Frag die Experten: Das große Interview

Es ist immer schön, wenn Fragen von echten Experten beantwortet werden. Und wir haben die Besten der Besten versammelt: Mitglieder des Global Research and Analysis Teams (GReAT) von Kaspersky Lab,

Es ist immer schön, wenn Fragen von echten Experten beantwortet werden. Und wir haben die Besten der Besten versammelt: Mitglieder des Global Research and Analysis Teams (GReAT) von Kaspersky Lab, der Forschungsabteilung der Firma, in der Bedrohungen aufgedeckt, analysiert und bekämpft werden, bevor sie die Anwender angreifen können.Frag die Experten

Wussten Sie, dass Kaspersky Lab täglich über 200.000 einzigartige Schadprogramme entdeckt? Da bleibt für die Spezialisten nicht viel Zeit für andere Dinge, doch wir haben Ihre Fragen zu Viren, unseren Produkten und Security-Themen weitergegeben und die Experten zu einer großen Interview-Runde versammelt:

Esperti Kaspersky

Erzählen Sie ein bisschen von der Arbeitsumgebung eines Analysten: Welches Betriebssystem, welchen Web-Browser und welche anderen Tools benutzten Sie?

Michael Molsner:

Wir sind nicht an eine bestimmte Umgebung gebunden, sondern erstellen die Arbeitsumgebung je nach Bedarf. Mein ältester Computer läuft immer noch unter Windows 2000, andere dagegen mit WinXP, Win7, CentOS, Ubuntu und FreeBSD.

Wie finden Sie Schadprogramme?

Roel Schouwenberg:

Mit mehr als 200.000 neuen Schadprogrammen, die uns täglich ins Netz gehen, geht ohne Automatisierung nichts mehr. Wir haben verschiedene Arten so genannter Crawler, die das Internet nach neuen Schadprogrammen durchsuchen. Diese Systeme besuchen Webseiten, um zu prüfen, ob diese infiziert sind, und fangen Exploits und Schädlinge. Wir betreiben auch eine Reihe von Honey Pots, etwa für E-Mail- und Netzwerk-Traffic. Wenn wir die entdeckten Schadprogramme verarbeiten, finden wir oft URLs, die zu noch mehr Schadprogrammen führen, die dann automatisch mitverarbeitet werden. Die Anti-Malware-Industrie teilt die gefunden Schadprogramme auch untereinander – wir bekommen daher auch Schadprogramm-Samples von anderen Herstellern. Nicht zuletzt erhalten wir auch Schadprogramme von „Anti-Malware-Enthusiasten“ zugesandt – sowohl von professionellen Virenjägern als auch von Kunden.

Konzentrieren sich Virenautoren auf den PC oder mobile Plattformen?

Sergey Novikov:

Malware-Autoren haben jeden im Visier, der Geld oder wertvolle Informationen hat. Und sie bevorzugen Ziele, die einfacher zu hacken sind. Bei mobilen Geräten sind die Nutzer noch etwas sorglos. Sie kümmern sich nicht um den Schutz der auf Smartphones und Tablets gespeicherten Daten. Deshalb ist es für Cyberkriminelle so praktisch, deren Sorglosigkeit auszunutzen. Bei den Plattformen sieht es folgendermaßen aus: 99 Prozent der mobilen Angriffe zielen auf Android. In der Computer-Welt dominieren nach wie vor Windows-Schadprogramme, da hier die meisten Anwender zu finden sind. Um Geld zu verdienen, versuchen Cyberkriminelle, Finanzdaten oder Logins zu E-Mail-Konten und Sozialen Netzwerken zu stehlen. All diese Daten können dann an andere Kriminelle für alle möglichen illegalen Zwecke verkauft werden. Hacker nutzen infizierte Geräte auch, um Spam-Mails zu versenden, DDoS-Attacken durchzuführen und für andere kriminelle Aktivitäten. All diese Szenarios zielen heute auf alle möglichen Plattformen:  Wir haben auch bereits Android- und MacOS-Botnetze gesehen.

Was ist die meistverbreitete Sicherheitslücke bei Smartphones?

Christian Funk:

Üblicherweise nutzen Cyberkriminelle legitime Apps als Vehikel für die Verbreitung von Schadprogrammen. Sie fügen legitimen Apps schädlichen Code hinzu und bieten diese veränderten Apps zum Download an – dabei missbrauchen sie den guten Namen der offiziellen Apps.

