Netflix-Serie „You“ – vorsicht vor Romantisierung der Serie und digitalem Stalking

In Kürze startet die vierte Staffel der Netflix-Serie „You“, in der es um Stalking geht. Unabhängig davon, ob dies online oder offline geschieht – handelt es sich dabei um Gewalt.

Am 9. Februar startet der erste Teil der vierten Staffel der Netflix-Serie „You – Du wirst mich lieben“. Bisher drehte sich die Serie um Joe Goldberg und seine exzessive Besessenheit gegenüber einer Protagonistin, die er seit langem stalkt.

Obwohl Joe seit der ersten Staffel die Herzen der Zuschauerinnen höherschlagen lässt und diese sein Verhalten romantisieren, handelt es sich bei Stalking – unabhängig davon, ob dies online oder offline geschieht – um Gewalt und damit um ein ernstzunehmendes, inakzeptables Problem unserer Gesellschaft. Online findet Stalking unter anderem mittels sogenannter Stalkerware statt, einer kommerziell erhältlichen Software, die normalerweise heimlich, also ohne deren Wissen, auf dem Smartphone einer nahestehenden Person oder eines Ex-Partners installiert wird. Sie erlaubt dem unbefugten Dritten unerlaubt Zugriff auf das Privatleben der Person und schafft eine Möglichkeit der digitalen Überwachung.

Aktuelle Stalkerware-Zahlen 2022

Im vergangenen Jahr waren weltweit 29.312 Personen von Stalkerware betroffen, davon 736 in Deutschland, 71 in Österreich und 123 in der Schweiz. Deutschland ist das einzige europäische Land in der Top-10-Liste der am stärksten betroffenen Länder. Schätzungen der Koalition gegen Stalkerware zufolge könnte die Nutzung dieser Technologie jedoch weltweit bei fast einer Million Fällen jährlich liegen.

Christina Jankowski, Senior External Relations Manager bei Kaspersky, kommentiert:

„Wir dürfen ein Verhalten, wie es in You zu sehen ist, nicht romantisieren, sondern müssen es als das brandmarken, was es ist: Stalking und Stalkerware sind Formen von (Cyber-) Gewalt. Man sollte sich bewusst sein, dass hinter den Zahlen der Betroffenen reale Lebensgeschichten stehen. Deshalb ist es wichtig, aktiv dagegen vorzugehen. Um ein besseres Verständnis für Stalkerware zu bekommen, teilt Kaspersky seine Erkenntnisse schon seit Jahren mit der globalen Cyber-Community sowie Hilfsorganisationen und macht sich für die Bekämpfung von Stalkerware stark. Alle relevanten Daten und Informationen dieses Thema betreffend müssen zum Wohle derer, die von Cybergewalt betroffen sind, geteilt werden, um den Grad der Erkennung und des Schutzes weiter zu verbessern.“

Konkrete Hilfe: Koalition gegen Stalkerware und Anti-Stalkerware-Tool TinyCheck

Bereits im Jahr 2019 gründete Kaspersky – zusammen mit neun anderen Unternehmen und Organisationen – die Koalition gegen Stalkerware, die über 40 Mitglieder weltweit umfasst. Das Ziel ist es, die Erkennung von Stalkerware zu verbessern, häusliche Gewalt zu bekämpfen, den Wissensaustausch von Non-Profit-Organisationen und Unternehmen zu fördern und die Öffentlichkeit zu sensibilisieren.

Kasperskys Sicherheitslösungen für Verbraucher schützen alle gegen Stalkerware, indem das entsprechende Gerät regelmäßig überprüft wird und bei einer Entdeckung eine entsprechend klare Warnung inklusive einer Handlungsempfehlung angezeigt wird.

Des Weiteren hat Kaspersky das kostenlose Open-Source-Tool TinyCheck entwickelt, das die Erkennung von Stalkerware auf einfache, schnelle und nicht-invasive Weise auf dem Gerät einer betroffenen Person ermöglicht, ohne dass der Täter alarmiert wird. TinyCheck ist sicher in seiner Anwendung durch Hilfsorganisationen, liest nicht den Inhalt der Kommunikation einer Person (etwa SMS oder E-Mails), sondern interagiert nur mit den Online-Servern/IPs, mit denen das Smartphone kommuniziert. TinyCheck weiß also nicht, mit wem oder worüber eine Person spricht. Die Netzwerkaufzeichnung des analysierten Geräts wird nicht weitergegeben – weder Kaspersky noch Dritte erhalten diese Daten. Die gesamte Analyse wird lokal durchgeführt.

