{"id":867,"date":"2013-03-29T22:00:09","date_gmt":"2013-03-29T22:00:09","guid":{"rendered":"http:\/\/kasperskydaily.com\/germany\/?p=867"},"modified":"2019-11-22T12:46:06","modified_gmt":"2019-11-22T10:46:06","slug":"facebook-gefallt-mir-plaudert-den-charakter-und-die-interessen-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kaspersky.de\/blog\/facebook-gefallt-mir-plaudert-den-charakter-und-die-interessen-aus\/867\/","title":{"rendered":"Facebook: &#8218;Gef\u00e4llt mir&#8216; plaudert den Charakter und die Interessen aus"},"content":{"rendered":"<p>Der Gef\u00e4llt-Mir-Button von Facebook bettelt f\u00f6rmlich darum, angeklickt zu werden. Es ist ganz leicht, bei einem harmlosen Beitrag \u201egef\u00e4llt mir\u201c zu sagen, oder ein paar \u201eLikes\u201c an eine Band, eine politische oder soziale Organisation, oder f\u00fcr die neuesten Memes im Sozialen Netzwerk zu senden. Doch selbst die Facebook-Anwender, die sich wirklich um ihre Privatsph\u00e4re k\u00fcmmern, k\u00f6nnen Privates preisgeben, wenn sie etwas stillschweigend unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Forscher des Psychometrics Centre der University of Cambridge in Gro\u00dfbritannien haben das Facebook-Verhalten von 58.000 Freiwilligen analysiert, vor allem ihre Gef\u00e4llt-mir-Angaben. Diese Daten wurden zusammen mit einem demografischen Profil und den Ergebnissen weiterer freiwilliger psychometrischer Tests ausgewertet, so dass die Forscher sehr genau verschiedene Charaktereigenschaften voraussagen konnten \u2013 von der Rasse \u00fcber die sexuelle Orientierung bis zu politischen \u00dcberzeugungen und noch viel mehr.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse der Studie befeuern die Privatsph\u00e4re-Diskussion dar\u00fcber, wie pers\u00f6nliche Daten online geteilt werden, und wie sie gesch\u00fctzt werden sollten. Services wie Facebook und Google erfassen bereits Massen an pers\u00f6nlichen Informationen, um zielgerichtete Werbung auf Webseiten anzeigen zu k\u00f6nnen und Marketing-Kampagnen zu unterst\u00fctzen. In extremen F\u00e4llen, k\u00f6nnen Hacker und Kriminelle, die mit Identit\u00e4ten, Zahlungsdaten und anderen privaten Informationen handeln, solche Daten verwenden, um Firmen, Beh\u00f6rden, Fabriken, das Milit\u00e4r, Verteidigungsanlagen und andere sensible Bereiche anzugreifen. Die Konsequenzen liegen irgendwo zwischen Identit\u00e4tsdiebstahl, einem leerger\u00e4umten Bankkonto und dem Verlust von geistigem Eigentum und Milit\u00e4rgeheimnissen.<\/p>\n<p>\u201eDie gute Verf\u00fcgbarkeit umfangreicher Aufzeichnungen individuellen Verhaltens zusammen mit dem Wunsch, mehr \u00fcber Kunden und B\u00fcrger heruaszufinden, stellt eine enorme Herausforderung f\u00fcr die Privatsph\u00e4re und den Besitz von Informationen dar\u201c, schrieben die Forscher Michal Kosinski, David Stillwell und Thore Graepel in ihrem Artikel. \u201ePrivate Charaktereigenschaften und Merkmale k\u00f6nnen aus digitalen Aufzeichnungen des menschlichen Verhaltens vorhergesagt werden. Menschen entscheiden sich vielleicht dazu, bestimmte Informationen aus ihrem Leben nicht preiszugeben, etwa die sexuelle Orientierung oder das Alter, und trotzdem k\u00f6nnen diese Informationen eventuell in statistischem Sinne aus anderen Aspekten ihres Lebens, die sie ver\u00f6ffentlichen, vorhergesagt werden.\u201c<\/p>\n<p>Die Forscher aus Cambridge entwickelten eine App mit dem Namen myPersonality, die die Gef\u00e4llt-mir-Angaben mit Linearer Regression analysierte und mit den zur Verf\u00fcgung gestellten demographischen Daten verglich. In 88 Prozent der F\u00e4lle, konnte die App die sexuelle Orientierung von M\u00e4nnern korrekt vorhersagen. Die App lag zudem in 95 Prozent aller F\u00e4lle bei der Rasse, und in 85 Prozent der F\u00e4lle bei der politischen Einstellung richtig.