Welches Land ist für den „Cyberkrieg“ am besten gerüstet? Denken Sie, dass die Parteien und Regierungen in Europa sich dieser Gefahren bewusst sind und entsprechende Ressourcen einplanen?

Vicente Diaz:

Kein Land veröffentlicht Informationen zu solchen vertraulichen Themen. Allerdings weiß man, dass Amerika eines der Länder ist, die mehr Zeit in die Vorbereitung in diesem Bereich investieren. China hat ebenfalls viele Ressourcen in diesem Bereich, dann kommen technologisch hochentwickelte Länder wie Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Russland oder Israel.

Welche Art Schadprogramme gibt es für Mac OS X und wo kann ich diese herunterladen?

Sergey Novikov:

Macs unterscheiden sich von Windows-PCs in keiner Weise – es gibt Keylogger, Botnetze und andere Bedrohungen. Die Menge der Schadprogramme ist auf dem Mac noch relativ gering, wächst aber. Es stimmt allerdings nicht, dass ein Mac-Anwender ein Programm selbst starten muss, um infiziert zu werden – dasim letzten Jahr entdeckte Flashback/Flashfake-Botnetz war so groß (etwa eine Million Macs waren infiziert), da sich der Schädling über eine Java-Sicherheitslücke automatisch verteilte. Und ich werde natürlich nicht sagen, wo man Schadprogramme herunterladen kann, denn das wäre illegal.

Zahlenmäßig ist Phishing die größte Mac-Bedrohung: Gefälschte E-Mails und Webseiten. Die meisten Mac-Anwender haben etwas gemeinsam – sie nutzen eine Apple ID, um Software und Mediendateien herunter zu laden. Deshalb sind Phishing-Angriffe mit dem Thema „Wiederherstellen der Apple ID“ wahnsinnig erfolgreich. Einige Anwender geben sogar ihre Kreditkartendaten heraus, um „sich als Besitzer der Apple ID auszuweisen“ oder um „Zahlungsdetails zu aktualisieren“.

Was sollten Anwender tun, um den Schutz vor Trojanern in PDF-Dateien und anderen Anhängen zu verbessern?

Stefano Ortolani:

Diese Frage ist sehr interessant: Es gibt wirklich zahlreiche Angriffe, die PDF- und Office-Dokumente als Hauptverteilungsart nutzen und auch in Zukunft verwenden werden; leider benötigen sowohl PDF- als auch Office-Dateien sehr komplexe Programme, um immer mehr fortschrittliche Funktionen bieten zu können. Solche komplexen Programme sind aber auch fehleranfälliger, und die Fehler können durch Schadprogramme ausgenutzt werden. Abgesehen von einer zuverlässigen Antiviren-Lösung auf Ihrem Computer, würde ich folgendes raten: Verwenden Sie einen einfachen, weniger fortschrittlichen PDF-Reader (etwa den kostenlosen Sumatra PDF), denn solche Programme sind nicht nur einfacher, sondern auch weniger Anfällig für Sicherheitslücken. Natürlich hilft das nur, das Problem etwas zu mildern, und löst es nicht komplett.

Als erste Verteidigungslinie sollten Sie immer wachsam sein und niemals Dateien oder Dokumente öfnnen, deren Quelle Sienicht kennen.

Als erste Verteidigungslinie sollten Sie immer wachsam sein und niemals Dateien oder Dokumente öffnen, deren Quelle Sie nicht kennen.

Roel Schouwenberg:

Die effektivste Methode ist, jeden PDF-Reader zu deinstallieren. Wenn das nicht geht, sollten Sie auf jeden Fall immer die aktuellste Version des Adobe Reader und von Microsoft Office verwenden. Diese bieten so genannten Sandboxes, die nur schwer zu hacken sind. Und auch Windows selbst sollten Sie immer in der aktuellsten Version nutzen, denn diese enthält neue und verbesserte Schutzmaßnahmen vor Exploits. Oft wird auch empfohlen, weniger populäre Programme anstatt der bekannten Reader zu verwenden. In Bezug auf Angriffe mit den üblichen Schadprogrammen ist das hilfreich, bei zielgerichteten Attacken ist es aber leider nicht effektiv.

Ich habe bisher keine Phishing-Seite gesehen, vielleicht habe ich es aber auch nur nicht bemerkt. Deshalb möchte ich gerne wissen: Wie kann ich ohne installierte Antiviren-Software vor oder nach dem Besuch einer Webseite feststellen, ob es sich um eine Phising-Seite handelt? Und wie kann ich es feststellen, wenn eine Antiviren-Software installiert ist? Wird mich diese warnen?

