Digitale Hygiene nach einer Trennung: Was sollte man überprüfen und deaktivieren?

Wenn eine Beziehung vorbei ist, geht es nicht nur um dein emotionales Wohlbefinden, sondern auch um deine digitale Sicherheit. Hier erfährst du, welche Benutzerkonten und Dienste du überprüfen solltest, um unangenehme Situationen, unerwünschte Überwachung und unnötige Risiken

So schützt du deine Daten nach einer Trennung

Eine Trennung bedeutet meist eine echte Erschütterung. Das ganze Leben steht plötzlich Kopf. Die vertraute Ordnung, in der zwei Menschen Interessen, Erlebnisse und oft auch eine Wohnung teilen, bricht blitzartig zusammen. Eben noch vertraute Partner sind sich mit einem Ruck völlig fremd und voneinander isoliert.

Zudem sind Paare nicht nur im wirklichen Leben miteinander verbunden, sondern auch auf digitaler Ebene. Family-Abos, gespeicherte Adressen und Passwörter, Zugriff auf einen gemeinsamen Cloud-Speicher – auch das gehörte bisher zum Alltag. Eine Trennung emotional zu verarbeiten, kann lange dauern. Was deine Sicherheit betrifft, gibt es aber konkrete Schritte, die du sofort durchführen kannst. Das ist wichtig, auch wenn es dir nicht dabei hilft, deine oder deinen Ex zu vergessen.

Im Folgenden erfährst du, was du nach einer Trennung überprüfen und welche Dienste du deaktivieren solltest. Und warum sich dies auch empfiehlt, wenn ihr im Guten auseinandergeht.

Digitale Hygiene als Versicherung

Es hat nichts mit Paranoia zu tun, deiner oder deinem Ex den Zugriff auf deine Online-Konten zu sperren. Es geht einfach um Sicherheit. Eine Trennung beendet nicht automatisch auch deine digitalen Bindungen: Alle Zugriffsmöglichkeiten, die ihr einander während der Beziehung gewährt habt, müssen manuell deaktiviert werden. Meistens wollen ehemalige Partner solche Lücken gar nicht ausnutzen. Trotzdem können sie nicht nur zu unangenehmen Situationen führen, sondern auch zu echten Überwachungsrisiken.

Aleta Dignard-Fung aus Las Vegas erzählte dem Nachrichtenportal NPR beispielsweise, dass sie nach der Trennung von ihrem Freund nicht daran gedacht hatte, dass dieser ihr Spotify-Passwort kennt. Als sie eines Tages beim Duschen Musik hörte, wurde plötzlich ihre Playlist geändert. Ihr Ex hatte sich auf einem anderen Gerät eingeloggt und wollte seine Titel hören. „Es war wie ein Spotify-Krieg. Ungefähr zehn Minuten versuchte jeder von uns, seine Songs abzuspielen“, gab sie zu. Die Folgen sind jedoch nicht immer so harmlos.

Im selben Interview berichtete die Paartherapeutin Susan Winter von einem Fall aus ihrer Praxis. Einer ihrer Patienten konnte sich nach der Trennung einfach nicht von seiner Ex-Freundin distanzieren. Beide hatten weiterhin Zugriff auf den gemeinsamen OpenTable-Account zur Tischreservierung in Restaurants. Und er schaute immer wieder in ihren Buchungen nach, wohin, um welche Uhrzeit und mit wie vielen Personen sie ausging. Er überwachte, ob jemand Neues in ihr Leben getreten war.

Diese zwei Geschichten unterscheiden sich zwar im Verhalten der ehemaligen Partner, haben jedoch dieselbe Ursache: Benutzerkonten, die nicht gesperrt wurden. Im ersten Fall führte dies zu einer unangenehmen Situation. Im letzteren Fall kam es zu Angst und zu dem Gefühl, beobachtet zu werden. Damit dir so etwas nicht passiert, solltest du eine kurze Checkliste durchgehen.

Sitzungen deines Partners beenden

Schau in den Einstellungen für Social Media, Messaging-Apps, E-Mail und andere wichtige Dienste die Liste der aktiven Sitzungen an und melde dich von allen überflüssigen Geräten ab.

