Was sind App Clips und Instant Apps?

Auf der WWDC 2020 stellte Apple „App Clips“ für iOS vor. Wir erklären, was Apple Clips und Instant Apps sind.

Vor einigen Tagen hat Apple auf seiner weltweiten Entwicklerkonferenz (WWDC 2020, die wegen des Coronavirus-Ausbruchs vollständig virtuell abgehalten wurde) die nächste Version von iOS vorgestellt. Eine der vorgestellten Innovationen sind App Clips, Mini-Apps, die auf dem Gerät ausgeführt werden können, ohne dass sie installiert werden müssen.

Apple setzt dabei voraus, dass diese Programme nicht mehr als 10 MB groß sind, damit sie sofort ausgeführt werden können. Wenn der Benutzer die App als nützlich erachtet, hat dieser jederzeit die Möglichkeit, die Vollversion herunterzuladen und diese zu nutzen.

Darüber hinaus empfiehlt Apple die Verwendung von App-Clips in Verbindung mit der Schnellanmeldung über das Apple Konto und natürlich mit Apple Pay. Dadurch entfallen zwei weitere mühsame Schritte, die Menschen davon abhalten, Apps schnell zu nutzen: die Registrierung und die Eingabe der Zahlungsdaten.

Wieso App Clips?

Apple hat anhand einiger praktischer Beispiele gezeigt, wie sich App Clips als nützlich erweisen könnten. Angenommen, Sie gehen die Straße entlang, sehen einen Elektroroller und beschließen, ihn zu mieten. Vor App Clips hätte dies das Herunterladen und Installieren einer App, die Registrierung und die Verknüpfung mit einer Bezahlungsmethode erfordert. Dann hätten Sie vielleicht noch eine Wartezeit vor sich, während das Verleihsystem die notwendigen Überprüfungen vornimmt.

Wie schick der Roller auch sein mag, seine Anziehungskraft verblasst schnell angesichts einer solchen virtuellen Bürokratie.

In der glänzenden neuen Welt der App Clips sollte das alles ein Kinderspiel sein. Sie scannen den Strichcode oder den NFC-Tag mit Ihrem Smartphone, woraufhin die Mini-App automatisch startet. Danach melden Sie sich per Schnellanmeldung bei Apple an, bezahlen die Gebühr über Apple Pay und machen sich mit dem Roller über alle Berge.

Der Bildcode oder NFC-Tag soll die Benutzerinteraktion mit physischen Objekten in der realen Welt, wie dem bereits erwähnten Roller oder einer Werbetafel, vereinfachen. Links spielen in der virtuellen Welt eine analoge Rolle.

Ein weiteres Beispiel: Nehmen wir an, Sie wollen Essen bestellen. Sie sehen eine Anzeige in den Suchergebnissen und klicken darauf. Bei App Clips startet sofort die entsprechende Mini-App, und Sie können damit ein leckeres Essen auswählen, mit Apple Pay bezahlen und einfach auf die Lieferung warten.

Ein drittes Beispiel: Immer mehr Städte weltweit führen App-basierte Parkgebühren ein. Die traditionellen Parkuhren (ganz zu schweigen von den mit Personal besetzten Kassenhäuschen) sind nämlich teuer und veraltet.

Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass gelegentliche oder einmalige Besucher der Stadt Zeit damit verschwenden werden, nach einer lokalen Parkplatz-App im Appstore zu suchen und diese dann zu installieren (und sich dort zu registrieren und eine Kreditkarte mit diesem Konto verknüpfen, usw.). Auch hier können Mini-Apps Abhilfe schaffen. Sie führen die App sofort aus, man zahlt per Apple Pay für das Parken und kann sich dann wesentlicheren Dingen zuwenden.

Googles Alternative: Android Instant Apps

Eigentlich ist App Clips nichts Neues. Google hat vor drei Jahren auf seiner eigenen jährlichen Entwicklerkonferenz, Google I/O 2017, ein Mini-App-Konzept vorgestellt. Im Android-Jargon trägt es den Namen Android Instant Apps.

Bei der Enthüllung der Technologie war Google etwas offener über den wahren Grund dahinter. Instant Apps können das Leben der Nutzer in verschiedenen Szenarien erheblich erleichtern, zumindest theoretisch, aber die eigentlichen Profiteure sind die App-Entwickler.