Michael Molsner:

Das Surfen im Internet ohne installierte Sicherheits-Software ist heute enorm gefährlich. Und ich sage das nicht, weil ich etwas verkaufen möchte, sondern weil wir täglich eine Menge kompromittierter und infizierter, eigentlich legitimer Webseiten entdecken. Zwischen legitimen Inhalten wird oft Schadcode versteckt, der dann angreifbare Computer infiziert. Ohne optimalen Schutz werden die Besucher der Webseite ziemlich sicher infiziert – und zwar ohne überhaupt etwas anzuklicken.

Ist eine Sicherheits-Software installiert, sehen Sie Phishing-E-Mails meist gar nicht, da aktuelle Produkte neben einer Antivirus-Komponente oft auch Module zum Schutz vor anderen Gefahren und unerwünschten Inhalten bieten. Etwa 99,5 Prozent der Phishing-Mails werden dann automatisch im Papierkorb landen.

Wenn der Anwender dennoch auf einen Phishing-Link klickt, zeigen unsere Produkte zum Beispiel einen Warnhinweis an, der auf die drohende Gefahr hinweist.

Wo finde ich die meisten Phishing-Links? Kann man Webseiten von bekannten Firmen oder berühmten Blog-Seiten vertrauen? Sind Werbe-Links auf Blogs gefährlich?

Michael Molsner:

Die meisten Phishing-Links kommen per E-Mail, doch sie werden auch per Direct Message oder über Kommentarn in Foren verbreitet.

Ich zögere, bei Online-Themen den Begriff „vertrauen“ zu verwenden. Selbst Webseiten bekannter Firmen oder beliebte Blogs sind dem Risiko ausgesetzt, kompromittiert zu werden, was dazu führen kann, dass sie Schadprogramme verteilen. Das ist schon oft genug passiert und wird auch in Zukunft immer wieder passieren.

Ich sorge mich wegen dem Grücht, dass Antiviren-Hersteller selbst Viren programmieren. So tauchte zum Beispiel der erste Android-Virus auf, als die erste Antiviren-Lösung auf den Markt kam.

Vicente Diaz:
Ich möchte hier ein hypothetisches Szenario entwerfen. Wir analysieren jeden Tag etwa 200.000 Schadprogramme. Wenn Kaspersky Lab selbst neue Viren programmieren würde, würden die Anwender unsere Produkt nicht mehr nutzen. Denn wenn die Öffentlichkeit herausfinden würde, dass Kaspersky Lab das macht, könnten wir am nächsten Tag die Firma schließen.

Sie sehen also, das Gerücht ist sinnlos. Wir leben in einer Welt, in der es bereits genug Bedrohungen und Menschen gibt, die auf Kosten anderer viel Geld mit diesen Bedrohungen verdienen.

Warum braucht mein Smartphone Schutz? Ich habe in den letzten zwei Jahren keinen Virus auf meinem Smartphone gehabt. Ich denke, ich brauche dafür nur ein Prüfprogramm für Web-Links.

Sergey Novikov:

Wenn Sie noch keinen Virus auf dem Smartphone hatten, heißt das nicht, dass es keine Viren dafür gibt. Vielleicht hatten Sie nur Glück oder waren sehr vorsichtig. Es kann auch sein, dass Sie eine Infizierung einfach nicht bemerkt haben, denn die Kriminellen tun alles dafür, ihre Schadprogramme gut zu verstecken. Manche Backdoors sitzen sehr lange in infizierten Geräten, bevor sie irgendetwas tun – bis der Kriminelle sie braucht.

Es gibt aber auch noch einen anderen wichtigen Grund, den Sie bedenken sollten:Ungeschützte Geräte könnten Schädlinge an andere Computer im gleichen Netzwerk verteilen. Ihr Smartphone könnte also an einer Attacke mitwirken oder Schadprogramme verteilen, ohne dass Sie es bemerken. Deshalb muss ich sagen, dass Menschen, die keine Sicherheits-Lösungen verwenden, recht verantwortungslos sind, denn sie könnten unabsichtlich zum Teil von Cyberverbrechen werden, ohne es zu wissen.

Was macht Kaspersky-Lösungen besser als Norton oder McAfee?

