{"id":5566,"date":"2015-06-15T08:13:26","date_gmt":"2015-06-15T08:13:26","guid":{"rendered":"http:\/\/kasperskydaily.com\/germany\/?p=5566"},"modified":"2017-05-18T13:10:26","modified_gmt":"2017-05-18T13:10:26","slug":"telegraph-grandpa-of-internet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kaspersky.de\/blog\/telegraph-grandpa-of-internet\/5566\/","title":{"rendered":"Der Gro\u00dfvater des Internet: Am Anfang des Informationszeitalters"},"content":{"rendered":"<p>Immer, wenn davon gesprochen wird, wie die gro\u00dfe Revolution in der Daten\u00fcbertragung und die Prinzipien der Informationssicherheit vom Internet ausgel\u00f6st wurden, sollten Sie eines bedenken: Es gab schon vorher Revolutionen, die genau so wichtig waren wie das Internet. Viele sprechen in diesem Fall vom Buchdruck, andere erw\u00e4hnen Radio oder Fernsehen.<\/p>\n<p>Allerdings w\u00e4re es fairer, in diesem Zusammenhang den Telegraphen zu nennen. Der Telegraph war die erste Technologie, die eine direkte Daten\u00fcbertragung erm\u00f6glichte und der elektrische Telegraph nutzte daf\u00fcr zum ersten Mal ein elektrisches Signal.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" src=\"https:\/\/media.kasperskydaily.com\/wp-content\/uploads\/sites\/96\/2015\/06\/06133700\/telegraph-1.jpg\" alt=\"\" width=\"1280\" height=\"1029\"><\/p>\n<p>Heute mag das seltsam erscheinen, doch die M\u00f6glichkeit, die Daten\u00fcbertragung radikal schneller zu machen, wurde nicht sofort freudig angenommen. Telegraphenfirmen mussten viel Zeit und Geld investieren, um ihren Zeitgenossen den gro\u00dfen Wert ihrer neuen L\u00f6sung zu beweisen.<\/p>\n<p>Doch vor welchen Sicherheitsproblemen standen die Menschen im goldenen Zeitalter des Telegraphen? Welche Ph\u00e4nomene l\u00f6ste der Telegraph damals aus? Und welche davon sind f\u00fcr uns heute immer noch aktuell?<\/p>\n<h3>1. Kommunikationsanbieter und staatliche \u00dcberwachung<\/h3>\n<p>Eine Nachricht war nicht mehr an die Papierform gebunden. Ihr Inhalt wurde fl\u00fcchtig, denn man kann Signale nicht in die Tasche stecken. Gleichzeitig konnte sie aber auf beiden Seiten des Drahts physikalisch aufgenommen werden \u2013 als Lieferbenachrichtigung und geschriebene Nachricht.<\/p>\n<div class=\"pullquote\">Damals tauchte die neue Voraussetzung auf, die wir dank SORM und PRISM so gut kennen: Manche L\u00e4nder zwangen die Telegraphenfirmen dazu, den Nachrichtenverlauf aufzubewahren.<\/div>\n<p>Damals wurde auch das Konzept des \u201eKommunikationsanbieters\u201c (einem Anbieter, der Zugriff auf die Kommunikation der Kunden hat) geboren. Nat\u00fcrlich gab es davor schon die normale Post, bei der die Postbeh\u00f6rden ebenfalls potenziell Zugriff auf die Nachrichten der Kunden hatten, doch die Postangestellten mussten die Nachrichten nicht lesen, damit der Service funktionierte. Beim Telegraphen war dies unumg\u00e4nglich.<\/p>\n<p>Damals tauchte die neue Voraussetzung auf, die wir dank SORM und PRISM so gut kennen: Manche L\u00e4nder zwangen die Telegraphenfirmen dazu, den Nachrichtenverlauf aufzubewahren, so dass dieser im Notfall von der Polizei gelesen werden konnte.<\/p>\n<h3>2. Abh\u00f6ren und Steganografie<\/h3>\n<p>Ben\u00f6tigte man f\u00fcr das Lesen eines geschriebenen Briefs, ohne Spuren zu hinterlassen, einiges Geschick, so war das Telegraphenkabel pr\u00e4destiniert f\u00fcr geheimes Abh\u00f6ren. In den fr\u00fchen Tagen des Telegraphen <a href=\"https:\/\/www.kaspersky.com\/blog\/cameron-against-encryption\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">verboten Regierungen die Verschl\u00fcsselung<\/a>, was zur Entwicklung der Steganografie f\u00fchrte, bei der Nachrichten in einen unverd\u00e4chtig aussehenden Text verschl\u00fcsselt wurden.