Google I/O 2016: Smartphones sind für Android erst der Anfang

23 Mai 2016

Die jährliche Google-I/O-Konferenz versammelt traditionsgemäß Entwickler, um sie über neue Tendenzen des kommenden Jahres zu informieren. Dieses Jahr war keine Ausnahme: das Publikum bekam Einblicke in das neueste Android-N-Betriebssystem. Ganz nebenbei: „Android N“ ist der Arbeitstitel und jeder kann Vorschläge für den offiziellen Namen machen. Weitere Höhepunkte: Android Wear, ein Betriebssystem für Wearables, das ein erhebliches Facelifting bekommen hat. Abgesehen davon hat Google gezeigt, dass sie an der Weiterentwicklung von Technologien im Virtual-Reality-Bereich arbeiten.

Es steht fest, dass das Interesse von Google weit über Internetsuche und Smartphones hinausgeht: auch die Automobiltechnik genoss viel Aufmerksamkeit auf der Google I/O. Google Home, eine sprachgesteuerte Lösung für das Smart Home stand ebenfalls im Rampenlicht. Das Thema Sicherheit wurde seitens der Pressesprecher von Google allerdings vernachlässigt: die Repräsentanten erwähnten mit keinem Wort, dass Sicherheitsfehler in diesen Technologien weit mehr Probleme verursachen würden, als ein beeinträchtigtes Smartphone.

Das N-Wort

Die endgültige Version von Android N wird im Spätsommer oder zum Herbstanfang auf den Markt kommen. Wie gewöhnlich wird das Update sowohl neue Unterhaltungsfunktionen als auch wesentliche Verbesserungen bezüglich der Leistung und Sicherheit des neuen Betriebssystems mit sich bringen. Allerdings werden die meisten  Optimierungen für die durchschnittlichen Verbraucher nicht ersichtlich sein — sie sind in erster Linie den Entwicklern vorbehalten.

Natürlich gibt es ein paar neue Funktionen, die die Nutzer bemerken und verwenden sollten. Die „Schwarze Liste“ des Smartphones ist jetzt Teil des Betriebssystems. Das bedeutet, dass verschiedene Apps nur eine einzige Liste mit ungewünschten Kontakten nutzen, die wiederum als Teil der gewöhnlichen Sicherheitskopien gespeichert und in neue Geräte importiert werden kann.

Es gibt noch mehr gute Nachrichten: erstens hat Google die Verschlüsselung des internen Handyspeichers verbessert, so dass diese nun verlässlicher ist. Zweitens hat Google als Reaktion auf die berüchtigte Stagefright-Sicherheitslücke die Multimediabedienung des Betriebssystems deutlich überarbeitet.

Drittens ist Android N die erste Version, bei der Systemupdates automatisch im Hintergrund durchgeführt werden. Mit anderen Worten: das System wird Nutzer in Zukunft nicht mehr fragen, ob sie Aktualisierungen installieren möchten; es wird Updates automatisch starten und den Nutzer dann auffordern, einen Neustart durchzuführen, um die Änderungen zu übernehmen.

Leider werden die Android-Sicherheitsprobleme in den meisten Fällen nicht durch die mangelnde Bereitschaft der Nutzer, die neueste Version des Betriebssystems zu installieren, verursacht. Das Hauptproblem ist, dass die Updates in seltenen Fällen für ältere Smartphones verfügbar sind, weshalb deren Besitzer weiterhin ihre überholten und angreifbaren Versionen des Betriebssystems benutzen müssen.

Allo, ist das Google?

Mit Android N wird auch ein neuer Messenger namens Google Allo auf den Markt gebracht. Obwohl er nicht Teil des Betriebssystems sein wird, besteht die Möglichkeit, dass er die Aufmerksamkeit von wichtigen Marktteilnehmern auf sich zieht und somit auch deren Publikum, das Hunderte Millionen erreicht. Allo unterstützt End-to-End-Verschlüsselung in Chats, was für die Qualität des Messengers spricht.