David Emm:

Das ist eine schwere Frage für jemanden, der für den Hersteller arbeitet, denn ich bin natürlich zwangsläufig etwas voreingenommen. Kaspersky Lab gehört ganz klar zu den Vorreitern bei der Entwicklung von Sicherheits-Software. Das sehen Sie unter anderem an der Menge von Forschungsberichten, die wir aufwww.securelist.com veröffentlichen. Sie sehen es aber auch an der Bandbreite der vielen Schutztechnologien, die das Unternehmen selbst entwickelt, und nicht einfach zugekauft hat. Diese Technologien werden in verschiedenenBlog-Beiträgen von unserem CEO Eugene Kaspersky ausführlich erklärt. Aber unser Vorteil zeigt sich auch durch die vielen regelmäßigen Testsiege bei unabhängigen Tests, unter anderem von www.av-test.org, www.av-comparatives.org und www.anti-malware-test.com.

Wird die Behandlung von Adware geändert werden? Ich denke, man sollte sie wieder entdecken oder zumindest eine Warnung „Adware“ oder „potenziell unerwünschtes Programm“ erstellen. Derzeit werden viele dieser Programme als legal eingestuft. Für die Anwender bringt das aber ein Problem, denn normalerweise werden mit Adware noch weitere „Geschenke“ mit-installiert.

Vicente Diaz:

Programme wie Adware sind nicht immer selbst als schädlich anzusehen. Manchmal ist es sogar schwer, festzulegen, was eine schädliche Aktion ist, und was nicht. Nichtsdestotrotz ist klar, dass Adware trügerisch und für den Anwender oft irreführend ist. Blockiert werden aber schädliche Dinge, nicht nervige.Wenn zum Beispiel die Gesetze solches Verhalten von Software erlauben, benötigt man einen Zusammenschluss der Antiviren-Industrie mit den Anwendern, um zu beschließend, diese Art von Software zu blockieren. Wir wollen unsere Produkte natürlich verbessern, so dass unsere Anwender so geschützt wie nur möglich sind. Wenn wir feststellen, dass eine Adware schädliche Aktionen ausführt, blockieren wir sie.

Was empfiehlt Kaspersky Lab, um sichere Online-Transaktionen und sicheren Online-Speicher zu gewährleisten?

Christian Funk:

Online-Transaktionen sollten – wie alles mit vertraulichen Informationen – nur von vertrauenswürdigen Computern aus durchgeführt werden; nicht in Internet-Cafés oder mit Terminal-PCs. Denn Sie wissen nie genau, welche Software im Hintergrund läuft, ob Sicherheits-Programme installiert sind und ob der Computer aktualisiert wurde oder bereits mit Schadprogrammen infiziert ist. Zudem sollte die Bank-Webseite bei Transaktionen nur über Lesezeichen aufgerufen werden oder Sie tippen die Adresse selbst in den Browser ein. Klicken Sie auf keinen Fall auf Links einer Webseite oder in E-Mails, auch wenn diese angeblich von Ihrer Bank kommen. Damit stellen Sie sicher, dass Sie nicht zum Opfer eines Phishing-Betrugs werden.

Ebenso sollten Sie sicherstellen, dass alle Sicherheits-Updates für das Betriebssystem und alle auf Ihrem Computer laufenden Programme installiert wurden, bevor Sie das Online-Banking öffnen. Denn einer der wichtigsten Angriffsvektoren für Schadprogramme sind Sicherheitslücken, die von Cyberkriminellen ausgenutzt werden. Diese Sicherheitslücken sind einfache Ziele für Schadprogramme.

Banken bieten verschiedene Methoden für sicheres Online-Banking. Fragen Sie also Ihre Bank nach deren Sicherheitstipps. Neben einer aktuellen Antiviren-Software auf dem Computer sind diese Tipps für die Sicherheit wichtig und helfen Ihnen, Ihr Geld dort zu behalten, wo es hingehört: auf Ihrem Bankkonto.

Warum bieten Sie keine Sandbox mehr?

David Emm:

Wir bieten nach wie vor eine Sandbox, haben aber vor einiger Zeit den Namen der Technologie geändert: Statt „Sicherer Browser“ heißt das Modul nun „Sicherer Zahlungsverkehr“. Der neue Name passt besser zu der Art und Weise, wie unsere Kunden die Technologie verwenden: um Online-Transaktionen zu schützen. Gleichzeitig haben wir die Bedienung des Moduls einfacher gemacht. Statt die Technologie jedes Mal manuell starten zu müssen, erkennen wir nun automatisch die meisten Finanz-Webseiten und starten das Modul „Sicherer Zahlungsverkehr“ automatisch, wenn es gebraucht wird (und natürlich können Sie auch zusätzliche Webseiten hinzufügen, wenn Sie diese ebenfalls im sicheren Modus benötigen). Übrigens verwenden wir auch in unserer Scan-Engine eine Sandbox, um festzustellen, ob ein Programm gut oder böse ist.

