{"id":961,"date":"2013-04-23T22:30:17","date_gmt":"2013-04-23T22:30:17","guid":{"rendered":"http:\/\/kasperskydaily.com\/germany\/?p=961"},"modified":"2020-02-26T18:22:02","modified_gmt":"2020-02-26T16:22:02","slug":"virtuelle-verbrechen-reale-urteile","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kaspersky.de\/blog\/virtuelle-verbrechen-reale-urteile\/961\/","title":{"rendered":"Virtuelle Verbrechen \u2013 Reale Urteile"},"content":{"rendered":"<p>Im April gab es erneut zahlreiche Verhaftungen von Cyberkriminellen. In den meisten F\u00e4llen ging es um den Diebstahl von Geld. Interessant ist, dass die Kriminellen es vorziehen, kleinere Betr\u00e4ge von Hunderten von Kreditkarten abzubuchen, als einen gro\u00dfen Betrag von nur einer Karte. Sie hoffen, dadurch unbestraft davon zu kommen, da der Schaden in jedem einzelnen Fall relativ gering ist. Allerdings werden wir sehen, dass diese Hoffnung umsomst ist, denn tausend gestohlene Dollar bringen einen genauso ins Gef\u00e4ngnis wie eine Million gestohlene Dollar.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/media.kasperskydaily.com\/wp-content\/uploads\/sites\/96\/2013\/04\/06145627\/top5_title_DE.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-963\" alt=\"top5_title_DE\" src=\"https:\/\/media.kasperskydaily.com\/wp-content\/uploads\/sites\/96\/2013\/04\/06145627\/top5_title_DE.png\" width=\"640\" height=\"420\"><\/a><\/p>\n<h3>Piraten des 21. Jahrhunderts<\/h3>\n<p>In Filmen werden Piraten vielleicht als romantische Helden dargestellt, doch Ihr Verm\u00f6gen haben sie durch Diebstahl erlangt, und daran hat sich bis heute nichts ge\u00e4ndert. In Schweden wurde einer der Mitgr\u00fcnder von Pirate Bay, einem bekannten Torrent-Portal, angeklagt. Und diesmal ging es in der Klage gegen Gottfrid Svartholm Warg nicht um Urheberrechtsverletzungen, sondern um das Hacken von IBM-Mainframes, von denen einer der Steuerberatungsfirma Logica Co. geh\u00f6rte, die auch f\u00fcr die schwedische Regierung arbeitet , ein anderer Mainframe stand dagegen bei der Nordea-Bank. Der Staatsanwalt Henrik Olin sagte, der Vorfall sei der gr\u00f6\u00dfte Hacker-Einbruch in der schwedischen Geschichte. Die Beute der Cyberkriminellen war allerdings bescheiden. Zwar legten sie Transaktionen mit \u00fcber 900.000 Dollar (etwa 690.000 Euro) an, davon war aber nur eine erfolgreich. Diese brachte den Gaunern 4.300 Dollar (etwa 3.300 Euro) ein. Gleichzeitig wurden aber auch viele private Informationen von Logica gestohlen, inklusive Versicherungsnummern und Informationen \u00fcber versicherte Autos. Bisher ist nicht klar, wie die Kriminellen diese Informationen nutzen wollten, doch auf dem Schwarmarkt gibt es daf\u00fcr immer eine hohe Nachfrage.<\/p>\n<p>Interessanterweise wurde Svartholm Warg schon fr\u00fcher bei Verhandlungen gegen Pirate Bay verurteilt und war nach Kambodscha geflohen, um der Strafe zu entgehen. Er wurde im September 2012 verhaftet und an Schweden ausgeliefert. Da die Untersuchungen noch andauern, sammeln sich immer mehr Anklagepunkte gegen ihn.