<\/p>\n<p>Private Daten sind ein gro\u00dfes Gesch\u00e4ft, und sogar so etwas eigentlich relativ unschuldiges wie eine Gef\u00e4llt-mir-Angabe bei Facebook kann die pers\u00f6nliche Privatsph\u00e4re und Sicherheit gef\u00e4hrden. Vor kurzem nutzte die US-amerikanische Supermarktkette Target die Daten ihrer Kunden, um Schwangerschaften vorauszusagen und den entsprechenden Kundinnen zielgerichtete Werbung f\u00fcr Vitamine und Schwangerschaftskleidung zu schicken. W\u00e4hrend das vom Marketingstandpunkt aus gesehen sehr genial ist, kann die Enth\u00fcllung einer Schwangerschaft f\u00fcr ein unverheiratetes Paar in manchen Kulturen, in denen dies nicht erlaubt ist, sogar gef\u00e4hrlich sein, so der Forschungsbericht weiter.<\/p>\n<p>\u201eWie dieses Beispiel zeigt, kann die Vorhersage pers\u00f6nlicher Informationen \u2013 um Produkte, Services und die Werbung zu verbessern \u2013 zu einem gef\u00e4hrlichen Eindringen in die Privatsph\u00e4re werden\u201c, so der Bericht.<\/p>\n<p>Facebook ist dabei in einer einzigartigen Position, denn hier sind die Anwender das Produkt. Die Firma verkauft Werbung basierend auf dem Anwenderverhalten auf der Seite und hat Tools und Services entwickelt, die ihr dabei helfen, die Daten noch weitgehender zu analysieren. Ein Beispiel ist die neue Suchfunktion<a href=\"https:\/\/threatpost.com\/en_us\/blogs\/facebook-graph-search-mines-potentially-rich-data-phishers-attackers-012813\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\"> Graph Search<\/a>, die es den Anwendern erm\u00f6glicht, Suchanfragen in dem Sozialen Netzwerk sehr eng zu definieren. Anders gesagt, kann man damit Individuen finden, die f\u00fcr eine bestimmte Firma arbeiten, in einer bestimmten Stadt leben, einer bestimmten Arbeit nachgehen oder ein bestimmtes Hobby haben. Je nachdem, welche Motivation dahintersteckt, k\u00f6nnen die dadurch erhaltenen Daten ziemlich unschuldig sein. Doch manche Sicherheitsexperten werden dabei nerv\u00f6s, denn Identit\u00e4tsdiebe oder staatliche Hacker haben damit eine weitere Waffe in ihrem Arsenal, mit der sie zielgerichtete Attacken gegen Firmen und andere Organisationen durchf\u00fchren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u201eDie Vorhersage individueller Eigenschaften aus digitalen Aufzeichnungen des Verhaltens k\u00f6nnte betr\u00e4chtliche negative Auswirkungen haben, denn sie kann ganz einfach auf eine gro\u00dfe Menge Menschen angewandt werden, ohne deren individuelle Zustimmung zu haben und ohne dass sie es je erfahren\u201c, wird im Forschungsbereicht das Problem erl\u00e4utert. \u201eFirmen, Beh\u00f6rden oder sogar die eigenen Facebook-Freunde k\u00f6nnen bestimmte Software nutzen, um Daten wie Intelligenz, sexuelle Orientierung und politische Ansichten abzuleiten, die eigentlich nicht zum Teilen gedacht waren. Man kann sich leicht Situationen vorstellen, in denen solche Vorhersagen \u2013 selbst wenn sie falsch sind \u2013 f\u00fcr einzelne Personen gef\u00e4hrlich werden oder sogar ihre Freiheit und ihr Leben bedrohen k\u00f6nnen. Durch die laufend wachsende Zahl digitaler Spuren, die die Menschen hinterlassen, wird es f\u00fcr den Einzelnen schwer, zu kontrollieren, welche dieser Eigenschaften ver\u00f6ffentlicht werden.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Gef\u00e4llt-Mir-Button von Facebook bettelt f\u00f6rmlich darum, angeklickt zu werden. 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