Gibt es eine Möglichkeit, Plug-Ins, Apps und Extensions zu Kaspersky Internet Security hinzuzufügen, so dass die Anwender das Surfen im Internet einfach schützen und die Web-Kommunikation verschlüsseln können!?

David Emm:

Wir bieten eine Reihe von Erweiterungen für Internet Explorer, Chrome und Firefox:

• Anti-Banner prüft die Adressen, von denen Banner angezeigt werden

• Der Inhaltsfilter blockiert Inhalte gefährlicher oder unerwünschter URLs

• Der URL Advisor prüft die Sicherheit von URLs und zeigt zum Beispiel bei Suchergebnissen den Status der Seiten mit einer „Ampel“ an

• Das Modul für den Sicheren Zahlungsverkehr schützt Online-Transaktionen

• Die virtuelle Tastatur verhindert, dass Passwörter während der Eingabe von Keyloggern aufgezeichnet werden

Wenn ein Schadprogramm von einer Antiviren-Software über eine Signatur entdeckt werden kann, warum verwendet ein Virenautor dann so eine „Signatur“?Jede Software hat eine Signatur, doch wie klassifiziert der Antivirus die Signatur als bedrohlich oder nicht? Und was wird von Schadprogrammen manipuliert?

Roel Schouwenberg:

Eine Signatur beschreibt ein Schadprogramm, eine Familie von Schadprogrammen oder eine Art schädlicher Aktion auf einzigartige Weise.Solche Signaturen gibt es in unterschiedlicher Form. Die Entdeckung erfolgt vielleicht aufgrund des Programmcodes, der dafür verantwortlich ist, einen speziellen Algorithmus zu verwenden. Die Signatur kann aber auch so erstellt werden, dass sie ein bestimmtes Verhalten auf dem Computer erkennt. Die meisten aktuellen Signaturen sind intelligent. Wir erkennen Tausende schädlicher Dateien mit nur einer einzigen intelligenten Signatur.

Wir (entweder das automatische System oder ein menschlicher Analyst) wählen einfach, auf welche Art eine Datei entdeckt werden soll. Wenn ein Schadprogramm bestimmte Dinge tut, um die Analyse zu erschweren, ist eine Signatur auf Basis dieses Codes oder des Verhaltens eine gute Möglichkeit, so ein Schadprogramm dennoch zu entdecken. Das bedeutet, dass sich der Virenautor einen neuen Trick ausdenken muss, um die Entdeckung zu umgehen. Das ist ein endloses Katz-und-Maus-Spiel.

Wir verwenden sowohl Blacklists als auch Whitelists. Da wir eine große und laufend erweiterte Whitelist besitzen, können wir den Scan-Prozess beschleunigen, Fehlalarme verhindern und uns stärker auf Dateien konzentrieren, die wir noch nicht kennen.

Wie kann ich mich besser vor DDoS-Attacken schützen?

Roel Schouwenberg:

Das DDoS-Problem ist komplizert und es gibt leider keine einfache Lösung. DDoS-Attacken unterscheiden sich stark in ihrer Art und ihrem Ausmaß. Wenn ein Angreifer versucht, Ihren Service mit Netzwerk-Traffic zu überfluten, müssen Sie meist mit einem Provider arbeiten oder direkt zu einem Provider wechseln, der Erfahrung bei der Abwehr von DDoS-Attacken hat. Generell hilft IDS/IPS in solchen Fällen und übernimmt die Schwerstarbeit.

Sind offene Ports eine Sicherheitslücke?

Roel Schouwenberg:

Programme sind für das Öffnen von Ports zuständig. Die Frage ist daher, ob Sie den Programmen vertrauen können, wenn sie Ports öffnen. Wenn ein Port von einem Schadprogramm geöffnet wird, ist das eine Sicherheitslücke, denn solche offenen Ports werden generell als Hintertür ins System genutzt. Wenn ein legitimes Programm einen Port öffnet, ist die Frage, welcher Art das Programm ist und ob es (potenziell) einen Port benötigt, der offen in das Internet führt. Meist lautet die Antwort auf diese Frage „nein“. Deshalb ist es wichtig, eine Firewall zu nutzen, wie sie heute in den meisten Sicherheits-Lösungen integriert ist.