<\/p>\n<h3>Millionen Kreditkarten<\/h3>\n<p>In Washington DC ging der Prozess gegen einen bekannten Carder zu Ende. Vladislav Khorokhorin, 30, wurde zu sieben Jahren und vier Monaten Haft verurteilt, nachdem er Kreditkartennummern gestohlen und verkauft hat. Laut dem US Department of Justice hat er damit wortw\u00f6rtlich Millionen von Kreditkarten gestohlen. Neben dem Verkauf der Kartendaten an andere Kriminelle, hat Khorokhorin, der die russische, ukrainische und israelische Staatsb\u00fcrgerschaft besitzt, die Karten auch selbst benutzt. Bei einem Vorfall hat er mit gef\u00e4lschten Duplikaten der Kreditkarten \u00fcber 120.000 Dollar (etwa 92.000 Euro) aus Geldautomaten in Moskau gestohlen. Die US-Beh\u00f6rden haben Khorokhorin lange gejagt, doch er konnte sich in Moskau verstecken. Im Jahr 2010 reiste er nach Monaco und wurde am Flughafen von Nizza verhaftet. W\u00e4hrend er in franz\u00f6sischer Haft sa\u00df, verhinderte Khorokhorin die Auslieferung an die USA immer wieder und verkaufte Immobilien im Wert von etwa f\u00fcnf Millionen Dollar, um seine Rechtsanwaltskosten zu begleichen. Allerdings war das umsonst, und die Haft in den USA wurde f\u00fcr ihn zur bitteren Realit\u00e4t.<\/p>\n<h3>Landlust<\/h3>\n<p>Leider sind auch cyberkriminelle Studenten nichts Neues f\u00fcr die Polizei. In Akademgorodok, einer Universit\u00e4tsgegend in Novosibirsk, wurde ein 22-j\u00e4hriger Student verhaftet, der verd\u00e4chtigt wird, die Daten von sechs Kreditkarten gekauft und daraus gef\u00e4lschte Karten hergestellt zu haben, mit denen er in den L\u00e4den der Gegend einkaufte. Er soll 50.000 Rubel (etwa 1.200 Euro) von den Konten der Opfer gestohlen haben, bevor ausl\u00e4ndische Banken die Karten blockierten. Dieses Verbrechen ist in seinem Ausma\u00df, dem Erfindungsreichtum oder der verwendeten Technologie nicht besonders herausragend, kann dem Studenten aber dennoch 10 Jahre Gef\u00e4ngnis einbringen. F\u00fcr diese Art der Kriminalit\u00e4t setzen die russischen Gerichte die Strafen allerdings oft zur Bew\u00e4hrung aus \u2013 ein weiterer Grund daf\u00fcr, warum Cyberkriminelle m\u00f6glichst versuchen, im Land zu bleiben.<\/p>\n<h3>Sorgloses Speichern kostet Millionen<\/h3>\n<p>Im ukrainischen Sewastopol wurde ein Hacker verhaftet, der eine Million Hrywnja (etwa 93.000 Euro) von einer gemeinn\u00fctzigen Organisation gestohlen haben soll. Durch die Infizierung eines Buchhaltungs-PCs mit einer Schadsoftware erlangte der Kriminelle Zugang zum System und entdeckte, dass die Zugangsdaten zum Online-Banking \u2013 entgegen den normalen Banking-Regeln \u2013 inklusive Passwort in \u00f6ffentlich zug\u00e4nglichen Dateien gespeichert waren. Damit hatte er alles, was er f\u00fcr den Diebstahl brauchte. Die ukrainische Polizei blockierte das Konto sofort und buchte das Geld zur\u00fcck, der Kriminelle muss nach ukrainischem Recht nun mit bis zu f\u00fcnf Jahren Haft rechnen.<\/p>\n<p>Leider ist solche Sorglosigkeit beim Umgang mit vertraulichen Daten nicht ungew\u00f6hnlich, deshalb weisen wir wieder einmal darauf hin, dass <a href=\"https:\/\/www.kaspersky.com\/blog\/securing-your-passwords-with-pure-3-0\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Passw\u00f6rter sicher gespeichert werden m\u00fcssen <\/a>und auf allen Computern <a href=\"https:\/\/www.kaspersky.com\/products\/home\/internet-security\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">eine zuverl\u00e4ssige Antiviren-L\u00f6sung installiert sein sollte<\/a>.