Facebook Messenger: Die neue Plattform, sie alle zu knechten

26 Mrz 2015

Laut einem bereits ein Jahr altem Bericht von Nielsen zu mobiler Technologie, haben die Anwender in verschiedenen entwickelten Märkten eines gemeinsam: Sie verbrauchen ungefähr 40 Prozent ihrer Zeit mit den Geräten für Aktivitäten auf Sozialen Netzwerken und mit Messengern. Der gleiche Bericht bringt auch Daten, die eine starke Präferenz für Apps statt Browser zeigen: Der durchschnittliche Facebook-Nutzer verbringt per App zehnmal mehr Zeit auf Mark Zuckerbergs Kreation als mit dem Browser.

f8_blogUnd auch die Tatsache, dass vier von fünf in einem Monat auf Facebook aktiven Nutzern mobil unterwegs sind, bestätigt dieses Bild. Wie sehr Sie also den Facebook Messenger hassen mögen, so ist er dennoch die wichtigste App der Firma.

Und vor einigen Tagen bekam sie eine Generalüberholung, die den mobilen Markt auf den Kopf stellen könnte: Mark Zuckerberg erlaubt nun Dutzenden beliebter Apps ganz offiziell, innerhalb des Facbeook Messengers zu arbeiten. Wir sprechen hier von 700 Millionen aktiven Nutzern, die ihre vielleicht meistgenutzte App nicht mehr verlassen müssen, um Bilder und Videos in Konversationen einzubinden. Das Umsatzpotenzial ist umwerfend.

facebook-f8-2015In diesem Fall ist Asien dem Rest der Welt meilenweit voraus: Alle beliebten Messaging-Plattformen der Region bieten bereits entsprechende, reichhaltige, eingebaute Funktionen, inklusive dem Rufen von Taxis, Online-Shopping, Zahlungsmöglichkeiten, Videos und viel mehr. Wenn Sie also denken, Mark Zuckerbergs Rede bei der f8-Konferenz von Facebook hätte revolutionäre, bisher ungehörte Ideen in die Welt gebracht, sollten Sie einmal WeChat ansehen.

Das macht Apps von Drittanbietern im Grunde zu dem, was manche schon vermutet haben: hochspezialisierte Suchmaschinen, die mit einem Tastendruck erreichbar sind. Das bringt Google auf jeden Fall in eine schwierige Position, da das Rennen um die Sozialen Netzwerke für das Unternehmen schon verloren scheint. Es ist wirklich unpraktisch, zwischen mobilen Apps umschalten zu müssen, dann Inhalte zu kopieren, wieder zur anderen App zu wechseln und schließlich die kopierten Inhalte einzufügen.

Das wird im plattformunabhängigen Stil sehr viel Geld an Google vorbeifließen lassen. Wie nah der Marktanteil von Android auch bei 100 Prozent liegen mag, so ist diese Marke doch viel einfacher für eine dominierende Messaging-Plattform zu erreichen, deren Entwickler genug Mitarbeiter hat, um sie unter jeder wichtigen Kombination aus Hardware und Software laufen zu lassen.

Die gute Nachricht für die Anwender ist, dass wenn es einen gesunden Wettbewerb gibt, sie kostenlos einen zweiten Messenger installieren können, statt ein zweites Handy kaufen zu müssen. Und Apple muss in der Zwischenzeit nur seine Kunden weiterhin von seiner Hardware begeistern – eine Frage des Marketings, des Stils und der Mode, aber auch der Technologie.

Nachdem seit Jahren das Mantra wiederholt wird, dass Software die Welt übernehmen wird, haben manche Menschen vergessen, dass diese hin und wieder auch andere, weniger profilierte Software verschluckt.