„Auch wenn Cyberstalking online stattfindet, hat es konkrete Auswirkungen auf das reale Leben der Betroffenen. Wir beobachten täglich in unseren Anti-Gewalt-Zentren mittel- bis langfristige psychologische, physische und soziale Folgen“, erklärt Elena Gajotto, Vizepräsidentin der italienischen Hilfsorganisation für Betroffene Una Casa Per L’Uomo. „Gerade deshalb ist es wichtig, auf die Gefahren von Cyberstalking hinzuweisen und jeden aufzufordern, stärker auf die eigene digitale Sicherheit zu achten. Wir freuen uns, mit Kaspersky und allen Partnern der Koalition gegen Stalkerware zusammenzuarbeiten, um Betroffene zu unterstützen und Experten, die auf dem Gebiet der Bekämpfung häuslicher Gewalt arbeiten, noch besser zu schulen.“

Kaspersky-Tipps für Betroffene von Stalkerware

  • Die Webseiten www.polizei-beratung.de oder www.StopStalkerware.org/de der Koalition gegen Stalkerware bieten erste Hilfestellung und Kontakte zu Anlaufstellen, wie etwa den WEISSEN RING wenden, um schnell und individuell professionelle Unterstützung zu erhalten.
  • Unter www.stopstalkerware.org/de steht ein Erklärvideo der Koalition gegen Stalkerware zur Verfügung. Dieses bietet hilfreiche Informationen für Betroffene, damit diese die Warnzeichen von Stalkerware besser erkennen können und empfiehlt weitere Schritte und Verhaltensweisen, die unternommen oder vermieden werden sollten.
  • Die Stalkerware auf keinen Fall löschen oder Einstellungen des Smartphones ändern, da dies den potenziellen Täter alarmieren und zu einer Eskalation der Situation führen könnte. Zudem könnten wichtige Daten und Beweise gelöscht werden, die für eine Strafverfolgung wichtig sind.
  • Auf die Warnzeichen achten: eine gesunkene Akkuleistung aufgrund unbekannter oder verdächtiger Anwendungen, die viel Arbeitsspeicher, CPU- und Akkuleistung benötigen; unbekannte, neu installierte Anwendungen mit verdächtigem Zugriff auf Standort- bzw. Geolokalisierungsdaten oder mit anderweitig nicht logisch erklärbaren Funktionen; unerklärliches Detailwissen Dritter; wenn die Einstellung „Unbekannte Quellen“ aktiviert, kann dies ein Zeichen dafür sein, dass unerwünschte Software von einer Drittquelle heimlich installiert wurde. Diese Anzeichen können ein Hinweis darauf sein, dass eine Stalkerware installiert wurde; sie sind jedoch noch kein Beweis dafür.
  • Ein bewährter Cybersicherheitslösung wie beispielsweise Kaspersky Standard. Besteht der Verdacht, dass eine Stalkerware bereits auf dem Smartphone läuft, sollte dies jedoch erst nach einer Risikobewertung der betroffenen Person – am Besten zusammen mit einer Hilfsorganisation – erfolgen, da der Täter sonst die neu eingesetzte Cybersicherheitslösung bemerken könnte.

Kaspersky-Tipps zum Schutz vor Stalkerware auf mobilen Geräten

  • Das Smartphone mit einem sicheren Passwort schützen, das mit keinem – auch nicht Partnern, Freunden, Familie oder Kollegen – geteilt wird.
  • Kontinuierlich die Berechtigungen installierter Apps überprüfen: Stalkerware-Anwendungen können unter einem gefälschten App-Namen getarnt sein.
  • Selten oder nie verwendete Apps löschen.
  • Persönlichen Browserverlauf überprüfen: Um Stalkerware herunterzuladen, muss der Täter Webseiten besuchen, die der betroffene Nutzer wahrscheinlich nicht kennt. Alternativ könnte auch gar kein Verlauf mehr vorhanden sein, wenn der Täter ihn gelöscht hat.
  • Eine bewährte Cybersicherheitslösung einsetzen, die vor allen Arten mobiler Bedrohungen schützt und das Gerät regelmäßig überprüft.

 

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