<\/p>\n<h3>Mit Security treibt man keine Scherze<\/h3>\n<p>Mitglieder der Hackergruppe LulzSec, die am Hacking des Sony PlayStation Network und anderer Ressourcen des Unternehmens beteiligt waren, stehen immer noch vor Gericht. Bei den Einbr\u00fcchen wurden die privaten Daten von etwa 100 Millionen Spielern gestohlen und Sony musste das Spielenetzwerk nach den Angriffen einen Monat lang schlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Einer der Angeklagten, der 25-j\u00e4hrige Cody Andrew Kretzinger, wurde f\u00fcr die Teilnahme am kleineren Hacking-Angriff auf Sony Pictures verurteilt. Er steht f\u00fcr ein Jahr unter Hausarrest, muss 100 Stunden Sozialarbeit leisten und \u00fcber 600.000 Dollar (etwa 460.000 Euro) Strafe zahlen. Der ebenfalls angeklagte Rinaldo Riveire wird im Mai vor Gericht stehen und muss mit bis zu 15 Jahren Gef\u00e4ngnis rechnen.<\/p>\n<h3>Der wei\u00dfrussische Zeus<\/h3>\n<p>W\u00e4hrend die vielschichtige Schadsoftware Zeus, die f\u00fcr den Zugriff auf Online-Banking-Daten entwickelt wurde, bei Hackern langsam aus der Mode kommt, werden sich die Gerichte noch lange mit den damit begangenen Delikten besch\u00e4ftigen m\u00fcssen. In Wei\u00dfrussland wurde ein Fall an den Staatsanwalt \u00fcbergeben, nachdem ein Einwohner von Minsk beschuldigt wurde, den Trojaner benutzt zu haben, um die Bankdaten von Opfern in Frankreich, Italien und Osteuropa zu stehlen und anschlie\u00dfend Geld von den entsprechenden Konten auf sein eigenes Konto zu transferieren. Laut den Untersuchungen hat er insgesamt 20.000 Euro gestohlen. Der Beschuldigte ist derzeit in Untersuchungshaft, sein Besitz wurde beschlagnahmt.<\/p>\n<h3>Social Engineering<\/h3>\n<p>Eine f\u00fcr Hacker recht hilfreiche Zeus-Funktion ist die F\u00e4higkeit, neben PC-Passw\u00f6rtern auch einmalige SMS-Passw\u00f6rter von Smartphones zu stehlen. Die Funktion ist nicht so leicht anzuwenden und garantiert keinen Erfolg. Deshalb versuchte es ein russischer Cyberkrimineller aus Tolyatti mit einem komplexerem Betrug. Er verwendete den Carberp-Trojaner, um sich in den Login-Prozess des Online-Bankings f\u00fchrender russischer Banken einzuschalten, und dabei die Telefonnummern, Login-Namen und Passw\u00f6rter der Opfer auszuspionieren. Dadurch konnte er eine Kopie der SIM-Karte der Opfer von den Mobilfunkanbietern anfordern und bei der Bank SMS-Best\u00e4tigungen einrichten. Obowhl der Betr\u00fcger damit die Informationen von 5.000 Bankkunden erhielt, kam es nur zu wenigen erfolgreichen Diebst\u00e4hlen. Bisher ist das Ausma\u00df des Betrugs nicht ver\u00f6ffentlicht worden, doch <a href=\"https:\/\/threatpost.com\/prolific-russian-bank-fraud-scheme-halted\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">manchen Quellen zufolge<\/a> soll es sich um bis zu eine Million Rubel (etwa 24.300 Euro) handeln.<\/p>\n<p>Um all diese Verhaftungen Wirklichkeit werden zu lassen, sind <a href=\"https:\/\/www.kaspersky.ru\/blog\/rassledovanie-kiberprestuplenij-vzglyad-iznutri\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">aufw\u00e4ndige Untersuchungen erforderlich<\/a>, inklusive der Analyse von Schadprogrammen, der Suche sowie Neutralisierung von Administrations-Servern der Cyberkriminellen und \u2013 am wichtigsten \u2013 das Aufsp\u00fcren der Cyberkriminellen selbst, die alles tun, um m\u00f6glichst weit weg von ihrem Wohnort zu operieren. Gl\u00fccklicherweise macht es <a href=\"https:\/\/eugene.kaspersky.ru\/2013\/03\/20\/oppa-k-nam-priexal-interpol\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">eine neue internationale Kooperation <\/a>m\u00f6glich, Kriminelle sogar in solch komplexen F\u00e4llen zu bestrafen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im April gab es erneut zahlreiche Verhaftungen von Cyberkriminellen. In den meisten F\u00e4llen ging es um den Diebstahl von Geld. 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