Allerdings muss man den Allo-Verschlüsselungsmodus (wie auch in Chrome als Inkognitomodus genannt) manuell aktivieren, anders als beim WhatsApp-Messenger, der verschlüsselte Gespräche in seiner neuesten Version standardmäßig anbietet.

Die (wohl) wichtigste Neuerung von Google Allo ist die Funktion Smart Reply. Sie schlägt mögliche Antworten vor, unter denen Sie die passendste einfach durch Antippen auswählen können, anstatt sie über die Tastatur eingeben zu müssen. Smart Reply kann jedoch weit mehr als nur mögliche Antworten für Textnachrichten erstellen — die neue Funktion kann sogar Bilder analysieren, die Ihnen von Freunden gesendet wurden, um passende Kommentare vorzuschlagen. Google zufolge basiert Smart Reply auf einer selbstlernenden Software und passt sich mit der Zeit an den Schreibstil des Benutzers an.

Das ist sehr praktisch, vor allem wenn Sie gerade keine Zeit zum Antworten haben. Nichtsdestotrotz hat Smart Reply mindestens eine große Sicherheitslücke: wenn ein Außenstehender Zugriff zu Ihrem Messenger bekommt, kann ihm Smart Reply dabei helfen, Ihren Schreibstil in dem Sie mit Ihren Freunden kommunizieren zu imitieren Antworten vorschlagen, die die Applikation aus Ihren eigenen Nachrichten gelernt hat.

Autorennen

Fahrzeugsysteme sind für Google auf lange Sicht eine Art Heiliger Gral. Das Unternehmen hatte sowohl beim Testen von selbstfahrenden Autos Erfolg als auch beim Beziehungsaufbau mit großen Autoherstellern. Eine Kombination von Android und Autos ist nun dank dem System Android Auto möglich (verfügbar für einige neuere Fabrikate und Modelle), das Navigation und Unterhaltung, sowie die optimierte Ausführung von Apps im Armaturenbrett des Autos ermöglicht.

Das Unternehmen stellte das Maserati-Ghibli-Autokonzept vor, mit einer potenten auf Android basierenden Plattform, die weit mehr kann, als den Fahrer nach einem Satellitennavigationssystem zu lotsen und ihn über die eingebaute Musikanlage zu unterhalten. Das neue Auto ist ein Android-auf-Rädern: zusätzlich zur Unterhaltung ist das auf Android basierende System dazu in der Lage, die Klimaanlage und das elektronische Armaturenbrett zu kontrollieren.

Trotzdem sollte man nicht vergessen, dass vernetzte Autos die Möglichkeit für Cyberangriffe mit sich bringen. Wird es Android mit seinem berühmt-berüchtigten Ruf wirklich schaffen, Autos sicher zu machen? Bis zum jetzigen Zeitpunkt haben sich noch keine Autohersteller getraut, Android in ihren Autos zu integrieren — also bleibt noch Zeit, um die Sicherheit der Plattform zu verbessern, bevor Android Auto auf die Straße gelassen wird.

Home, Smart Home

Eine weitere bedeutende Ankündigung auf der Google I/O war Google Home, ein sprachgesteuerter Assistent für den Heimbereich. Im Wesentlichen handelt es sich bei diesem Gadget um ein sprachgesteuertes Interface für Google-Services jeder Art. Es ist ein kleines, über WLAN-vernetztes Gerät mit Mikrofon und Lautsprecher.

Google Home hat keinen einzigen Knopf. Jegliche Interaktion mit Google Almighty funktioniert sprachgesteuert: Sie stellen entweder eine Frage oder geben einen Befehl und Google sucht nach der angefragten Information, reserviert einen Tisch im Restaurant, kauft Eintrittskarten, schaltet das Licht an und so weiter.

Das Internet der Dinge war in den letzten Jahren ein heißes Thema, deswegen ist es kein Wunder, dass Google in diesem Marktbereich immer aktiver wird. Mit der steigenden Zahl ständig verbundener Geräte wachsen allerdings auch die Risiken. Wenn ein Mastergerät andere Heimanwendungen kontrolliert, steigen diese Risiken exponentiell: wenn es gehackt wird, kann das Mastergerät eine Katastrophe für Ihr Zuhause darstellen.