So funktioniert die eSIM

24 Jan 2019

Oft kommt es vor, dass eine scheinbar jahrelang unbeachtete Technologie erst dann für Schlagzeilen sorgt, wenn sie von Apple übernommen wird. Vor rund drei Jahren haben wir auf unserem Blog bereits von der ersten Smart Watch berichtet, die die sogenannte eSIM-Technologie unterstützt; aber erst jetzt, nachdem das iPhone XR, XS und XS Max diese Technologie, die das Hinzufügen einer virtuellen SIM-Karte zu einer normalen SIM-Karte ermöglicht, unterstützt, sorgt sie für Aufsehen.

Aber wie funktioniert eine eSIM und welche Vorteile bringt sie mit sich?

Die Evolution der SIM-Karten

Die allerersten Mobiltelefone besaßen keine SIM-Karten, sondern wurden stattdessen von einem Netzbetreiber programmiert, wobei das „Benutzerkonto“ zur Netzwerkidentifikation zu dieser Zeit auf dem Gerätespeicher selbst gespeichert wurde. Im Jahr 1991 wurden SIM-Karten dann erstmals im GSM-Standard erwähnt; so wurde Nutzern mit der Einführung eines kleinen, mit einem Mikrochip gepaarten Stück Plastiks ermöglicht, ihr Telefon in jedem Netzwerk und mit jeder beliebigen Mobilfunknummer zu verwenden.

Als Telefone und Modems noch die einzigen mit dem Netzwerk verbundenen Geräte waren, gab es dagegen auch nichts einzuwenden. Denn der einzige Wandel, den SIM-Karten im Laufe der Zeit durchmachten, war, dass sie mit den Jahren zunehmend kleiner wurden: Die Mini-SIM (die wir als „normale“ SIM-Karte in Erinnerung haben) wurde durch die Mikro-SIM und dann die Nano-SIM ersetzt. Mit Letzterer wurde größentechnisch jedoch das Limit erreicht: Die Nano-SIM ist lediglich ein winziger Mikrochip mit Bond-Pads, bei dem nicht ein Milimeter überschüssiger Kunststoff verarbeitet wurde.

Im heutigen IoT-Zeitalter, mit feinsten Sensoren, Smart Watches und anderen, deutlich kleineren Geräten, ist selbst eine Nano-Sim-Karte purer Luxus. Denn mittlerweile wurde der Weg für die eSIMs, eine geräteintegrierte SIM-Karte, freigemacht.

Auf den ersten Blick scheint dies ein Schritt zurück zum programmierbaren Mobiltelefon zu sein. Doch dieser evolutionäre Mikrochip (mit Maßen von etwa 5 x 6 mm, also ein Bruchteil der Größe einer Nano-SIM) speichert nicht nur Kunden- und Vertragsdaten, sondern kann auch ferngesteuert über das Funknetz heruntergeladen werden. In der Praxis bedeutet dies, dass SIM-Karten nicht manuell in Zehntausende von Parksensoren oder Kontrollmodulen für Straßenlaternen eingesetzt oder beim Anbieterwechsel zahlreiche Karten neu angefordert werden müssen.

Mobile Kommunikation noch mobiler

Die eSIM-Technologie erweist sich allerdings nicht nur als besonders praktisch für smarte Gadgets, sondern auch für den Onlineverkauf von SIM-Karten. Anbieter sparen Geld bei Startpaketen, der Anmietung von Verkaufsflächen, Händlergebühren usw., und das zahlende Publikum spart im Gegenzug viel Zeit und Mühe, da es weder in ein Geschäft gehen noch auf ein Startpaket warten muss.

Auch für Reisende, die hohe Roaming-Kosten vermeiden möchten, ist die eSIM ideal. Es ist nämlich deutlich einfacher, den richtigen Tarif online zu wählen und direkt auf das eigene Smartphone zu laden, als in einem Geschäft im Ausland mit Händeringen zu versuchen, sich zu verständigen, wenn man der Sprache nicht mächtig ist.

Deshalb wird es keine plötzliche Umstellung auf die eSIM geben

Tatsächlich hat die eSIM-Technologie sowohl Vor- als auch Nachteile – zumindest für die Betreiber.

Natürlich gestaltet sie den Verkauf von Dienstleistungen deutlich einfacher, aber auch der Anbieterwechsel seitens der Kunden wird simplifiziert. Derzeit gibt es eine gewisse Verzögerung zwischen der Bestellung einer neuen SIM-Karte und dem Erhalt dieser Karte. Mit einer eSIM können Sie einen Aktivierungscode deutlich schneller erhalten. Das erleichtert den Anbieterwechsel zusätzlich, was den Betreibern mit Sicherheit bitter aufstößt.