<\/p>\n<p>Solche Nachrichten verwendeten sowohl erweiterte Signale (etwa \u201eSir, Ihr Gep\u00e4ck und Tartan-Stoff warten am Bahnhof auf sie\u201c, wobei \u201eTartan\u201c f\u00fcr den Namen des Pferdes stand, das das Derby im Jahr 1840 gewonnen hat) sowie weitere hochentwickelte Maschen.<\/p>\n<p>So gab es zur Zeit des optischen Semaphor-Telegraphen F\u00e4lle, in denen Banker einen Telegraphenmitarbeiter bestochen, bestimmte Schreibfehler im Text zu lassen, um eine verschl\u00fcsselte Nachricht \u00fcber Trends an der B\u00f6rse \u00fcbermitteln zu k\u00f6nnen. Die Banker \u00fcberwachten auch die Telegraphenverbindung von Paris nach Toulouse, um die kritischen Informationen sowohl verschl\u00fcsselt, als auch komplett \u201edrahtlos\u201c zu bekommen. Die gute alte Zeit \u2013 damals war das noch so einfach.<\/p>\n<h3>3. \u201eHacker\u201c gegen Polizei: Wettr\u00fcsten<\/h3>\n<p>Heute gibt es viele Geschichten \u00fcber \u201eHacker\u201c, die erfolgreich die unwahrscheinlichsten Sicherheitsl\u00fccken ausnutzen, oder \u00fcber Kriminelle, die nicht aufpassen, ihre \u201edigitalen Fingerabdr\u00fccke\u201c hinterlassen und geschnappt werden.<\/p>\n<p>Mit dem Telegraphen mussten sich die Menschen erst daran gew\u00f6hnen, dass jede Nachricht sofort \u00fcber lange Entfernungen \u00fcbertragen werden konnte. Die oben erw\u00e4hnte Geschichte mit dem \u201eTartan\u201c ist ein faszinierender Fall \u2013 nicht nur wegen der Chiffre, die dabei genutzt wurde. Die Buchmacher dachten nicht einmal an die M\u00f6glichkeit, dass Informationen rasend schnell mit dem Telegraphen \u00fcbertragen werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" src=\"https:\/\/media.kasperskydaily.com\/wp-content\/uploads\/sites\/96\/2015\/06\/06133659\/telegraph-2.jpg\" alt=\"\" width=\"1280\" height=\"943\"><\/p>\n<p>Genau wie heute, half die neue Technologie sowohl Betr\u00fcgern als auch der Polizei. Einer der F\u00e4lle, der die Gouverneure sehr beeindruckte und sie dazu motivierte, den Telegraphen gro\u00dffl\u00e4chig einzuf\u00fchren, war die einfache Festnahme eines Zugr\u00e4ubers.<\/p>\n<p>Das Ganze lief recht elegant ab: Der Dieb wurde gleich am n\u00e4chsten Bahnhof geschnappt, da die Nachricht des Diebstahls per Telegraph \u00fcbermittelt worden war. Davor hatten die Polizei oder die Bahngesellschaft keine M\u00f6glichkeit, eine Nachricht schneller als der Zug f\u00e4hrt zu \u00fcbermitteln.<\/p>\n<h3>4. Der Bin\u00e4rcode<\/h3>\n<p>Nach einigem Hin und Her nutzte der Telegraph \u00fcberall den Morsecode, der auf kurzen und langen Signalen basiert (Punkte und Striche), um Buchstaben und Zahlen zu codieren. Das waren im Grunde die \u201eNullen\u201c und \u201eEinsen\u201c der damaligen Zeit.<\/p>\n<p>Doch der Morsecode basierte nicht auf dem bin\u00e4ren System und \u00fcberlebte die Migration von analoger auf digitale Kommunikation nicht. Doch er pr\u00e4gte das Prinzip, einfache und leicht zu unterscheidende Signale zur Codierung von Nachrichten zu verwenden.