In den vergangenen Jahren gab es einen erheblichen Anstieg von Stalkerware-Vorfällen, die von Organisationen häuslicher Gewalt sowie aus Sicht der IT-Sicherheitserkennung bestätigt werden. Im Jahr 2020 waren weltweit fast 54.000 Kaspersky-Nutzer betroffen. Deutschland war mit 1.547 betroffenen Nutzern das meist angegriffene Land in Europa – in Österreich und der Schweiz gab es jeweils 153 Angriffe. Um weiter gegen Stalkerware vorzugehen, hat die Koalition gegen Stalkerware [1] ein dediziertes Training entwickelt, das gemeinnützigen Organisationen und allen, die mit Betroffenen arbeiten, dabei helfen soll, dieser Art von Online-Missbrauch entgegenzutreten.

Bei Stalkerware handelt es sich um eine kommerziell erhältliche Software, die für Cyberstalking verwendet wird und normalerweise auf dem Smartphone einer nahestehenden Person oder eines Ex-Partners ohne deren Wissen installiert wird. Um das Bewusstsein für diese Form des digitalen Missbrauchs zu schärfen und Experten zu schulen, die mit Betroffenen arbeiten, haben Kaspersky und neun weitere Organisationen im November 2019 die Koalition gegen Stalkerware gegründet. Derzeit besteht das globale Netzwerk aus mehr als vierzig Partnerorganisationen weltweit, die mit Betroffenen häuslicher Gewalt arbeiten oder in der Täterintervention, der Anwaltschaft für digitale Rechte, der IT-Sicherheit oder in der akademischen Forschung tätig sind.

Training basiert auf Expertise der Koalitions-Mitglieder

Die Koalition gegen Stalkerware hat nun ein Training entwickelt, das eine Qualifikationslücke schließen soll – Fachleute benötigen maßgeschneiderte Inhalte, um diese Form des Cyberstalkings zu bewältigen. Darin werden zur technischen Grundausbildung die wichtigsten Fragen zu Stalkerware von Experten, die mit Gewaltopfern arbeiten, behandelt: Was ist Stalkerware? Welche Installationsmethoden gibt es? Wie kann man sie erkennen und sich davor schützen?

Die Schulungsinhalte wurden von Kaspersky-Experten und Martijn Grooten, einem Koordinator der Koalition gegen Stalkerware, mit Input und Feedback vieler Koalitions-Mitglieder entwickelt. Sie bestehen aus einem Foliendeck und einer Videopräsentation, die derzeit auf Englisch verfügbar sind – weitere Sprachen sollen folgen. Zu Beginn werden die Mitglieder eine Pilotphase durchführen, um die technische Grundausbildung an Partner aus den oben genannten Gruppen zu vermitteln, mit denen die Koalition gegen Stalkerware Kontakt aufgenommen hat. Zukünftig sieht die Koalition vor, die Schulungen allen Interessierten auf Anfrage zur Verfügung zu stellen.

Darüber hinaus legt die Koalition gegen Stalkerware darauf Wert, dass auch Experten aus dem Bereich Strafverfolgung, Justiz oder Tech-Business von der technischen Grundausbildung profitieren. Daher möchte sie ihr Fachwissen mit einer Vielzahl von Experten teilen, um den Betroffenen besser helfen zu können.

„Kaspersky erforscht Stalkerware seit Jahren. Wir verfügen über viel technisches Know-how, das zum Schutz von Menschen beitragen kann“, erklärt Christina Jankowski, Senior External Relations Manager bei Kaspersky. „Die Zusammenarbeit mit unseren Partnern an diesem Training war eine einzigartige Erfahrung – Kollegen von Cybersicherheitsunternehmen ergänzten es mit ihrem Fachwissen und machten es zu einer wahren Enzyklopädie, während Fachleute von Dienstleistern jede Menge erstaunliche Einblicke gaben, wie diese technischen Informationen besser bereitgestellt werden können. Jetzt freuen sich unsere Experten darauf, ihre Arbeit mit Organisationen fortzusetzen, die in direktem Kontakt mit Betroffenen von Stalkerware stehen, und die Schulungen der Koalition gegen Stalkerware an unsere Partner weiterzugeben.“

„Online-Gewalt ist nur eine weitere Form geschlechtsspezifischer Gewalt. Wir müssen die Nase vorn haben und Dienstleister schulen“, ergänzt Alessandra Pauncz, Executive Director des European Network for the Work with Perpetrators of Domestic Violence [3], das auch Mitbegründer der Koalition gegen Stalkerware ist.

„Online- und Offline-Teilhabe ist ein wichtiger Aspekt, um sich von erfahrener Gewalt zu erholen – es ist ein Menschenrecht“, fügt Kerstin Demuth vom Bundesverband der Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe in Deutschland (bff) [4] hinzu. „Um Gewalt zu beenden und Betroffene zu stärken, müssen diese ihren Smartphones, Computern und Online-Konten vertrauen können – und Stalker aussperren. Kooperationen zwischen Hilfsorganisationen und Technologieunternehmen helfen uns dabei, digitale Bedrohungen zu erkennen und Betroffene zu unterstützen."