Darüber hinaus sind Smartphones in den meisten westlichen Ländern vertragsbasiert, d.h. sie sind an den Anbieter gebunden, der sie verkauft hat, und arbeiten auch lediglich mit den SIM-Karten, die von diesem Netzbetreiber ausgestellt wurden. Apple unterbricht nun das gesamte Ökosystem, indem das Unternehmen den Geräteherstellern und Betreibern die Initiative zur Umsatzsteigerung via Onlineverkauf selbst überlässt.

Wo ist die eSIM nicht verfügbar?

Aber nicht nur die Netzbetreiber, sondern auch die Gesetzgeber widersetzen sich der Verbreitung der eSIM. In einigen Ländern schreibt das Gesetz vor, dass eine SIM-ID (die ausschließlich physische SIM-Karten haben) im Vertrag angegeben werden muss. Darüber hinaus sind die Anbieter in einigen Ländern dazu verpflichtet, Pass-basierte Identitätsprüfungen der Kunden durchzuführen, theoretisch kann dieses Problem jedoch leicht gelöst werden. So könnten Nutzer beispielsweise ihren Pass mithilfe eines Selfies registrieren. (Aber ja, wie auch bei anderen gestohlenen persönlichen Daten werden auch solche Selfies über das Darknet verkauft.)

Auch Einwohner von Festlandchina, einer der größten Absatzmärkte für Apple-Produkte, werden vorerst keine Chance haben, die eSIM-Technologie auszuprobieren. Laut Informationen auf Apples Website werden Modelle in China statt mit einer integrierten eSIM mit zwei Nano-SIM-Karten verkauft. Auch neue Geräte in Hongkong und Macau werden vorläufig mit zwei herausnehmbaren SIM-Karten ausgestattet. Die eSIM-Technologie ist dort lediglich auf dem iPhone XS verfügbar.

Welche Anbieter unterstützen eSIM-Karten?

Derzeit wird die eSIM für iPhones von Mobilfunkbetreibern in einer Vielzahl europäischer Länder sowie in Kanada, Katar, Singapur, Taiwan, Hongkong, Thailand, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Indien, Kuwait und den USA angeboten.

„Touristische“ SIM-Karten können auch bei den internationalen Betreibern Truphone und GigSky erworben werden. Für viele sind Reise-SIM-Karten tatsächlich die einzige Möglichkeit, die eSIM-Technologie in absehbare Zukunft auszuprobieren. In einigen Ländern, in denen die eSIM-Funktionalität unterstützt wird, stehen diese Dienste ausschließlich für Ortsansässige und auf nicht vertragsgebundenen Smartphones zur Verfügung.

Zugriff auf das Mobilfunknetz per eSIM

Die Aktivierung einer virtuellen eSIM ist kinderleicht. Der Kunde muss lediglich einen vom Netzbetreiber generierten QR-Code scannen oder die folgenden Parameter manuell eingeben: SM-DP+ (Subscription Manager Data Preparation), Serveradresse und Aktivierungscode. All das stellt der Anbieter zur Verfügung.

Auf dem SM-DP+ Server werden die entsprechenden Kundenprofile erstellt; das LPA-Programm (Local Profile Assistant) auf dem Gerät fordert dann das jeweilige Profil an und lädt es auf die eUICC (Embedded Universal Integrated Circuit Card) – den Mikrochip, auf dem das Profil verschlüsselt gespeichert wird. Die eUICC wird auch zur Netzwerkautorisierung verwendet.

Darüber hinaus können mehrere SIM-Profile gleichzeitig gehostet werden- und das mit einer Speicherkapazität von 512 KB im Vergleich zu 64 oder 128 KB bei herkömmlichen SIM-Karten. Auf diese Weise können Benutzer zwischen virtuellen SIM-Karten wechseln. Auf dem neuen iPhone erfolgt dies durch Tippen auf Einstellungen -> Mobiles Netz oder Einstellungen -> Mobile Daten.

Wie Sie sehen, ist die Aktivierung der eSIM absolut kein Problem. Wir sind der Meinung, dass Besitzer eines neuen iPhones die Technologie auf jeden Fall ausprobieren sollten. Wenn diese in Ihrem Land noch nicht unterstützt wird, können Sie die virtuelle SIM-Karte auch im Ausland erwerben.