<\/p>\n<p>Es reichte, die Eigenschaften, M\u00f6glichkeiten und Logik des bin\u00e4ren Systems zu verstehen, um die Grundlage der heutigen Computerprinzipien zu schaffen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" src=\"https:\/\/media.kasperskydaily.com\/wp-content\/uploads\/sites\/96\/2015\/06\/06133659\/telegraph-3.jpg\" alt=\"\" width=\"1280\" height=\"869\"><\/p>\n<h3>5. Speicherung der Nachrichten<\/h3>\n<p>In den 1870er Jahren, als die Regierung ihr Verbot der Verschl\u00fcsselung lockerte, tauchten so genannte \u201ekommerzielle Chiffren\u201c auf. Im Grunde handelte es sich dabei nur um W\u00f6rterb\u00fccher mit Codew\u00f6rtern f\u00fcr bestimmte Kombinationen, Phrasen oder sogar S\u00e4tze.<\/p>\n<p>Solche Chiffren wurden von bestimmten Organisationen oder Firmen erstellt, um f\u00fcr die eigene Kommunikation genutzt zu werden, wurden aber auch \u00f6ffentlich verkauft. Sie garantierten keinen Schutz vor dem Abh\u00f6ren, halfen aber dabei, Nachrichten weniger offensichtlich zu machen und deren Mitlesen f\u00fcr andere zu erschweren.<\/p>\n<p>Doch da Codew\u00f6rter oft erfunden waren oder eine zuf\u00e4llige Buchstabenkombination darstellten, machten die Telegraphenmitarbeiter oft Fehler. Im Jahr 1887 schickte ein Mann die folgende Nachricht an seinen Gesch\u00e4ftspartner: \u201eKaufte alle Arten von Wolle, 50.000 Pfund\u201c, die codiert \u201eBAY ALL KINDS QUO\u201c lautete. Der Telegraph machte aber einen Fehler und ersetzte unabsichtlich einen Buchstaben, so dass die geschickte, codierte Nachricht \u201eBUY ALL KINDS QUO\u201c lautete, was auf der anderen Seite als \u201eKauf alle Arten von Wolle, 50.000 Pfund\u201c interpretiert wurde.<\/p>\n<p>Als der Fehler entdeckt wurde, mussten die Gesch\u00e4ftspartner schnell ihren \u00dcberschuss verkaufen; die Preise fielen und die Gesch\u00e4ftsleute verloren viel Geld. Ihre Klage gegen die Telegraphenfirma hatte keinen Erfolg. Die einzigen Kosten, die sie zur\u00fcckbekamen, waren die Kosten des Telegramms. Beim Versuch, den Verantwortlichen zu finden, ging der Fall sogar vor das Oberste Gericht.<\/p>\n<p>Um solche Nachrichten auf Fehler zu pr\u00fcfen, wird eine Pr\u00fcfsumme verwendet: Sie hilft dabei, festzustellen, ob sich zwei Dateien gleichen. Damals verlangten die Telegraphenfirmen einen zus\u00e4tzlichen Betrag f\u00fcr die Pr\u00fcfung, ob die abgesendete und Empfangene Nachricht gleich waren.<\/p>\n<blockquote class=\"twitter-pullquote\"><p>So beeinflusste der Telegraph die moderne IT-Infrastruktur und die IT-Sicherheit<\/p><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fkas.pr%2F2EMs&amp;text=So+beeinflusste+der+Telegraph+die+moderne+IT-Infrastruktur+und+die+IT-Sicherheit\" class=\"btn btn-twhite\" data-lang=\"en\" data-count=\"0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Tweet<\/a><\/blockquote>\n<p>Die letzte Telegraphenfirma, die eine traditionelle \u201eelektrische\u201c Infrastruktur verwendete, war die indische BSNL, die erst im Jahr 2013 geschlossen wurde. Die amerikanische Western Union h\u00f6rte bereits einige Zeit vorher auf, Telegramme zu verschicken. Und der Telegraph b\u00fc\u00dfte seine Rolle als kritische Kommunikationsinfrastruktur schon lange vorher ein.<\/p>\n<p>Dennoch sind seine fr\u00fchere Rolle und die daraus gezogenen Lehren ein wichtiger Beitrag f\u00fcr die moderne Welt. Tom Standage, dessen Buch wir f\u00fcr diesen Artikel zu Rate gezogen haben, nennt den Telegraphen daher auch <a href=\"https:\/\/tomstandage.wordpress.com\/books\/the-victorian-internet\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">\u201edas viktorianische Internet\u201c<\/a> und das aus gutem Grund.