So „tötet“ man einen Menschen mit der Tastatur

8 Aug 2015

Der Sicherheitsforscher Chris Rock hat entdeckt, wie einfach es ist, einen Menschen zu „töten“. Wir sprechen hier vom rechtlichen Sinn, nicht von der physikalischen Handlung. Man braucht dazu nur einen Computer mit Internetzugang, etwas Hintergrundwissen und gesunden Menschenverstand. Und man muss dafür noch nicht einmal etwas hacken; alle benötigten Services gibt es bereits und sie sind zu 100 Prozent legal.

Chris Rock hat seine Forschung begonnen, nachdem ein australisches Krankenhaus verwehentlich 200 Patienten „für tot erklärt“ hatte. Sein Gedanke war, dass wenn etwas als Fehler oder Unfall in elektronischen Systemen passieren kann, dies auch manuell gemacht werden kann.

Ein offizieller Beweis für den Tod eines Menschen ist die Sterbeurkunde. In vielen Ländern kann der Antrag dafür online ausgefüllt werden. So gibt es in den USA zum Beispiel einen Webdienst namens Electronic Death Registration System (EDRS). Um dies nutzen zu können, muss man sich dort als Arzt anmelden.

Um sich für das EDRS zu registrieren, muss man einige Informationen eingeben, um zu beweisen, dass man Arzt ist: Seinen Namen, die Lizenznummer und die Adresse, die auf der Lizenz zu finden ist. Allerdings gibt es noch einen weiteren Online-Dienst (zumindest in Kalifornien), bei dem man all diese Informationen finden kann. Einfach gesagt, kann man sich beim EDRS als kalifornischer Arzt anmelden – jederzeit und ohne Probleme.

Eine weitere Person, die bei der Ausstellung einer Sterbeurkunde beteiligt ist, ist der Bestattungsunternehmer. Kurioserweise braucht man in manchen Ländern (etwa Großbritannien und Australien, aber auch in Teilen der USA) keine spezielle Ausbildung oder Zertifikate um diesen Beruf auszuüben. Man füllt seine Bewerbung aus und wartet auf die Bestätigung – und zack, schon ist man Bestattungsunternehmen.

Natürlich muss man wissen, wie eine Sterbeurkunde richtig ausgefüllt wird. Und natürlich gibt es dafür eine App eine Anleitung, sowohl für Ärzte, als auch für Bestattungsunternehmen. Eine einfache Google-Suche und schon hat man die benötigten Informationen vor sich. Und das war’s im Grunde bereits, wobei man noch einige zusätzliche Dinge für die Testamentseröffnung machen muss. Aber das ist ebenfalls nicht recht schwer.

Eines der schönsten Dinge bei diesen „Todes-Services“ ist, dass diese Webseiten meist einen speziellen Knopf zur Registrierung von Massen-Sterbefällen haben. Diese Funktion ist eigentlich für Todesfälle bei Unglücken und Naturkatastrophen geadacht, kann aber auch für virtuelle „Massenmorde“ missbraucht werden, und das von jedem, der die Rolle von Bender Rodriguez übernehmen möchte.

Der gegenteilige Prozess – die Registrierung einer Geburt – läuft sehr ähnlich und benötigt keine neun Monate. Es ist sogar einfacher, eine virtuelle Geburt zu haben, als jemanden virtuell für tot zu erklären. Denn dafür braucht man zum einen keinen Bestattungsunternehmer und kann sich zum anderen statt als Arzt als Hebamme registrieren. Natürlich können auch die für Hebammen benötigten Informationen auf der oben erwähnten kalifornischen Webseite und ähnlichen Diensten in anderen Ländern gefunden werden.

Es gibt eine Menge an Gründen, warum jemand eine andere Person für tot erklären oder eine Geburt anmelden möchte. Betrug, Rache und noch viel mehr. Ein noch interessanteres und vielleicht weniger offensichtliches Szenario ist die Erstellung einer komplett virtuellen und gleichzeitig komplett legitimen Person, die man jederzeit wieder verschwinden lassen kann. Das ist dann wie alle falschen Persönlichkeiten in den Sozialen Netzwerken, nur eben im richtigen Leben!

Noch ein lustiger Fakt zum offiziell tot sein: Die rechtliche Wiederauferstehung kann recht kompliziert sein. Ein Mann wurde versehentlich für tot erklärt, nachdem er mehrere Jahre vermisst war. Er wollte seinen rechtlichen Status wieder herstellen, doch ein Richter sagte, dass es dafür zu spät sei, da im US-Staat Ohio gesetzlich eine Drei-Jahres-Frist festgelegt ist, in der eine Todeserklärung angefochten werden kann. Danach kann man nichts mehr machen. Nichts, sorry.