorologie hat in den 26 Jahren auch enorme Fortschritte gemacht, allerdings machen ihre Supercomputer und fortschrittlichen Multifaktoren-Modelle immer noch von Zeit zu Zeit Fehler.

Ein großartiger Blick in die Zukunft in dem Film war aber die Biometrie. Die Figuren verwenden vor allem Fingerabdrücke, um Türen zu öffnen – nun, wer hätte gedacht, dass man diese heute oft verwendet, um sein Smartphone freizuschalten?

7. Ehre dem Koch

Eine dehydrierte Pizza, die innerhalb weniger Sekunden wächst, wenn man sie in den Essens-Hydrator legt, ist nach wie vor ein Blick in die ferne Zukunft. Mikrowellen-Essen ist heute wahnsinnig beliebt, aber nicht so fortschrittlich. Ganz im Gegenteil: Es gibt sogar einen Trend, eher gesunde Biolebensmittel zu essen (zumindest sieht es so aus).

 

Bleiben wir im häuslichen Bereich: Die Filmemacher haben die Stimmkontrolle für Haushaltsgeräte vorausgesagt (in der Szene mit dem Obstspender).

8. Über allem gleiten

Das Hoverboard ist bei Weitem das beliebteste Gadget aus Zurück in die Zukunft 2. Kein Wunder, dass dieses Ding in der Populärkultur der letzten 26 Jahre laufend auftauchte.

Im Jahr 2012 produzierte Mattel eine wunderschöne Nachbildung, die leider nicht fliegen konnte. Der Prototyp von Lexus schwebt dagegen wirklich in der Luft, muss dabei aber über einer Metallplattform sein, und das Schweben geht nur zehn Minuten lang. Zudem ist dieses Produkt nicht für den Verkauf bestimmt, sondern nur zum Angeben gedacht.

Hendos Hoverboard kann ebenfalls nicht überall fliegen und hat keine lange Batterielebensdauer. Zudem kostet es ungefähr 10.000 Dollar – ein Schuljunge würde es sich also niemals leisten können.

Es gibt ein Gerät namens Mr Hoverboard, das an vier Black&Decker-Staubsauger angeschlossen werden muss. Es ist viel günstiger als das Hoverboard von Hendo und kann 70 Kilo in die Luft heben. Aber es ist auch bei Weitem kein Vergleich zum echten Hoverboard.

Eine weitere richtige Voraussage war das freihändige Spielen. Und natürlich, dass moderne Kinder die Spielsachen der Vorfahren nicht mögen.

9. Der Kampf um die Schuhbänder

Beim Thema Kleidung hat die Zukunft im Film ebenfalls die Realität übersprungen. Sich in der Größe anpassende Jacken mit integrierter Trocknungsfunktion, sich selbst bindenden Nike-Schuhe, Jeans, die linksherum getragen werden, furchtbare Doppelkrawatten und andere gewagte Vorhersagen von Zemeckis und Gale liegen wohl nach wie vor in der Zukunft.

Die Schuhbänder sind natürlich die plausibelste Vorhersage, denn sie sind ein langfristiges Marketingprojekt für Nike und das Unternehmen wird sie niemals loslassen. Im Jahr 2011 gab es eine Kopie der Schuhe aus dem Film als limitierte Auflage (allerdings mit regulären Schuhbändern). Die Firma hat mehrer Patente für eine Bindeautomatik angemeldet und wir erwarten ein voll funktionsfähiges Modell  der Nike MAG bis Ende des Jahres.

10. Thermonuklear

Auch wenn wir vielleicht zu unseren Lebzeiten noch fliegende Autos sehen werden, persönliche thermonukleare Reaktoren (Mr. Fusion) sind heute noch absolute Fiktion.

Statt übermäßiger Technologie und großem Stromverbrauch geht es heute um Effizienz und Stromsparen. Ich bezweifle, dass Gale und Zemeckis sich den Lebensstil eines Helden von heute vorstellen konnten, nämlich von Robert Rhinehart, dem Entwickler der Nährstofflösung Soylent. Er hat unter anderem aufgehört Strom von außen zu verbrauchen, da sein bescheidener Stromverbrauch mit Solarbatterien befriedigt werden kann.

Es gibt nichts, was heute an thermonukleare Reaktoren herankäme, außer vielleicht die Pepsi-Perfect-Flaschen, die extra für das besondere Datum angefertigt wurden und in einer limitierten Edition von 6.500 Stück auf den Markt kamen. Aber wie schon die Schuhbänder von Nike, ist das eine reine Marketing-Geschichte.

Oberflächlich gesehen mag es scheinen, als hätten die Macher von Zurück in die Zukunft 2 nicht recht viele zutreffende Voraussagen gemacht. Doch andererseits wollten sie niemals die Zukunft voraussagen, sondern einfach nur Spaß haben, wie Bob Gale in einem aktuellen Interview zugab. Als sie sich so manches ausdachten, haben sie zufälligerweise die Zukunft vorausgesagt.