Die beiden größten App-Stores – Apples App Store und Google Play – beherbergen Millionen einzigartiger Programme, und es wird für Benutzer immer schwieriger, eine bestimmte Anwendung im virtuellen Heuhaufen zu finden. Unterdessen haben die Entwickler Schwierigkeiten, ihre Kreationen aus der endlosen Konkurrenz hervorzuheben.

Diese Instant Apps schaffen Abhilfe, indem sie den Benutzern die Möglichkeit geben, Apps sofort auszuprobieren, ohne sich durch ein Labyrinth von Angeboten navigieren zu müssen. Und wenn eine Instant App einen guten Eindruck macht, wird der Benutzer viel eher die Vollversion installieren.

Haufig werden diese Instant Apps von Android für Spiele verwendet. Dabei handelt es sich um ultrakompakte Demoversionen, die dem Benutzer beispielsweise ein Level zum Testen anbieten. Die Hauptattraktion besteht darin, dass man nichts installieren muss, man kann einfach losspielen. Und wenn man das nächste Level spielen möchten, kann man die Vollversion herunterladen und sich von dem Spiel in seinen Bann ziehen lassen.

Die Instant Apps sind vergleichbar mit Probierhäppchen im Supermarkt. Anstatt abstrakte Werbung kann man mit den Häppchen das Produkt vor Ort probieren und, falls es schmeckt, das Produkt kaufen und mit nach Hause nehmen.

Sind die Apps sicher?

Schon das Konzept, dass ein Programm ohne Installation läuft, klingt ein wenig verdächtig. Die üblichen Regeln der digitalen Hygiene besagen, dass man vor der Installation eine gewisse Sorgfalt walten lassen sollte: Recherchieren Sie den Ruf des Entwicklers, lesen Sie die Bewertungen der Benutzer und scannen Sie die heruntergeladene Datei zumindest mit Antiviren-Software.

Der sofortige Start einer Anwendung widerspricht dieser allgemeinen Weisheit. Was ist, wenn die App gefährlich ist? Sicher, man lädt Mini-Apps aus demselben App-Store wie ihre Vollversionen herunter, aber das ist keine Garantie dafür, dass alles in Ordnung ist. Denn auf Google Play treiben auch bösartige Apps und Trojaner ihr Unwesen.

Die potenzielle Gefahr sollte Sie nicht überraschen: In den App-Stores wimmelt es an Millionen von Apps, die regelmäßig aktualisiert werden. Eine gängige Praxis unter Cyberkriminellen ist das Veröffentlichen einer harmlosen App, die dann mit bösartigen Funktionen aktualisiert wird. Sogar Großkonzerne wie Apple und Google haben nicht die Ressourcen, um eine so große Anzahl von Programmen mit der Lupe zu untersuchen.

Es gibt noch ein weiteres Problem. Damit Instant Apps funktionieren, werden bestimmte Startmechanismen verwendet, um das Standard-Installationsverfahren zu umgehen. Cyberkriminelle können Fehler in diesen Mechanismen ausnutzen. Im Dezember 2019 stellte der chinesische Sicherheitsforscher RonnyXing auf der Hackerkonferenz Chaos Communication Congress einen Bericht vor, in dem verschiedene praktische Möglichkeiten zum Angriff auf Instant Apps untersucht wurden.

Seine Untersuchungen zeigten, dass sie anfällig für Informationslecks, Identitätsdiebstahl, Kontodiebstahl und andere unangenehme Dinge sind. Laut RonnyXing sind bis zu 60% der Android-Geräte anfällig für diese Art von Angriffen.

Wie man die Android Instant Apps unter Kontrolle hat

Wie auch die Vollversionen der Apps auf Ihrem Handy müssen auch die Instant Apps an der kurzen Leine gehalten werden. Zumindest sollten Sie die Liste der zuletzt verwendeten Anwendungen regelmäßig überprüfen. Gehen Sie dazu in die Einstellungen, wählen Sie Google und tippen Sie auf Instant Apps. Sie können dort auch die Funktion Instant Apps deaktivieren.

Es gibt auch gute Nachrichten. Wir haben eine Technologie zum Schutz Ihres Smartphones vor bösartigen Instant Apps entwickelt und vor kurzem patentiert. Sie brauchen sich also keine Sorgen zu machen: Installieren Sie einfach Kaspersky Internet Security for Android und keine bösartigen Anwendungen, weder herkömmliche noch Instant-Apps, werden eine Gefahr für Sie darstellen.

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