Passwörter ändern

Aktualisiere für alle wichtigen Konten die Passwörter, die dein Partner kennen oder erraten könnte (beispielsweise, wenn das Passwort mit einem aussagekräftigen Datum übereinstimmt). Falls du dasselbe Passwort für mehrere Dienste verwendest, ändere es überall. Und wenn du schon dabei bist, kontrolliere auch die Sicherheitsfragen und die E-Mail-Adresse oder Telefonnummer für die Kontowiederherstellung. Dein Ex-Partner darf diese Daten nicht kennen und keinen Zugriff darauf haben. Damit du neue Anmeldeinformationen nicht mühsam auswendig lernen musst und um gleichzeitig deine Sicherheit zu erhöhen, empfehlen wir einen Passwort-Manager. Er erstellt für jedes Konto ein eindeutiges, starkes Passwort und speichert und synchronisiert die Anmeldedaten auf allen deinen Geräten. Alles, was du dir merken musst: ein einziges Master-Passwort.

Zwei-Faktor-Authentifizierung und vertrauenswürdige Geräte überprüfen

Stelle sicher, dass Bestätigungscodes nur an dein eigenes Gerät gesendet werden. Entferne die Geräte deines Ex-Partners aus der Liste der vertrauenswürdigen Geräte. Dies kannst du in den Einstellungen deines Apple- und Google-Kontos erledigen.

Gemeinsame Nutzung von Apple- bzw. Google-Konten aufheben

Wenn ihr ein gemeinsames Apple- oder Google-Konto genutzt habt, melde dich davon ab. Deaktiviere Familienfreigabe, iCloud und Backup. Überprüfe auch deine freigegebenen Fotoalben. Alles, was automatisch dort landet, ist auch für deine oder deinen Ex sichtbar.

Abonnements überprüfen

Wenn ihr Abos (Streaming-Dienste, Familientarife und ähnliches) geteilt habt, kannst du diese kündigen oder neue Abos einrichten und mit deiner eigenen Karte verknüpfen.

Bankkarten überprüfen

Wenn die Bankkarte deines Ex-Partners mit einem Marketplace, einer Liefer-App oder einem Fahrdienstvermittlungs-Konto verknüpft ist, das dir gehört, entferne die fremde Karte aus den gespeicherten Zahlungsmethoden. Ist deine Karte mit dem Konto deines Ex-Partners verknüpft und du hast keinen Zugriff mehr darauf, ist es am sichersten, eine neue Karte zu beantragen.

Smart Home-Zugriff aufheben

Sperre den Zugriff deines Ex-Partners auf Kameras, Gegensprechanlagen, GPS-Tracker und intelligente Lautsprecher. Wenn sich Geräte in einem gemeinsamen Konto befinden, ändere das Passwort oder verschiebe sie in dein eigenes Konto.

Datenschutzeinstellungen überprüfen

Überprüfe mithilfe unseres kostenlosen Online-Tools Privacy Checker die Privatsphäre-Einstellungen für deine Accounts bei verschiedenen Diensten und sozialen Medien. Es hilft dir bei der Konfiguration deiner Privatsphäre und berücksichtigt dabei dein Betriebssystem, deine Plattform und sogar deinen Browser.

Wenn du Anzeichen von Stalking bemerkst

Wende dich an eine Beratungsstelle und frage nach einer geeigneten Vorgehensweise. Besprich dich auch mit deiner Familie und engen Freunden, und lass dich in schwierigen Situationen von ihnen unterstützen. Auf Android-Geräten kannst du unsere Sicherheitssuite mit der Funktion Spy-Checker nutzen. Sie kann dir dabei zu helfen, Tracking und Stalking zu erkennen und passende Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Die Funktion umfasst:

  • Stalkerware-Erkennung. Erkennt Apps, die dich heimlich überwachen und Daten sammeln, die du niemals freiwillig mit anderen teilen würdest.
  • Geräte-Scanner. Findet versteckte Tracker, mit denen andere Personen deine Bewegungen und deinen Standort verfolgen können.
  • Kontrolle von Berechtigungen. Identifiziert Apps, die Zugriff auf Berechtigungen haben, mit denen andere dich ausspionieren oder deine Privatsphäre gefährden können.

In einer schwierigen Zeit sollte man genau wissen, was wirklich hilft und was alles noch schlimmer machen könnte? Hier erfährst du mehr:

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