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Telegraph war die erste Technologie, die direkte Langstreckenkommunikation m\u00f6glich machte. Damals wurden bereits viele Dinge entwickelt, die sp\u00e4ter IT-Infrastrukturen pr\u00e4gen sollten.<\/p>\n","protected":false},"author":40,"featured_media":5568,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[968,1523,1522,1653,1524,156],"class_list":{"0":"post-5566","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-news","8":"tag-geschichte","9":"tag-information","10":"tag-kommunikation","11":"tag-security","12":"tag-telegraph","13":"tag-verschlusselung"},"hreflang":[{"hreflang":"de","url":"https:\/\/www.kaspersky.de\/blog\/telegraph-grandpa-of-internet\/5566\/"},{"hreflang":"en-ae","url":"https:\/\/me-en.kaspersky.com\/blog\/telegraph-grandpa-of-internet\/4923\/"},{"hreflang":"en-us","url":"https:\/\/usa.kaspersky.com\/blog\/telegraph-grandpa-of-internet\/5452\/"},{"hreflang":"es-mx","url":"https:\/\/latam.kaspersky.com\/blog\/telegraph-grandpa-of-internet\/5641\/"},{"hreflang":"es","url":"https:\/\/www.kaspersky.es\/blog\/telegraph-grandpa-of-internet\/6273\/"},{"hreflang":"it","url":"https:\/\/www.kaspersky.it\/blog\/telegraph-grandpa-of-internet\/6207\/"},{"hreflang":"ru","url":"https:\/\/www.kaspersky.ru\/blog\/telegraph-grandpa-of-internet\/8106\/"},{"hreflang":"x-default","url":"https:\/\/www.kaspersky.com\/blog\/telegraph-grandpa-of-internet\/9034\/"},{"hreflang":"pt-br","url":"https:\/\/www.kaspersky.com.br\/blog\/telegraph-grandpa-of-internet\/5431\/"},{"hreflang":"ja","url":"https:\/\/blog.kaspersky.co.jp\/telegraph-grandpa-of-internet\/7928\/"},{"hreflang":"ru-kz","url":"https:\/\/blog.kaspersky.kz\/telegraph-grandpa-of-internet\/8106\/"},{"hreflang":"en-au","url":"https:\/\/www.kaspersky.com.au\/blog\/telegraph-grandpa-of-internet\/9034\/"},{"hreflang":"en-za","url":"https:\/\/www.kaspersky.co.za\/blog\/telegraph-grandpa-of-internet\/9034\/"}],"acf":[],"banners":"","maintag":{"url":"https:\/\/www.kaspersky.de\/blog\/tag\/geschichte\/","name":"Geschichte"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.kaspersky.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5566","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.kaspersky.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.kaspersky.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kaspersky.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/40"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kaspersky.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5566"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.kaspersky.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5566\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11355,"href":"https:\/\/www.kaspersky.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5566\/revisions\/11355"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kaspersky.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5568"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.kaspersky.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5566"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kaspersky.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5566"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kaspersky.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5566"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}