Kaspersky-Tipps zum Schutz vor Stalkerware auf mobilen Geräten

  • Kontinuierliche Überprüfung der Berechtigungen installierter Apps: Stalkerware-Anwendungen können unter einem gefälschten App-Namen getarnt sein und verdächtigen Zugriff auf Nachrichten, Anrufprotokolle, Standort und andere persönliche Aktivitäten bieten - zum Beispiel eine maliziöse App mit dem Namen „Wi-Fi“, die auf persönliche Geolokalisierungsinformationen zugreifen kann.
  • Selten oder nie verwendete Apps sollten gelöscht werden. Wenn die App seit einem Monat oder länger nicht mehr geöffnet wurde, kann davon ausgegangen werden, dass sie nicht mehr benötigt wird. Wird sie dennoch wieder benötigt, kann sie jederzeit neu installiert werden.
  • Überprüfung der Einstellungen für „unbekannte Quellen“ auf Android-Geräten: Diese sollten deaktiviert sein. Ist dies der Fall, könnte dies ein Zeichen dafür sein, dass unerwünschte Software von einer Drittanbieterquelle installiert wurde.
  • Überprüfung des persönlichen Browserverlaufs: Um Stalkerware herunterzuladen, muss der Angreifer Webseiten besuchen, die der betroffene Benutzer nicht kennt. Alternativ könnte auch gar kein Verlauf vorhanden sein, wenn der Täter ihn gelöscht hat.
  • Nutzung einer bewährten Cybersecurity-Lösung wie etwa Kaspersky Internet Security für Android (auch in der kostenfreien Version) [5], die vor allen Arten mobiler Bedrohungen schützt und das entsprechende Gerät regelmäßig überprüft

Kaspersky-Empfehlungen für Betroffene von Stalkerware

  • Betroffene sollten sich an örtliche Behörden und entsprechende Organisationen wenden, die Opfer häuslicher Gewalt unterstützen – für persönliche Hilfe und Sicherheitsplanungen. Eine Liste relevanter Organisationen in verschiedenen Ländern findet sich hier: www.stopstalkerware.org/de/.
  • In der Video-Reihe [56] auf der Homepage der Koalition gegen Stalkerware finden sich weitere Informationen zum Thema Stalkerware und wie man sich davor schützen kann. Die Homepage ist verfügbar in Englisch, Deutsch, Spanisch, Französisch, Italienisch und Portugiesisch. Darüber hinaus gibt es eine spezielle Seite zu den Themen Erkennung, Entfernung und Prävention [7].
  • Eine mobile Sicherheitslösung wie Kaspersky Internet Security für Android [8] kann feststellen, ob auf einem Gerät Stalkerware installiert ist. Stalkerware sollte nach einer Erkennung nicht überstürzt gelöscht werden, da der Täter – der möglichweise ein potenzielles Sicherheitsrisiko darstellt – dies bemerken könnte. Es gilt, mögliche Eskalationen, die dadurch folgen könnten, zu vermeiden.

[1] https://stopstalkerware.org/de/uber-uns/

[2] https://www.kaspersky.de/android-security

[3] https://www.work-with-perpetrators.eu/

[4] www.frauen-gegen-gewalt.de

[5] https://www.kaspersky.de/android-security

[6] http://www.stopstalkerware.org/de

[7] https://stopstalkerware.org/information-for-survivors/

[8] https://www.kaspersky.de/android-security

Nützliche Links:

Über Kaspersky

Kaspersky ist ein internationales Unternehmen für Cybersicherheit und digitale Privatsphäre, das im Jahr 1997 gegründet wurde. Die tiefgreifende Threat Intelligence sowie Sicherheitsexpertise von Kaspersky dient als Grundlage für innovative Sicherheitslösungen und -dienste, um Unternehmen, kritische Infrastrukturen, Regierungen und Privatanwender weltweit zu schützen. Das umfassende Sicherheitsportfolio des Unternehmens beinhaltet führenden Endpoint-Schutz sowie eine Reihe spezialisierter Sicherheitslösungen und -Services zur Verteidigung gegen komplexe und sich weiter entwickelnder Cyberbedrohungen. Über 400 Millionen Nutzer und 240.000 Unternehmenskunden werden von den Technologien von Kaspersky geschützt. Weitere Informationen zu Kaspersky unter https://www.kaspersky.de/

Über die Koalition gegen Stalkerware

Die Koalition gegen Stalkerware ist ein Bündnis, das sich der Bekämpfung von digitalem Missbrauch, Stalking und Belästigung durch die Erstellung und Verwendung von Stalkerware widmet. Die Koalition, die sich derzeit aus lokalen und internationalen Hilfsorganisationen sowie IT-Sicherheitsfirmen zusammensetzt, vereint ein breites Spektrum von Organisationen, um aktiv gegen kriminelles, durch Stalkerware verübtes Verhalten vorzugehen und die Öffentlichkeit für dieses wichtige Thema zu sensibilisieren. Aufgrund der hohen gesellschaftlichen Relevanz für Menschen weltweit und dem regelmäßigen Aufkommen neuer Varianten von Stalkerware steht die Koalition gegen Stalkerware neuen Partnern offen und fordert zur Zusammenarbeit auf. Weitere Informationen zur Koalition gegen Stalkerware sind verfügbar unter http://stopstalkerware.org/de/

Koalition gegen Stalkerware startet neues Training im Kampf gegen digitales Stalking

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