Schützt Ihre Android-Lösung vor dem Schadprogramm Obad?

Sergey Novikov:

Ja, das tut sie! Kaspersky Mobile Securityschützt unter anderem auch vor Obad, einem recht weit verbreitetem Schadprogramm.

Planen Sie, einen sicheren Browser als Teil von Kaspersky Internet Security zu veröffentlichen?

Sergey Novikov:

Nein, wir haben keine solchen Pläne. Unsere Expertise liegt im Bereich der Sicherheit sowie Sicherheits-Software und wir möchten nicht andere Software entwickeln. Aber wir stärken bestehende Browser mit einer kräftigen Sicherheitsebene, die unter anderem im Modul für den Sicheren Zahlungsverkehr zu finden ist.

Entwickeln Sie ein Antiviren-Programm für das Internet, das auf einem Web-Server läuft und meine Seite vor Angriffen schützt?

Sergey Novikov:

Ich wüsste nicht, dass es solche Pläne bei Kaspersky Lab gibt. Allerdings stimme ich zu, dass solche Angriffe ein großes Problem darstellen, da die meisten Entwickler – vor allem bei Low-Budget-Projekten – nicht an die Sicherheit denken. Ich kann aber ein paar einfache Tipps geben, mit denen Sie die Sicherheit Ihrer Webseite erhöhen können.Nutzen Sie lange und komplizierte Passwörter für Ihren FTP-Zugang, die Admin-Konsole und andere Server-Einstellungen. Aktualisieren Sie regelmäßig die Server-Software (inklusive Skripte, wie zum Beispiel CMS). Das ist ganz einfach, und trotzdem gibt es viele kleinere Seiten, um die sich jahrelang niemand kümmert und die nicht aktualisiert werden. Natürlich sind diese dann praktisch für Cyberkriminelle, um sie zu hacken und darüber Schadprogramme zu verteilen. Wir lösen das Problem auf Seite der Anwender, indem wir sie vor dem Besuch solcher infizierter Seiten warnen.

Wie geht man am besten mit Ransomware um?

Christian Funk:

Wenn Ihr Computer infiziert ist, sollten Sie sich eine zuverlässige und aktuelle Antiviren-Lösung holen, und das Betriebsystem, Ihren Browser sowie alle installierten Programme aktualisieren. Falls die Ransomware Ihr Nutzerkonto blockiert und Sie dadurch nicht mehr mit Ihrem Computer arbeiten können, laden Sie am besten auf einem anderen Computer unsere kostenlose Notfall-CD herunter, mit der Sie die Festplatte von außerhalb über das CD-Laufwerk und ein kleines Linux-System auf der CD scannen und säubern können. Sie enthält zudem ein Notfall-Tool, mit dem Sie das System wiederherstellen können.

Sergey Novikov:

Wir haben auch eine neue Anti-Blocker-Technologie in der kommenden Version von Kaspersky Internet Security. Sie müssen eine bestimmte Tastenkombination drücken, um einen gerade im Vordergrund laufenden Prozess (etwa eine Ransomware) zu beenden.

Ist Windows 8 sicher? Erwarten Sie Fortschritte bei der Sicherheit durch das kommende Windows 8.1?

Sergey Novikov:

Windows 8 ist in Bezug auf die Sicherheit sehr gut gestaltet worden. Wir haben es ausgiebig getestet und können sagen, dass es verglichen mit Windows 7 viel besser ist. Leider ist es unmöglich, so ein kompliziertes Produkt komplett fehlerfrei zu produzieren, so dass Hacker bereits Möglichkeiten gefunden haben, Windows 8 zu kompromittieren. Dadurch benötigt es nach wie vor Sicherheits-Software. Zur Version 8.1 kann ich leider noch nichts sagen, da sie sich noch im Beta-Stadium befindet.

Mich erschreckte, im Fernsehen russische Hacker zu sehen, die einen PC in 30 Minuten knacken konnten. Auf meinem PC ist Kaspersky-Software installiert – bin ich damit geschützt? Wenn ich dennoch vorsichtig sein muss, auf was sollte ich dann achten?

Michael Molsner:

Sie sollten nie davon ausgehen, dass Sie sicher sind, und leider gibt es keinen hundertprozentigen Schutz. Mit einer installierten Kaspersky-Lösunge ist Ihr Computer aber viel sicherer als ohne.

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